Mittwoch, 8. August 2012

STAND BY ME (1986 Rob Reiner)


Vier Jungs ziehen los um die Leiche eines vermissten Jungen suchen zu gehen...


Der Nochfrüherstücksclub...

Indiana Jones“ und Co zogen in die weite Welt, und manch einer flog gar ins All um seine Abenteuer zu erleben. Stephen King aber schickte einst vier Kinder in ihrem Miniuniversum los, um sie nah an den Alltagsgrenzen in ihr(e) Abenteuer zu stoßen. Sei es das Ausweichen eines heranrasenden Zuges, die Gefahr eines in die Eier beißenden Hundes oder der Angriff von Blutegeln, zahm nimmt er die Gruppe Halbwüchsiger nicht heran, und was das Abenteuer auslässt wird über persönliche Probleme nachgeholt.

Es ist typisch Stephen King seine Helden und weiteren Figuren in Form von Stereotype vorzulegen. Und es ist ebenso typisch dass Regisseur Rob Reiner („Harry und Sally“, „Misery“, „Eine Frage der Ehre“) solchen Klischeefiguren einen individuellen Touch beschert. In „Stand By Me“ kann er hier hilfreich auf vier talentierte Jungs zurückgreifen, die alle mal für kürzer und mal für länger berühmt waren. Das kleinste Licht erreichte ausgerechnet Wil Wheaton, der hier die Hauptrolle Gordon spielt und dabei selbst neben River Phoenix glänzt. Erfolge konnte er später nur als Serienstar in „Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert“ verbuchen. Ganz anders als der eben erwähnte River Phoenix, der einen jungen Drogentod erlebte und heute wohl zu den engsten Konkurrenten DiCaprios gehört hätte, wenn er noch leben würde.

Außerdem mit dabei sind Jerry O‘Connell, der hier noch überraschend pummelig auftritt und Corey Feldman, der dank „Freitag der 13. 4“, „Lost Boys“ und „Meine teuflischen Nachbarn“ dem ein oder anderen ein Begriff sein dürfte, spätestens aber als Filmpartner von Corey Haim, mit dem er so einige Teenie-Komödien verwirklichte. Weitere wichtige Rollen werden außerdem von Richard Dreyfuß, John Cusack und Kiefer Sutherland verkörpert, so dass man über Mangel an Prominenz wahrlich nicht meckern kann.

Schön dass diese schlichte Geschichte so viel Unterstützung bekam, ist sie doch, so uninteressant sie auch klingen mag, eine besonders schöne Geschichte, ein in Nostalgie getauchtes Abenteuer-Drama, in welchem es weniger um die tatsächlichen Geschehnisse geht, sondern um das Seelenleben der zwei Hauptfiguren. Das ist im King-Universum aufgrund der oben erwähnten Tatsache schon etwas gewagt, aber es haut hin. Die Jungs wälzen Probleme durch, freilich nicht immer kindgerecht sondern typisch Kino eher wie junge Erwachsene, aber trotz dieses Mankos werden die Figuren und ihre Probleme ernst genommen. Mit einem Hauch Komödieneinfluss erinnert der Streifen gar an „Der Frühstücksclub“, der ebenfalls innerhalb eines Miniuniversums die Hochs und Tiefs der Gefühlswelt seiner Protagonisten zum Zentrum seiner Erzählung machte. Letztendlich wird „Stand By Me“ zu einer präpubertären Version von diesem, wenn auch im Abenteuerbereich angesiedelt.

So erwachsen die Jungs reden, so nah sind ihre Probleme, Interessen und Abenteuer doch an der kindlichen Welt orientiert, so dass tatsächlich ein Nostalgiebonus an die eigene Kindheit entsteht, ergänzt durch den Nostalgiebonus der vergangenen 50er Jahre und dem Blick auf eigene vergangene Freundschaften. Gerade Letzteres betreffend weiß „Stand By Me“ sehr emotional zu schließen, so dass man beim titelgebenden Abspannlied gegen die Tränen kämpfen muss, wenn man das denn will.

„Stand By Me“ kommt in einer Leichtigkeit daher, teilweise mit bitterbösem Humor (z.B. der Alptraum von Gordon) und manchmal gar so verspielt, das selbst eine kleine Geschichte des Jungautors Gordons in dem wundervollen Film Platz findet. Man könnte es als Laufzeitstrecken bezeichnen, aber diese eher unwichtige Randerscheinung des Streifens macht Spaß und unterstreicht zudem das Talent des kleinen Schriftstellers, was einem dabei hilft besser zu verstehen in welch ignorantem Elternhaus er groß wird.

Parallelen zu dem Kinderbereich aus „Es“ sind gegeben, das wird sicher jeder erkennen der beide Filme kennt. Und da „Es“ in diesem Bereich wesentlich besser ausgefallen ist als in der Erzählphase der erwachsenen Helden, verwundert es auch nicht sonderlich, dass ausgerechnet „Stand By Me“, ein Film der sich einzig der kindlichen Perspektive widmet und so gar nichts von einem Horrorfilm besitzt, zu den besten Verfilmungen nach Stephen King gehört. Rob Reiner schaffte es kurz darauf mit „Misery“ noch einmal einen King-Film gleichen Niveaus abzuliefern, einen mit völlig anderem Schwerpunkt und anderen Stärken.

Man muss nicht in den 50er Jahren gelebt haben, um die Schwermut und die Sehnsucht nach dieser Zeit erleben zu können. „Stand By Me“ lässt sie auferstehen durch die Augen zweier unschuldiger Helden, die langsam erkennen, dass es so etwas wie Unschuld in der Erwachsenenwelt nicht mehr gibt. Das Idealbild der Erwachsenen erhält Risse. Eltern zeigen emotionale Schwächen und Fehler, Lehrer entpuppen sich als Menschen hinter ihrer offiziellen Rolle, und aus dem abenteuerlichen Wunsch einmal eine Leiche zu sehen wird etwas, das unsere beiden Helden erst durch ihre Reise und die Auseinandersetzung mit ihren Problemen als etwas anderes erkennen, als es zunächst schien.

Es ist dem Film als großes Plus anzurechnen, dass er diesen Prozess des Reiferwerdens nicht alle 4 Helden erleben lässt, sondern nur den zwei wichtigsten Hauptfiguren, die damit noch mehr miteinander verbunden werden als ohnehin schon. In solchen Momenten ist der an anderer Stelle vor Klischees nur so triefende Streifen sehr realitätsorientiert. Davon hätte er zwar gerne mehr vertragen können, aber letztendlich guckt man „Stand By Me“ sowieso eher wegen seines Nostalgie-Touches und weniger um ein authentisches Drama zu erleben. Dass er Momente besitzt, in denen man selbst dies ernten kann, ist Rob Reiner hoch anzurechnen, letztendlich ist dieser kleine Abenteuerfilm in meinen Augen aber ohnehin eher ein Märchenfilm für Erwachsene, einer der keine Fantasyelemente benötigt, sondern einzig dazu da ist einen träumen und reflektieren zu lassen. Und was dies betrifft gehört „Stand By Me“ in meinen Augen zu den gelungensten Werken dieser Art.


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