Samstag, 21. Juli 2012

STEPFATHER (The Stepfather 2009 Nelson McCormick)


Als die alleinerziehende Mutter Susan ihren neuen Verehrer David bereits nach einem halben Jahr heiratet, ahnt sie nicht dass sie damit einen Mörder in ihr Leben lässt. Der Soziopath sucht sich immer alleinstehende Mütter und tötet dann, wenn sein von ihm gewünschtes harmonisches Familienbild Risse erhält. Da ist es nicht sehr hilfreich, dass Susans ältester Sohn ein Rebell ist. Als dieser Heim kommt, um wieder bei der Mutter zu wohnen, ist er recht schnell misstrauisch was David betrifft...


Heute wird nicht gepfiffen...

Als in den 80er Jahren schon länger die Slasher-Welle tobte, da kam ein Psycho-Killer auf die große Leinwand, um auf eher klassische Horror-Thriller-Art zu morden. In Deutschland baute man auch gleich Murks mit der Namensgebung, kam der im Original betitelte „Stepfather“ doch als „Kill, Daddy, Kill“ heraus, während er auf Video, aufgrund einer ähnlichen Thematik, als „Spur in den Tod 2“ vermarktet wurde. Die Fortsetzung kam dennoch unter „Stepfather 2“ heraus, aufgrund des fehlenden Hypes die zweite nur noch unter „Vatertag“.

Dennoch war auch in unserem Land „Kill, Daddy, Kill“ ein kleiner Erfolg, in den USA jedoch noch mehr, so dass es nicht verwundern muss, dass in den 00er Jahren, auf dem Hoch der Horror-Remake-Welle, auch diese 80er Jahre-Perle neu verfilmt wurde, und diese kam bei uns dann auch unter „Stepfather“ heraus. Die Regie übernahm Nelson McCormmick, der ein Jahr zuvor bereits die Neuverfilmung von „Prom Night“ ablieferte.

Ich habe dessen Remake bislang nicht gesichtet, mit „Stepfather“ ist McCormmick jedoch ein solides Stück Horror-Thriller gelungen, kein Film auf den die Menschheit gewartet hat, erst recht wenn man das Original kennt, aber durchaus angenehmer Durchschnitt. Zwar weiß Dylan Walsh den Psychopathen nicht so gekonnt zu spielen wie seinerzeit Terry O‘Quinn, aber auch seine Leistung ist okay, wenn auch nicht so beängstigend verkörpert. Walsh fehlt die Kunst David so zu spielen, dass er bereits bei kleinen Problemchen schon kurz vor der Explosion steht und damit zur immerwährenden Gefahr wird.

Letztendlich plätschert „Stepfather“ auf dem Niveau eines „Glass House“ und „Disturbia" vor sich hin, in aufpolierten Bildern gehalten, mit einem gewissen Spannungspotential versehen und doch immer oberflächlich bleibend. Die fehlende Tiefe erntet die Neuverfilmung dabei meist aus den Veränderungen, was schon verärgern darf, so treu sich das Remake doch eigentlich an die Grundgeschichte hält.

So darf man sich zurecht fragen, warum die Verantwortlichen für das Drehbuch aus einer Frau mit einem Kind gleich eine Mehrfachmutter gemacht haben, was dem biederen Familienbild des Psychopathen eigentlich widerspricht. Als finalen Gegner das schwache Geschlecht gegen das starke zu tauschen ergibt psychologisch gesehen ebenso wenig Sinn, selbst in Zeiten der Gleichberechtigung. Musste die Stieftochter sich seinerzeit noch gegen den ihr körperlich überlegenen Psychopathen beweisen, nachdem sie feststellen musste, dass die Gegenwehr gegen Mamas Neuen nicht mehr nur aufgrund typischer Teenager-Trotz-Problemchen aufkam (Typ will Daddy ersetzen, Mutter als Wesen mit eigener Sexualität anerkennen müssen), sondern eine reale Bedrohung aufdeckte, ist die Konfrontation des ältesten Stiefsohnes mit David nur deshalb vorhanden, um aus dem rebellischen Teenager ganz moralisch einen ehrenwerten Menschen zu machen, der mit dem Kampf gegen seinen Stiefvater das Erwachsensein erlangt.

Dass der Psychopath in der Neuverfilmung nicht mehr das von den Fans so gemochte Liedchen pfeift ist zwar schade, hätte das Remake aber wahrscheinlich nicht genug vom Original distanziert. Ein großes Manko zeigt sich jedoch dann in Davids Verhalten, wenn der eigentlich über Jahre geübte Soziopath dümmliche, kleine Fehler begeht, die ihn viel zu schnell verdächtig erscheinen lassen und die einfach unter dem Niveau eines so erfahrenen Killers liegen. Damit kann man den Stiefvater nicht so ernst nehmen wie sein Gegenstück aus den 80er Jahren. Somit beweist das Drehbuch damit erneut, dass es sich lieber an einem simplen Muster orientiert, anstatt auf ein psychologisch stimmiges.

Warum diese Verschlechterungen vorgenommen wurden, während man sich stilistisch und ansonsten inhaltlich stark an der Vorlage orientierte, weiß der Geyer. Damit wird aus „Stepfather“ ein zu routiniertes Stück Horror-Kost, welches zwar zu gefallen weiß, aber das Original weder ergänzen noch für eine jüngere Generation ersetzen kann. Wie so oft bleibt die Frage warum man sich dann nicht lieber gleich die Erstverfilmung anschauen sollte. Veraltet guckt sich das 80er Jahre Original noch nicht.


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