Mittwoch, 20. Dezember 2017

DIE INSEL DER KREBSE (1975 Gerhard Schmidt)


Ein bislang nicht ernst genommener Wissenschaftler bekommt die Chance auf einer abgelegenen Insel ein Experiment mit mechanischen Krebsen durchzuführen, die in der Lage sind sich selbst fortzupflanzen und sich dabei auch evolutionär weiterzuentwickeln. Ein Saboteur ist mit an Bord, und als den Krebsen von diesem das nötige metallene Material entwendet wird, welches der Wissenschaftler den Robotern zur Reproduktion zur Verfügung stellte, zerstören sie alles was ansatzweise Metall enthält, was die Situation der Forscher auf der Insel lebensbedrohlich werden lässt...


Ein Sozialexperiment für welches sich das Militär interessiert...

In den 70er Jahren wurde vom Geld der Gebührenzahler manch kleiner Leckerbissen finanziert, der nicht gerade zum damals üblichen Durchschnitt gehörten. Man wagte noch wahre Experimente, und einige davon waren im Bereich der Science Fiction zu Hause. Rainer Erler kreierte mit „Die Delegation“ den ersten Found Footage, viele Jahre vor „Nackt und zerfleischt“ und „The Blair Witch Project“, Dieter Hallervorden und Dieter Thomas Heck agierten in einer Zukunftsvision des Fernsehens namens „Das Millionenspiel“, bei welchem sich Stephen King später für den Roman „Menschenjagd“ ebenso fleißig bediente, wie die Verantwortlichen von „Running Man“, die Stephen Kings Geschichte zwar völlig anders verfilmten, dabei aber ebenso von der deutschen Fiktion der 70er Jahre klauten. „Welt am Draht“ sollte das Thema der „Matrix“ um Jahrzehnte vorwegnehmen und dabei wesentlich geistreicher vorgehen als die actionorientierte Nachahmung.

Auch „Die Insel der Krebse“ ist TV-produzierte Science Fiction. Zwischen ihr und den Vergleichsfilmen besteht jedoch ein wesentlicher Unterschied: Gerhard Schmidts Werk ist bei weitem nicht so visionär ausgefallen wie die überraschend geglückten Vertreter dieser kleinen Welle an gewagten Projekten besagten Genres. Während die Autoren der Vergleichsfilme entweder geistreiche Bücher zur Vorlage hatten oder eigenen Weitblick bewiesen, indem sie die Gesellschaft der damaligen Gegenwart kritisch betrachteten, badet der Geist von „Die Insel der Krebse“ bereits im Massendenken von einst. Es wird über gesellschaftliche Modelle diskutiert, radikale Ansätze werden provoziert, und so wenig geistreich das massentaugliche Geschwätz zu Beginn wirken mag, wenn wir einer fingierten Talkshow beiwohnen, so sehr spiegelt sich diese mangelnde Intelligenz bereits im geplanten Experiment wieder, welches nie so ganz klar machen will, inwieweit man damit eine These beweisen mag, zumal besagte These höchstens beim ungebildeten Publikum ein interessiertes Staunen verursachen mag.

„Die Insel der Krebse“ ist in dieser Phase zwar durchaus interessant ausgefallen, schließlich weiß man noch nicht ob das dümmliche Geschwätz beabsichtigt so gehalten ist um Charaktere zu kreieren, oder ob dies die Mentalität des kompletten Streifens wiederspiegelt, im Laufe der Zeit merkt man aber, dass leider letztes der Fall ist, und aus Neugierde wird Enttäuschung. Die elektronischen Krebse mögen mit Retroblick sympathisch nostalgisch wirken, naiv muss das Ganze jedoch schon damals ausgesehen haben, und dies passt zur Grundhaltung des Streifens, welche ganz naiv auf den Geist des Durchschnittsbürgers schielt, in der Hoffnung dass zumindest dieser etwas Großes, Tiefsinniges in diesem Unsinn zu entdecken vermag.

Ich glaube kaum dass dies funktioniert hat, der Durchschnittsbürger von damals war gebildeter als jener von heute, und da „Die Insel der Krebse“ im Laufe der Zeit, im Gegensatz zu den Vergleichsfilmen, in Vergessenheit geraten ist, kann man wohl davon ausgehen, dass schon damals kaum wen Schmidts Film sonderlich interessiert haben mag. Zumindest habe ich im Gegensatz zu den bereits hier im Artikel erwähnten Filmen, oder aber auch im Vergleich zum lange auf DVD vermissten „Schach dem Roboter“, nie zuvor etwas von diesem Stück Naivst-Science Fiction gehört und war ganz erstaunt von dessen Existenz, als mich das Cover der DVD im Regal eines Mediamarktes anlächelte. Darauf zu sehen waren ohne große Geheimnisse daraus zu machen, die dusselig aussehenden Roboterkrebse, die ungemein an jenen aus dem vier Jahre später entstandenen „Zwei tolle Käfer räumen auf“ erinnerten. Ob Zehetgruber günstig bei den Requisiten des hier besprochenen Filmes eingekauft hat? Er hätte die Viecher lediglich rot färben müssen.

Wie auch immer: filmhistorisch ist dieses naive Stück Banalst-Science Fiction sicherlich interessant zu nennen. Und da es halbwegs zu unterhalten weiß und manch sympathisches Gesicht mit an Bord ist, kann man ihn bei ausgeschaltetem Gehirn auch sicherlich mal schauen. Aber dass man hier nichts wirklich Aufregendes geboten bekommt, sondern stattdessen lediglich die Massenmeinungen von damals bedient werden, teils mit esoterischen Mitteln, macht bereits deutlich dass man lieber intelligent gewesen wäre anstatt es wirklich zu sein. Und dass auch die Geschichte weit weniger vom Hocker reißt als sie zunächst scheint, beweist allerspätestens der Schlusskniff, der alles andere als überraschend ausgefallen ist, jedoch so dargeboten wird, als erwarte man nun, dass der Zuschauer nun weit über den Abspann hinweg noch staunend mit offener Kinnlade vor dem Fernseher sitzen bleibt und alles um sich herum vergessen würde.


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