Samstag, 21. Juli 2012

MAMBA (1988 Mario Orfini)


Ein Kontroll-Freak versteckt in der Wohnung seiner Ex-Frau eine Mamba, deren Aggression er um das Dreifache gesteigert hat. Der Ausgang ist verriegelt, und den Überlebenskampf seiner ehemaligen Lebensgefährtin mit dem Tier beobachtet der Psychopath über einen Monitor im Auto...


Was ist die Alternative zu Mamba? - Maoam!...

Wirklich geglückte Schlangen-Horrorfilme kenne ich bislang eigentlich keine. Während der Tier-Horror im Bereich Spinnen, Haie und Krokodile immer auch mal ein paar geglückte Beiträge ausspuckt, ist das höchste der Gefühle bei einem Schlangen-Thrill das Mittelmaß. Dies erreichte beispielsweise Tony Randel mit „Rattled - Angriff der Klapperschlangen“, während Beispiele wie „New Alcatraz“ und „Boa vs. Python“ eher nur mit unfreiwilliger Komik punkten können.

Immerhin kam Ende der 80er Jahre etwas halbwegs brauchbares in diesem Bereich aus Italien, jenem Land, das schon immer gerne Alternativprogramm für Horror-Freaks produzierte. 1988 war nicht gerade das Hoch des Horrorfilms, ganz im Gegenteil, und so braucht es auch nicht verwundern dass „Mamba“ sich ein wenig wie ein Mix aus Tier-Horror und Gangsterfilm guckt. Hohe Erwartungen hat man bei einem Werk dieses Themas sicherlich ohnehin nicht, also klingt auch dieser ungewöhnliche Genre-Mix nicht störend.

Ganz im Gegenteil, die ersten 10 Minuten des Streifens, der Kauf der Mamba und das Töten des Verkäufers durch eben diese, sind auf einem atmosphärischem Hoch erzählt. Das Manko mittelmäßigem schauspielerischem Talentes keimt bereits hier auf, aber es ist egal, da es Orfini versteht die Stärken seines Filmes aus der Atmosphäre zu ziehen. Die Musik ist stimmig, die reißerische Schlangenthematik auf ein Minimum der Lächerlichkeit reduziert, und die Gnadenlosigkeit, mit welcher der Käufer vorgeht, weiß zu beeindrucken. In trister Optik wissen die schlicht eingefangenen Bilder zu gefallen.

Einige dieser Pluspunkte sind auch im Hauptteil des Filmes enthalten, jedoch wird der Streifen nie wieder so gut wie in dieser ersten Phase. Wenn nach 40 Minuten die Ex-Frau sich ihrer Situation bewusst ist und der Computer ihres Mannes angibt die Lebenszeit der Mamba betrage nur noch 30 Minuten, dann erhofft man sich - gerade wegen der bislang stimmigen Atmosphäre - einen Überlebenskampf in Echtzeit. Darauf wird leider verzichtet.

Zwar weiß der Film den zentralen Kampf, bzw. die Jagd der Schlange weiterhin packend zu erzählen, einfach durch eine Art Grundspannung welche das komplette Werk umweht, aber dieser Pluspunkt hat es nicht leicht mit der im Mittelpunkt agierenden Frauenrolle, die unentwegt sinnlose Selbstgespräche führt, ob von Regie gewollt oder nicht inmitten einer psychischen Störung steckt, und sich, auch im Anbetracht ihrer Angstsituation, schon recht bescheuert verhält.

Zumindest weiß inmitten des von der Zivilisation geprägten Handlungsortes der auf die Natur reduzierte Kampf zu wirken. Im täuschenden Schutz der eigenen Wohnung muss sich die Heldin einer Angst stellen die wir in unserer kontrollierten Welt derart reduziert haben, dass wir weder mit dieser Art Gefahr rechnen, noch das Wissen darüber besitzen wie man sich nun am besten verhalten solle. Zurück zur Natur, bzw. zu den Grundlagen des Lebens von Opfer und Täter, Jäger und Gejagten, fressen oder gefressen werden!

