Dienstag, 7. August 2012

THE WANDERERS (1979 Philip Kaufman)



Die Wanderers sind eine italienische Jugendgang im Amerika der 60er Jahre. Eine Schlacht gegen eine schwarze Gang wird in ein Football-Spiel umfunktioniert. Was als Fair-Play gedacht war, endet in einer brutalen Schlacht. Doch daran sind nicht die beiden Banden schuld...


Gangs und Gangster...

Nachdem Regisseur Philip Kaufman mit „Die Körperfresser kommen“ einen interessanten Beitrag im Science Fiction- und Horrorbereich abgeliefert hatte, sollte sein Folgefilm „The Wanderers“ schon etwas schwerer einzuordnen sein. Straßengang-Action kreuzt sich mit Jugend-Drama, dem wiederum eine schwer zu greifende Portion Komödie beigemischt wird, die das Ganze zu einem recht gewagten Mix macht, aber einem der sich lohnt. „The Wanderers“ ist etwas eigenes geworden, und doch kann man nur schwer fest machen was die eigentliche Faszination des Filmes ausmacht.

Filme um Jugendgangs der 50er und 60er Jahre gibt es zu genüge, und auch das wirre Erzählmuster eines „The Wanderers“, welches Personen und Situationen wild durcheinander mixt, recht authentische Einblicke gibt, aber kaum etwas zu Ende erzählt, eben so wie das richtige Leben auch nie ein Ende findet, gab es zumindest später hin und wieder, so z.B. in der Teenie-Komödie „Ich glaub‘ ich steh‘ im Wald“.

Auch wenn, wie gerade kurz angedeutet, einen ein gewisser Grad Authentizität anweht, so ist es doch nicht der Realitätsgehalt des Streifens, der den Film so gelungen macht, wird dieser Realismus doch pausenlos unterbrochen von Klischees und Kinokomik, die sich so gar nicht realitätsorientiert gucken. Wenn dann noch der Nostalgie-Bonus mit einem wundervollen Soundtrack angekurbelt wird, ist der Mix der ungewöhnlichen Rezeptur komplett. Nun sollte man meinen das Ergebnis sei bei einem Drama recht emotionsgeladen, so wie es später in Rob Reiners „Stand By Me“ der Fall war. Interessanterweise gibt sich „The Wanderers“ jedoch trotz seiner Genreherkunft recht emotionsfrei, hält immer genügend Abstand zu den Geschehnissen und Figuren und ermöglicht damit einen objektiven Blick auf das Meer nichtiger Ereignisse.

Letzten Endes ist es das, was „The Wanderers“ so sehenswert macht. Der Zuschauer beobachtet, behält den Überblick, sammelt Eindrücke und kombiniert manche Einflüsse und genießt diverse Nichtigkeiten. Manches wird fortgeführt, anderes überraschender Weise nicht. Durch das Fehlen von Emotionen taucht kein Kitsch auf. Dass man sich für die Banalitäten des Alltags so interessiert liegt wiederum an einer guten Figurenzeichnung. Auch wenn man nicht emotional in die Geschichte um rivalisierende Gangs und erste Liebe eintaucht, so sind einem doch zumindest die einzelnen Figuren sympathisch genug, um die Nichtigkeiten des Alltags als ihre Wichtigkeiten anzuerkennen.

Und da geht es um mehr als um Straßenrivalitäten und Rassenhass. Es geht um recht wichtige Fragen wie die Wahl zwischen Verantwortung für ein Kind oder das Entscheiden für die wahre Liebe. Es geht um kranke oder emotionslose Eltern, denen ihre Kinder nichts bedeuten. Es geht um das Wachsen von Reife, das Erkennen falscher Werte von bisherigen Vorbildern, um das Ausnutzen eines naiven Alters für angebliche nationale Interessen. Es geht um Verrat, Mitläufertum und die Emanzipation zur eigenen Persönlichkeit. Es geht um Grundwerte im Straßenkrieg und dem Bruch dieser durch eine neue Moral, bzw. dem Verwurf einer solchen. Es geht um Erwachsene die der nachkommenden Generation entweder nichts beizubringen haben oder nicht wissen wie sie es tun sollen. Es geht um die Verantwortung für Freundschaft, dem Mut zu Neuem und der Kraft etwas gegen die Meinung Anderer zu wagen.

Die Aufzählung zeigt wie wichtig nichtig scheinende Elemente sein können. „The Wanderers“ vertieft nichts davon, schneidet nur an, bleibt dadurch aber nicht oberflächlich sondern liefert damit eine Milieustudie ab, ohne je all zu analytisch zu werden. Kaufman lässt den Zuschauer entscheiden was er sich von dem Film mitnimmt. Man kann ihn als Party gourmieren, so wie eine olle „Eis am Stiel“-Fortsetzung, man kann ihn als Spiegelbild einer Gesellschaft ohne Möglichkeit sehen, als Nostalgiefilm vergangener Zeiten oder als Jugend-Drama. Letztendlich funktioniert „The Wanderers“ am besten, wenn man nicht zu viel von ihm erwartet und ihn als Mosaik betrachtet. Tut man dies nicht scheint er unschlüssig zwischen Party und Anspruch hin und her zu schaukeln. Erst das Zusammenfügen der einzelnen Fragmente gibt ihm sein gewisses Etwas. Und diese Aufgabe liegt beim Zuschauer.


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