Montag, 26. Juni 2017

DAS TODESSCHIFF (Death Ship 1980 Alvin Rakoff)


Ein Passagierschiff wird von einem Geisterschiff gerammt. Die wenigen Überlebenden finden auf diesem Unterschlupf, müssen jedoch recht schnell herausfinden, dass auf dem verlassenen Kutter unheimliche Dinge vor sich gehen...


Das Schiff braucht Blut...

Der harmlose Einstieg ins Geschehen erinnert ein wenig an den Heinz Rühmann-Film „Der Kapitän“, wenn wir davon erfahren, dass der von George Kennedy gespielte Kapitän sich nicht nur auf seiner letzten Reise befindet, sondern es ihm auch noch zuwider ist mit den dekadenten Passagieren höflich zu interagieren. Wenn im Stil von „Geisterschiff der reitenden Leichen“ und „Die Schreckensmacht der Zombies“ nun aus dem Nichts ein Geisterschiff auftaucht, hält sich nach dem Zusammenstoss beider Schiffe Alvin Rakoff nicht lange mit einem Katastrophen- und Untergangsszenario auf. Wir bekommen kurzerhand die im Wasser treibenden Überlebenden präsentiert, die weder die Toten betrauern, noch das was Geschehen ist hinterfragen, sondern einfach nur froh sind nach erneutem Auftauchen des rostigen Kahns auf diesem Unterschlupf zu finden.

Von nun an kann man „Das Todesschiff“ als eine Art Spukhaus-Horror auf dem Meer bezeichnen, könnte mit Ausnahme typischer Schiffseigenschaften und der Location selbst doch so ziemlich alles was passiert auch mehr oder weniger in einem Spukhaus stattfinden. Gegenstände bewegen sich von selbst um Menschen ins Jenseits zu befördern, der Kapitän wird von den Geistern des Schiffs besessen, merkwürdige Dinge, wie eine Blutdusche und unheimliche Allergien auslösende Bonbons halten derweil den Zuschauer auf Trab, dem mit fortschreitender Laufzeit immer mehr bewusst wird, dass „Death Ship“ (Originaltitel) eine Nummernrevue ist, die so lange unzusammenhängendes Unheimliches auf die Protagonisten niederregnen lässt, bis es sie ins Happy End entlässt.

Warum das so wunderbar selbstständig funktionierende Schiff einen besessenen Kapitän benötigt, um seine Arbeit zu verrichten, ergibt innerhalb des ohnehin keine Regeln befolgenden Spuks keinen Sinn. Dieser Aspekt dient einzig dem Drehbuchautor etwas vorweisen zu können, gegen das die Helden zum Ende hin kämpfen können. Mit dem Schiff selbst können sie sich logischer Weise nicht anlegen. Dass auch das Zerstören diverser Gerätschaften auf diesem Spukkahn keinen Sinn ergibt, beweist eine Szene, in welcher ein die Protagonisten in den Wahnsinn treibender Film selbst dann noch munter läuft, wenn der dazugehörende Projektor zerstört ist.

Alle Macht gehört dem Geisterschiff, deswegen darf man am Ende auch ein wenig überrascht sein, warum mit einem Mal den letzten vier Überlebenden die Flucht gelingt, und dies urplötzlich auch auf einfachstem Wege. Aber wer fragt schon nach Sinn in einem Film, in welchem man mitten in der Nacht trotz aller vorherigen Geschehnisse eine Dusche nimmt, oder die Kinder in ihrem eigenen Zimmer unbewacht nächtigen lässt. Wenn uns der Film nach etwa einer Stunde Laufzeit einen Hintergrund der Geschehnisse von einst liefert, bekommt der Spuk damit keinerlei Erklärung, geschweige denn Sinn, zumal es die Nazis sind, die spuken und nicht ihre gepeinigten Opfer.

Ja, das guckt sich alles recht zusammenhanglos, aber von Alvin Rakoff teilweise gar nicht mal schlecht umgesetzt. Er weiß das Schiff auf schlichte Art unheimlich einzufangen, freilich mit Hilfe der Set-Designer, die den staubig, rostigen Kahn allerhand Spinnweben beschert haben, um auch klassische Gruselelemente zu integrieren. Und das Geisterschiff selbst weiß in seinem düster-rostigen Look ohnehin zu gefallen und erinnert ein wenig an das Biest von LKW in Spielbergs „Duell“, was ich definitiv als Lob verstanden haben will. Trotz kurzer Nackedeiszenen und einem brutalen Ableben des Kapitäns kommt „Das Todesschiff“ eher konservativ und trocken erzählt daher, was mir persönlich aber ganz gut gefiel. Langeweile kommt nicht auf, und die Schauspieler schlagen sich wacker. Der Film ist lediglich angenehm zu schauende Routine, welchem für ein besseres Ergebnis inhaltlich ein Kapitän am Steuer gefehlt hat, der den Kurs hält.


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