Samstag, 10. Dezember 2016

THE PRODIGIES (2011 Antoine Charreyron)


Während eines traumatischen Erlebnisses entdeckt Jimbo seine telekinetischen Fähigkeiten und wird als Waise von einem alten Mann gleicher Fähigkeit gelehrt mit dieser Kraft umzugehen. Zwanzig Jahre später soll Jimbo selbiges fünf Jugendlichen gleicher Kraft lehren, doch mit dem Tod seines Lehrmeisters werden ihm von der Erbin die Mittel entzogen und die frustrierten Teenager entgleiten dem engagierten Mann. Sie lassen sich von ihren Aggressionen hinreißen und werden zu einer Bedrohung für die Bevölkerung...


Das Ende der Mutantenakademie...

„The Prodigies“ ist ein Zeichentrickfilm, der gerne ein besonderes Filmerlebnis sein möchte und an dem sechs Länder, meist europäischer Herkunft, mit herumgebastelt haben. Viele Köche verderben den Brei, und so ist aus dem Projekt ein eher gewöhnlicher Streifen geworden, was hauptsächlich daran liegt, dass man all das Präsentierte woanders schon einmal besser umgesetzt gesehen hat. Die Geschichte schaut sich wie ein Mix aus „Carrie“, "Krieg der Sterne" und den „X-Men“, die computeranimierten Zeichnungen können in ihrer zu versteiften Art weder mit der gleichen Animationstechnik der Konkurrenz a la „Appleseed“ mithalten, noch mit der klassischen Zeichentrick-Variante, und die Charakterzeichnung ist einfallslose Stereotypen-Art, äußerlich wie innerlich, angeführt von einem Helden, der den Eindruck eines einfallslosen erwachsenen Harry Potters macht.

Für den entwickelt man in seiner charakterlosen Art ebenso wenig Sympathie wie für den Rest, folgt „The Prodigies“ doch nicht nur einer zum x-ten mal wiedergekäuerten Handlung und besagtem Stereotypenmeer, selbst die ausgesprochenen Worte und die enthaltende Mentalität wiederholen bloß das was bereits oft unreflektiert im Mainstreambereich der Science Fiction und des Fantasyfilmes thematisiert wurde. Trotz seiner unterkühlten Art kann man der Geschichte zwar folgen, ohne den Zwang zu verspüren ausschalten zu müssen, aber letztendlich erreicht einen solch ein kalkuliertes, fast schon lustlos erzähltes Produkt nicht an jenem Punkt in uns, der für wahres Interesse sorgt.

Positiv bleibt jedoch zu vermerken, dass die Animation zwischendurch durchaus über Momente verfügt, die etwas mehr Engagement aufweisen als das Restprodukt. Der Perspektivwechsel in die Fantasiesicht der gerade leidenden telekinetisch Begabten weiß in seiner skizzenhaften Artbook-Art ebenso zu gefallen, wie mancher optischer Szenenübergang, wie jener ziemlich zu Anfang, der in einer Regenschirm-überfluteten Szene mündet, die während einer Beerdigung spielt.

Das junge jugendliche Publikum, welches noch nicht genügend Vergleichsstoffe kennt, wird mit seiner mangelnden Lebenserfahrung und den heruntergeschraubten Erwartungen sicherlich mehr mit „The Prodigies“ anfangen können als der erwachsene Zuschauer, aber die haben andererseits gerade im Anime-Bereich wesentlich bessere Quellen zur Auswahl als das was der hier besprochene Science Fiction-Animationsfilm zu bieten hat. Zwar ist „The Prodigies“ durch das Fehlen einer wahrlich aneckenden, fragwürdigen Ideologie nicht so übel ausgefallen wie der dänische „Princess“, an wahrlich erwachsene Animationswerke a la „Persepolis“ oder „Mary und Max“ kommt er rein intellektuell aber ebenso wenig heran wie an inhaltsverwandte Stoffe, wie die eingangs erwähnten Kinoerfolge oder der namhafte Bereich aus dem Animesektor, angeführt von Ur-Produkten wie „Akira“, „Patlabor“ und „Ghost in the Shell“. In seiner versteiften, unterkühlten Art erinnert "The Prodigies" noch am ehesten an den missglückten Versuch mit "War of the Worlds - Goliath" den Krieg der Welten-Stoff in den Zeichentricksektor zu integrieren.


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