Sonntag, 16. April 2017

BLACK ZOMBIES (Demoni 3 1991 Umberto Lenzi)


Als ihr Wagen liegen bleibt kommen drei amerikanische Touristen bei Gleichaltrigen Brasilianern in einer heruntergekommenen Plantagenvilla unter, auf der einst Sklaven gehalten wurden. Mittels der Tonbandaufnahme einer vor kurzem beigewohntem Voodoo-Zeremonie erweckt einer von ihnen die begrabenen Toten vom benachbarten Friedhof...


Sehnsucht nach Sugar Hill...

„Black Zombies“ ist ein ganz später Nachzügler der ersten Zombiewelle, der es einige Jahre nach Abbruch dieser, zumindest im europäischen Bereich, noch einmal wissen wollte, klassisch erzählt, ohne modernen Schnickschnack versehen und inszeniert von Umberto Lenzi, der hauptsächlich im italienischen Kino der 70er und 80er Jahre von sich reden machte. Das klingt nach einem spannenden Projekt, nach einer Chance etwas gutes Vergangenes wieder aufleben zu lassen, aber dass nach „Black Zombies“ weiterhin tote Hose im europäischen Zombiefilm herrschte, braucht bei dem miesen Ergebnis welches Lenzi abliefert nicht verwundern.

Ich benötige in einem Zombiefilm keinen geistreichen Plot, kann mich auch mit den dünnen Versionen a la „Großangriff der Zombies“ und „Hölle der lebenden Toten“ anfreunden, und dass die moderne Zombiethematik sich wunderbar mit der klassischen Voodoo-Zombie-Thematik kreuzen kann, bewies in den 70er Jahren „Die schwarzen Zombies von Sugar Hill“. Ich kann bei dieser Thematik mit Klischees diverser Kulturen leben, die Vorurteile beinhalten, ich kann mit Hokuspokus ebenso leben, wie mit übertriebener Brutalität, europäische Zombiefilme der alten Zeit schaut man nicht weil man Arthouse erwartet. Aber was Lenzi uns mit „Demoni 3“ (Originaltitel) abliefert, der mit besagtem Titel dreist eine Verwandschaft zu den beiden „Dance of the Demons“-Filmen von Lamberto Bava vortäuschen möchte, ist nicht nur dünn geraten, sondern auch lustlos abgedreht.

Die Zeremonie welcher der Bruder der Heldin zu Beginn beiwohnt besteht aus ödem Herumgetrommel, lustlos-extatischem Tanz, im Zentrum ein älterer Schwarzer mit weißen Kontaktlinsen sitzend, der eher wie ein Kuschelbär, als wie ein dämonischer Magier wirkt. An der Front zur Hauptgeschichte sieht es nicht besser aus. Sechs Zombies bietet man uns lediglich an, auferstanden auf dem Friedhof ohne das Entsteigen aus den Gräbern zu zeigen (welch vertane Chance) und trotz dem ungewöhnlichen Erscheinungsbild nicht einmal den simplen Charme der reitenden Leichen einfangend, was aber auch daran liegt, dass die schwarzen Zombies nicht halb so gut aussehen wie Ossoris Templer.

Zumindest lässt Lenzi sie mit hellen Laken bekleidet eine Kette hinter sie herziehen, was eine Verwandschaft zu den klassischen Spukgeistern aus Kindergeschichten aufbaut. Doch auch dies weiß nicht wirklich zu wirken, zumal man das Rasseln der Ketten nicht gut hört und man meist von einem der Protagonisten erfährt, dass ein solches Geräusch gerade zu hören war. Die Location der heruntergekommenen Plantagenvilla will leider ebenso wenig hergeben, und Lenzos Unvermögen sei Dank, schafft er es nicht einmal dann einen funktionierenden Spannungsbogen zu erzeugen, wenn das Licht ausgeht und man mit spärlicher Öllampenbeleuchtung nachts durch die Bruchbude schleicht.

Zur vollkommenen Katastrophe wird „Black Demons“ (Alternativtitel) jedoch dann, wenn die Logik geradezu provokativ mit Füßen getreten wird. Zwei Minuten nachdem der Einheimische darüber witzelt, dass die Eingeborenen an Hokuspokus glauben, warnt er seine Gäste ängstlich vor den dunklen Mächten, bzw. vor dem Fluch der auf dem Haus liegt. Ähnliche Widersprüche finden sich zuhauf, ebenso in der Mentalität. Da bedauert der Einheimische die Verbrechen, die an diesem Ort einst an Schwarzen vorgenommen wurden, und behandelt nur einen Augenblick später sein schwarzes Dienstmädchen so herablassend wie es nur geht. Wenn zu Beginn unheimliche Dinge geschehen sucht er bei dieser treuen Dienerin eher die Schuldige als bei gleichrassigen Fremden, von denen er so gar nichts weiß. Und als er sie während einer weißen Zeremonie erwischt, bezichtigt er sie der schwarzen. Die Wahrheit erfährt er mit dem Tod der Frau, den er trotz der Einsicht, dass sie doch nur die bösen Geister vertreiben wollte, zu keiner Sekunde bedauert.

Hat man diesen oft im italienischen Film vorzufindenden Rassismus geschluckt, darf man sich zudem noch darüber wundern, dass urplötzlich aus dem Nichts von einer Flucherfüllung gesprochen wird, wo auch immer die plötzlich herkam. Zumindest hat man nun die Erkenntnis, dass sechs Weiße sterben müssen, damit die Zombies ihren Frieden finden. Die sechs leeren Gräber entdeckt man erst hinterher, diese sorgten nicht für die plötzliche Kenntnis eines solchen Fluches. Lenzi schafft es somit an vielen Stellen nicht die extrem simple Geschichte halbwegs glaubwürdig zu halten, und seine für ihn agierenden untalentierten Mimen verhelfen „Black Zombies“ erst recht zu keinem guten Ergebnis.

Nein, das war mal so gar nichts, was schon schade ist, da erst humoristisch angehauchte Zombiefilme in den 90er Jahren, ja eigentlich schon seit Mitte der 80er Jahre, eine Chance auf dem Filmmarkt hatten, und selbst diese waren rar gesät. Hätte Lenzi nur das simple Niveau diverser Vorgänger erreicht, hätte die Rechnung bereits aufgehen können, schließlich sah es allgemein rar um sich echt anfühlende, italienische Genrefilme aus. Einen Fan-Kreis für Zombiefilme im klassischen Italo-Stil hätte es sicherlich noch gegeben. Lenzi erschuf in der Regel nicht mehr als mittelmäßig geartete Filme. Ausgerechnet „Black Zombies“, bei dem solch ein schlichtes Niveau ausgereicht hätte, inszenierte er schlecht. Schämen soll er sich dafür!


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