Sonntag, 26. August 2012

TELETUBBIES (1997 Vic Finch u.a.)


Die Teletubbies leben in ihrer immergrünen Welt, entdecken diese, essen Pudding und schmusen...


A - O...

Fast überall liest und hört man wie abgrundtief schlecht die „Teletubbies“ seien, und auch ich wage es da gar nicht zu widersprechen. Diese Sendung gehört zu den größten Fernsehverbrechen an das junge Publikum. Dennoch entfernt sich meine Kritik von dem was man üblicher Weise so liest und hört. Das was dieser Sendung meist vorgeworfen wird ist eigentlich gerade das Gute an ihr. Die Abgründe liegen ganz woanders.

Häufig wird kritisiert, die Sendung verdumme die Kinder. Aber ebenso wie „Der kleine Maulwurf“ Pauli achtete man darauf möglichst kindgerecht zu arbeiten. Jeder Teletubbie ist auf einem unterschiedlichen Sprachschatzstand, nicht unähnlich dem Sprachschatzstand des Zielpublikums im Alter von unter 3. Die Älteren können zwar schon besser reden als der älteste Teletubbie Tinky Winky, aber sie mögen diese Babysprache und verstehen sie. Nur weil hier kinderorientiert gesprochen wird, verdummen noch lange keine Kinder dadurch.

Zudem wird gerne das ständige Wiederholen kritisiert, aber selbst dies ist alterstypisch. Wir haben es bei den „Teletubbies“ schließlich nicht mit einem Zielpublikum im Alter der "Sesamstraße" zu tun, sondern mit einem noch jüngeren. Man könnte höchstens über die Frage diskutieren, ob besagte Altersgruppe von 0 bis 3 überhaupt eine eigene Fernsehsendung benötigt. Lernt das Kind nicht auch ohne diese Sendung früh genug das TV viel zu sehr zu lieben? Eine Frage, die ich in dieser Review nicht beantworten will.

Wichtiger ist es nun einmal sich mit dem fertigen Produkt auseinander zu setzen. Und ob man Fernsehen für die Jüngsten nun gut heißt oder nicht, das ewige Wiederholen in dieser sogenannten Kindersendung ist ein Pluspunkt, da es sehr nah am Spiel- und Lernverhalten eines Kindes im dem Alter orientiert ist. Wer das anzweifelt muss nur einmal Kleinkinder beobachten. Direkt nach dem Zeigen wieder das selbe sehen oder immer wieder das selbe spielen wollen, ist natürlicher Vorgang in dieser Lebensphase. Und bis zu einem gewissen Grad macht man als Eltern den Kindern auch gerne die Freude der Wiederholung. Die Lauflänge der Sendung „ Teletubbies“ ist bei der Fülle des Inhalts gar nicht in der Lage eine fragwürdige Übertreibung der Wiederholungen zu präsentieren.

Nein, die ewigen Kritiken zu der Sendung kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil: Menschen denen diese Dinge nicht gefallen, das eigentliche Problem an der Sendung aber nicht erkennen, die halte ich für fragwürdig, da sie scheinbar nach einem Weltbild leben, das ich nicht teilen möchte. Die Welt der Teletubbies ist ein reines Kunstgehege. Eine auf kunterbunt getrimmte Welt täuscht kindliche Freundlichkeit vor. Viele Spielmöglichkeiten gibt es hier nicht. Die Welt ist aalglatte Natur, nichts hat Ecken und Kanten an denen man sich weh tun kann. Spielmöglichkeiten wie wir sie als Kinder beispielsweise auf Baustellen oder in Wäldern hatten gibt es nicht. Die Welt ist grün und bunt und voller geheuchelter Fröhlichkeit, ein Fest für Helikoptereltern.

Das könnte man freilich auch zu Recht den „Glücksbärchis“ und anderen verkitschten Kommerzprodukten vorwerfen. Der allergrößte Kritikpunkt an „Teletubbies“ ist aber, und das findet nirgendwo Erwähnung wenn über die Sendung geschimpft wird, das soziale Umfeld der vier Tubbies. Tinky Winky, Dipsi, Lala und Po stehen für sich alleine in einer Welt voller Maschinen. Der Pudding kommt aus einem Apparat, so etwas wie Eltern gibt es nicht. Die einzige Bezugsperson, bzw. das was dem Begriff am nächsten kommt, ist ein Telefon.

Aus dem Gegenstand kommt eine Stimme, welche die Teletubbies darüber aufklärt was gerade Sache ist, ob es nun schlafen geht oder was als nächstes passiert. Diese Stimme spricht die vier Helden allerdings nie persönlich an. Sie spricht allgemein in den Raum. Es ist kein Gespräch mit dem Ding möglich, es gibt keine direkte Anrede und irgendeine Form von Körperkontakt sowieso nicht. Das Ding ist eben nur ein Ding. Die Stimme, wenn auch auf lieb getrimmt, gibt meist nichts anderes als Befehle, auch wenn diese hin und wieder nett formuliert sind. Manchmal gibt die Stimme auch nur einen Reim vor, dann aber ohne irgendeinen Zusammenhang, weder als fröhliche Geschichte formuliert noch in Bezug auf aktuelle Situation gebracht.

Der einzige weitere Außenkontakt der den Tubbies neben der Stimme bleibt (und den Staubsauger ignorier ich nun einfach mal) ist das Fernsehen. In welche Welt wollen die Briten die Kinder bitte mit „Teletubbies“ hineinerziehen? Eine synthetische Welt ohne Kontakte zu Erwachsenen, in einer isolierten, perfekt unfallfreien Spielumgebung, ohne echte und lernfördernde Spielaufforderung,  und die einzige Wärme die man hier erhält kommt von der nervigen Babysonne. Kann da so etwas wie ein gesunder Charakter entstehen? Würde unter solchen Bedingungen überhaupt ein Charakter entstehen?

Ich würde gerne einmal wissen was für hasserfüllte Egomanen bei einer derartigen Erziehung herauskommen würden. Grenzdebile Allesgucker, trotz Aufwachsen mit anderen Kindern nicht geschult in sozialem Umgang miteinander, das wird eine Welt in der ich nicht leben möchte. Man könnte jetzt sagen: was für eine kaputte Welt wäre das, wenn die Realität der Teletubbies in der unseren Realität angewandt werden würde. Viel passender ist aber die Frage: was ist das für eine Welt, in der Sendungen wie die "Teletubbies" überhaupt erst entstehen?


Episodenführer,   OFDb

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