Mittwoch, 31. Oktober 2012

SAMBA IN METTMANN (2004 Angelo Colagrossi)


Olaf arbeitet in einer Reinigung und durch dumme Umstände hat er plötzlich drei Brasillianerinnen an der Backe, die auf seine Hilfe angewiesen sind. Die drei bringen Olafs Leben komplett durcheinander und das wo der gute Mann kurz vor seiner Hochzeit steht...


Kerkeling dreht fremd...

Der mit viel Talent gesegnete Hape Kerkeling hat einfach keinen Erfolg wenn es um Filme geht. Sein erster Kinofilm „Kein Pardon“ wurde zu Unrecht ebenso gnadenlos runtergemacht, wie sein erster TV-Film „Club Las Piranjas“, meines Erachtens seine bisher beste Komödie. Die TV-Folgefilme waren weit unter Kerkelings Niveau („Die Oma ist tot“, „Willi und die Windzors“) und langweilten mehr, als dass sie unterhielten. Wie es der Entertainer trotzdem schaffte Geldgeber für einen erneuten Anlauf im Kino zu finden, ist ein echtes Rätsel. Versteht mich nicht falsch, das hat mich sehr gefreut, aber verwundert war ich schon.

Kerkeling schrieb erneut am Drehbuch mit, das machte die Hoffnung etwas größer, trotz der letzten öden TV-Filme. Kritisch blieb ich dennoch, denn die Geschichte von „Samba in Mettmann“ klang doch recht uninteressant, ein Manko das zuvor keines von Kerkelings Komödien betraf. Und jetzt nach Sichtung kann ich sagen: Das Ergebnis ist nett, aber immer noch weit unter Kerkelings Möglichkeiten.

Ich weiß ja nicht ob sein Mitschreiberling da so viel Mist gebaut hat, ob Hape nur bedingt Mitspracherecht hatte, oder ob er selbst an der halbgaren Umsetzung schuld ist. Vielleicht wollte er diesmal alles richtig machen, nachdem er bisher immer nur Schelte erntete. Wäre ich im Kino gewesen, wäre ich mir schon etwas verarscht vorgekommen. Mehr als TV-Niveau hat dieser 2. Kinofilm leider nicht zu bieten. Zum Glück sah ich den Streifen erst im Fernsehen, und dafür war sein Unterhaltungsgrad o.k. Es fielen mir allerdings Sachen auf, die eher Kerkeling-untypisch sind und das Sehvergnügen etwas zurückschraubten.

Hapes bester Trumpf waren bislang immer die schrulligen Figuren. Das war so seine ganz eigene Handschrift, die noch in jedem seiner Werke (ob Show oder Filme) auftauchte. In „Samba in Mettmann“ vermisst man diese fast komplett. Der Opa geht noch halbwegs als solche Gestalt durch, bleibt aber auch blass im Vergleich jeglicher Nebenfiguren eines „Kein Pardon“, „Total Normal“ oder „Club Las Piranjas“. Selbst die müden Filme „Die Oma ist tot“ und „Willi und die Windzors“ boten trotz mauem Drehbuchs besagte schrullige Charaktere.

Der Polizeifreund Kerkelings, der Bierkönig, die Vermieterin, das sind alles Rollen die, anders verkörpert, Grundlage zum vermissten Figurentyp gegeben hätten. Wurden sie falsch gespielt oder waren sie nicht wie üblich gewollt? Ich weiß es nicht. Zumindest ist mit so wenig solcher Charaktere der Film lediglich eine stinknormale Komödie, in der rein zufällig Kerkeling mitspielt, es ist aber kein echter Kerkeling-Film.

Zudem ist in Mettmanns Vorgängern nie der Fehler aufgetreten, viele Handlungsstränge einfach ins Nichts laufen zu lassen, bzw. diese mit einem schnellen Schlussgag zu beenden. Die schwangere Stiefmutter, die Freundin mit ihrem Sexentzugs-Tick, der bescheuerte Sektenanführer, ja selbst der Tod des Bierkönigs wird nicht zur vollen Befriedigung zu Ende thematisiert. In seiner alten Hochform hätte sich Kerkeling gerade die Sexentzugssituation in Kombination mit dem bekloppten Christen zu Herzen genommen, um daraus etwas unglaublich witziges zu fabrizieren. Zum Zentrum der Geschichte hätte er es damals auch nicht gemacht, er hätte es aber auch nicht so sinnlos verpuffen lassen wie heutzutage.

Zu Gute halten muss man „Samba in Mettmann“ einige wirklich komische Szenen (oft durch Olafs nüchterne Art wirksam), böse Peinlichkeiten, bei denen man als Zuschauer mitleidet und die vielen kleinen lustigen Momente am Rande, ja selbst die Situation, in der sich Hape in der vollautomatischen Kleidermaschine verheddert, eine Szene die schnell ins zu alberne hätte umkippen können und die Hape auf Loriot-Art zu lösen wusste.

Auch der Stand der Sekte, mit ihrem herrlich nervigen Gesang und der Running Gag mit der deutschen Grammatik sind typische Trümpfe des Komikers, die zum Glück nicht auch noch flöten gingen. Für Fans ist der Klingelton Olafs zudem ein herrlicher Insidergag auf „Kein Pardon“, so etwas wissen Fans zu schätzen.

Schlussendlich tat es gut Kerkeling endlich mal wieder in einem Film zu sehen. Es war allerdings eine Komödie mit Hape, keine Hape-Komödie. Und mehr als angenehme Routine ist bei der lauen Story auch nicht rumgekommen. Zumal die Geschichte, obwohl sie u.a. Verklemmtheit verarscht, selbst arg verklemmt daherkommt, ab und an sogar richtig bieder wirkt. Zudem fehlte die sonst so fröhliche und unglaublich humorvolle Musik des Komikers. Das finde ich auch etwas schade. Einen nicht zu erwartungsvollen Blick kann man trotz alledem ruhig mal riskieren.


Trailer,   OFDb

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