Samstag, 22. Dezember 2012

MONSTER HOUSE (2006 Gil Kenan)


In einem düsteren Haus wohnt ein unangenehmer Zeitgenosse, vor dem die Kinder der Stadt große Angst haben. Als der Mann stirbt, scheint in dem Haus etwas Unheimliches vorzugehen. Der Junge von gegenüber kann beobachten, wie es Menschen verschluckt. Halloween steht bevor. Viele Kinder sind in Gefahr. Also will der Junge das Haus bekämpfen, bevor die Süßigkeitenschnorrer ihre Runden drehen...


Monster- statt Spukhaus...

Was für die Vorgeneration „Taran und der Zauberkessel“, „Der dunkle Kristall“ und „Die unendliche Geschichte“ war, könnte für die jetzige Kindergeneration „Monster House“ werden. Kenans Film hebt sich von anderen computeranimierten Zeichentrickfilmen ab, baut er doch nie auf die dort immer wiederkehrenden Erzählmuster auf. Nicht einmal die ewig wiederholten Charaktere erleben hier ihren geschätzten tausendsten Aufguss.

Neu ist das meiste trotzdem nicht, man sichtet es nur sonst eher in Realfilmen. Ein solcher sollte „Monster House“ zunächst auch werden, ein Fakt der dem fertigen Werk zu gute kommt. Die Figuren benehmen sich wie Kinder aus US-amerikanischen Realfilmen, Geschichte und Charakterisierung folgen den selben Vorbildern. Was in einem Realfilm wie x-mal kopiert wirken würde, wirkt durch die Zeichentrickumsetzung frisch und anders. Diverse Kamerafahrten, Körperhaltungen und Sprüche sind zeichentrickfremd, Zielpublikum sind diesmal nicht die Kleinsten und der Gruselpart wird für einen „Kinderfilm“ sehr hoch geschraubt.

Ein Kinderfilm ist „Monster House“ eigentlich gar nicht geworden. Viel mehr handelt es sich um einen Film für die ganze Familie. Der Humor ist oft an Erwachsene gerichtet, und die Geschichte bietet genug neugierig machende Faktoren, so dass auch das ältere Publikum dem Geschehen nicht nur beiläufig folgt. Einzig das actionreiche Finale ist sehr kindernah erzählt, bis dahin hat „Monster House“ jedoch so viele Pluspunkte gesammelt, dass man dies gerne verzeiht.

Dass man sich von einer Realfilm-Umsetzung distanzierte, haben wir wohl der Idee zu verdanken das Haus zu personifizieren. So lebendig und (un)menschlich, wie das Haus umgesetzt wurde, wäre eine ähnliche Umsetzung auch im Realfilm nur über Computeranimation möglich gewesen, hätte aber inmitten von Realszenen zu zeichentrickartig gewirkt. Schön, dass die Verantwortlichen Mut bewiesen haben.

Ganz ohne Realschauspieler ging es scheinbar dennoch nicht. Ich habe gelesen, die Figuren wären alle nach von Darstellern gespieltem Vorbildern entstanden. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass dies jede Szene betrifft, manchmal wirken die Bewegungsabläufe der Figuren nämlich überraschend marionettenhaft.

Worauf man als Anlehnung zum 2D-Zeichentrick vollkommen verzichtet hat, ist die mittlerweile übliche Haaranimation, die mit einem neuen Programm in „Monster AG“ ihren Anfang nahm. Die Kopfbehaarung der Figuren in Kenans Film bleibt gleich, hier weht höchstens mal eine Strähne. Damit wirken die Figuren zunächst etwas plastisch, aber man gewöhnt sich dran. Ohnehin wirken die Figuren oft wie aus vergangenen „Toy Story“-Animationszeiten. Was auf dem ersten Blick billig wirkt, erweist sich aber nach Gewöhnung als charmanter Zeichentrickstil, so als wolle sich die Computertechnik vor dem abgelösten handgezeichneten Animationsfilm verbeugen.

Die Hauptfiguren erinnern an einen anderen abenteuerlichen Film mit Kindern in der Hauptrolle. Stephen Kings „Stand By Me“ kam mir immer wieder in den Sinn. Der Held des Films erinnert äußerlich und charakterlich an den Held aus Rob Reiners beeindruckendem Werk. Und auch der dicke, nervliche Part von „Monster House“ kann seinem runden Spiegelbild aus „Stand By Me“ die Hand reichen.

Der Witz der Figuren (auch der anderen) wird wie unüblich für dieses Genre unauffällig im Vordergrund abgearbeitet. Man drückt den Figuren nicht krampfhaft einen überdeutlichen Charakterstempel auf, damit auch ja das letzte Kind kapiert für welche Eigenschaft welche Figur steht. Die Kinder wirken in ihrem Verhalten relativ lebensecht, auf den Jugendlichen wird mit allerhand Klischees augenzwinkernd aus Kindersicht herumgetrampelt und die Erwachsenen werden als ähnlich doof dargestellt, wie es schon in den schwedischen Filmen der „Pippi Langstrumpf“ gemacht wurde.

Die amerikanische Herkunft ist nicht zu übersehen, aber die Verantwortlichen von „Monster House“ waren einfach clever genug, nicht auf den mageren, politisch korrekten Stil der Trickfilme unserer Zeit aufzuspringen. Was der Film erzählt, zeigt er um des Erzählens Willlen. Nicht um zu moralisieren oder um aufzupassen dass man nicht aneckt. „Monster House“ ist auf demokratische Art erzählt, macht sich auch keine Sorgen die Kleinsten zu verstören oder fragwürdige Jugendäußerungen auszublenden. Welches Publikum für einen Film das richtige ist, entscheidet sich erst, wenn ein Film fertig ist. Jeder Film, der sich zuvor ein Publikum ausguckt, biedert sich diesem auch an, was nur selten unbemerkt bleibt.

Kenans Film ist nichts für kleine Kinder. Um so überraschter darf man über die FSK-Freigabe ab 6 Jahren sein. Aber da gehen wir eh von der modernen FSK-Haltung aus, die auch meint ein „Blair Witch Project“ wäre für einen 12jährigen zu konsumieren. Anfang der 90er Jahre war in der FSK-Vergabe noch ein System zu erkennen. Heute erlebt man nur noch Willkür und Ungereimtheiten. „Monster House“ ist meiner Meinung nach erst ab 10 Jahren zu empfehlen. Er ist nicht nur gruselig in seinen Monsterszenen, auch der Spannungsaufbau in Situationen, in denen nichts direkt passiert, ist sehr auf unheimlich getrimmt. Kinder, die sich gerne gruseln lassen, sind hier genau richtig. Und um das Gruselfeeling nicht zu zerstören, wurde auch auf nervigen Singsang verzichtet.

Dass die Geschichte gegen Ende wieder familientauglich wird, ist vorherzusehen. Ein Familienfilm braucht sein Happy End. Das hier Gezeigte erinnert an „Gate 2“. Dort kam man sich ein wenig verarscht vor, hier akzeptiert man es, weil man letztendlich nun mal „nur“ einen Trickfilm gesehen hat. „Monster House“ ist endlich wieder ein lobenswertes, pfiffiges Vorzeige-Werk, das verdeutlicht, wie man verschiedenen Generationen im selben Film eine Freude bereiten kann.


Trailer,   OFDb

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