Orfini scheint Gefallen an dem Urgedanken der Natur zu finden. Zumindest spiegelt sich zwischen den Zeilen eine Art Feindschaft zum modernen Leben wieder. Ob nun unbewusst oder als Symbolik versehen kommt unsere technische Welt sehr schlecht weg. Die Technik machte der Frau das Zusammenleben mit ihrem Mann unerträglich, das Telefonieren findet ausschließlich auf negative Art statt, Musikanlagen gehen in den Augen der Protagonistin auf unheimliche Weise von alleine los, ein Monitor zeigt kühl und theoretisch den aktuellen Stand der bösartigen Situation, und ein zu lautes Radio verhindert, dass ein Passant von außen die Hilfeschreie der Frau im Inneren ihrer fensterlosen Wohnung hört. Selbst der Kühlschrank kommt nicht positiv weg, da er einfach nicht genug Platz für die kürzlich eingekauften Lebensmittel aufweist.

Ob also nun gewollt oder nicht: unsere Zivilisation kommt nicht gut weg, und selbst die Frau, die sich kaum für Elektronik interessiert, hat einen psychischen Knacks weg. Das sind alles keine lobenden Worte für die Gegenwart des Erscheinungsjahres von "Mamba". Nun muss sich die Heldin der Schlange stellen, und da darf man schon überrascht sein wie spät die halbnackte Dame (Orfini ist stets drum bemüht seine Akteurin, wenn schon nicht nackt, dann wenigstens pausenlos erotisch angehaucht einzufangen) zu ihren Gummistiefeln greift und sich zum eigenen Schutz etwas bedeckender bekleidet. Sie unternimmt zudem bis auf einen Gang zur Haustür keinen Versuch irgendwie aus der Wohnung zu entkommen. Und nach Waffen zur Gegenwehr sucht die Dame auch erst sehr spät.

Passend zu Orfinis Pro-Natur-Einstellung ist die gewählte Waffe der Frau dann interessanter Weise nun das Feuer, vor welchem die Schlange Angst hat, und das für einige Zeit den Zuschauer darüber im Unklaren lässt wer nun Jäger und Gejagter ist, phasenweise sind die beiden Kontrahenten beides zugleich. Die Versuche der Frau das Vieh mit Feuer zu vertreiben sind jedoch jämmerlicher Art, und ohnehin darf es verwundern wie eine rein aus Emotionen handelnde Frau so lange überleben kann.

Der unter seinen Möglichkeiten laufende Kampf ist überraschender Weise bereits nach 20 Minuten beendet, und das Finale wendet sich nun der Konfrontation mit dem Ehemann zu. Auch wenn die Frau in dieser Phase völlig unpassend als besonders intelligent dargestellt wird, so kann doch auch diese letzte lange Szene durch seine ruhige und gute Atmosphäre überzeugen.

Neben einem guten Spannungsaufbau und einer packenden Atmosphäre wissen in den Szenen innerhalb der Wohnung noch einige andere Dinge gegen die gelegentlich aufkommende Lächerlichkeit zu wirken. So weist die Kamera manch interessante Optik auf, meist wenn man die Schlangenperspektive einnimmt. So gibt es beispielsweise einen Moment, in welchem das Schlängeln über ein interessantes Teppichmuster sehr zu wirken weiß.

Geglückt ist auch das augenzwinkernde Spiel in jener Phase, in welcher die Heldin noch nicht weiß dass sie sich allein mit einer aggressiven Mamba im Haus befindet. Diese hat längst die Witterung ihres Opfers aufgenommen und wird ständig durch Zufälle aufgehalten, wie beispielsweise durch überschwappendes Badewasser. Orfini schafft es dabei nie in humoristische Bereiche abzurutschen. Die Bedrohung bleibt ernst. Und das ist ein Talent welches ich mir auch in der Hauptphase, dem eigentlichen Zweikampf, der Flucht und dem Verstecken gewünscht hätte. Mit diesem Manko verschenkt „Mamba“ viel Potential, bleibt aber immerhin dennoch ein herrlich anspruchsloser Unterhaltungsfilm für zwischendurch.


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