Samstag, 12. Juli 2014

DIDI - DER DOPPELGÄNGER (1984 Reinhard Schwabenitzky)


Von Erpressern bedroht und von der Polizei nicht beschützt, kontaktiert Unternehmer Immer den Kneipenwirt Koop, der ihm bis aufs Haar gleicht. Er soll Immer für einige Tage doubeln, und da Koop in finanziellen Schwierigkeiten steckt, nimmt er das Angebot blauäugig an...


Brunos Sorgen...

Will man einmal miterleben wie talentiert der für das Theater lebende Schauspieler Dieter Hallervorden ist, kommt man um „Didi - Der Doppelgänger“ nicht herum, der zwar Teilschuld daran trägt dass das Tunnelblick-Publikum diesen begabten Mann lange Zeit aufgrund des Klamaukschwerpunktes nicht ernst genommen hat, gleichzeitig aber auch zu den besten Arbeiten in der Karriere des Berliners zählt - zumindest was seine filmischen Beiträge betrifft. Klamauk hin oder her - man muss schon sehr ignorant sein um nicht zu erkennen was Hallervorden da auf die Beine stellt.

Zunächst kreiert er zwei Charaktere, beide comicartig übertrieben, die beide auf ihre Art mimisch so unterschiedlich sind, dass man auch ohne den Tausch von Anziehsachen sofort erkennen würde welche von beiden Personen da gerade tätig ist. Dann beginnt die Entwicklung der Charaktere, zunächst mit Koop, der in seiner Rolle immer selbstsicherer wird, bei seinem Immitieren Immers jedoch stets der einfache Koop bleibt, was psychologisch gesehen zur Glaubwürdigkeit der Figur auch so sein muss. Immer hat es zwar nicht nötig Koop ähnlicher zu werden, da er in seinem Leben aber noch nie über so viel Widerstand, Ungehorsam und Dreistigkeit gestoßen ist, agiert auch er im Laufe der Zeit außerhalb seiner Normen und lässt die Fassade des immer alles im Griff habenden Industriellen des öfteren mal fallen, bis es zum offenen Duell zwischen den beiden kommt, mit unvorhersehbarem Ende - aber einer bis zwei wirklich hervorragender Pointen.

Hallervorden versteht seine Figuren, war glücklicher Weise als Berater auch mit am Drehbuch beteiligt, so dass auch der Storyverlauf stets psychologisch passend an Charakteren und Geschehnissen orientiert ist - mit Ausnahme einer völlig unnötigen Stuntszene, in welcher Koop an einem Hubschrauber hängt, so unsinnig begonnen wie beendet, und für die Geschichte nur in so fern förderlich, als dass sie für einen lustigen Schluss in der Gaunergeschichte sorgt. Aber da befinden wir uns ohnehin schon im schwächeren letzten Drittel, in welchem aus einer pointenreichen, im Dialog und Detail lustigen Geschichte, auf zu viel Aktionskomik mit Verfolgungsjagden, schrägen Stunts und skurrilen Situationen wie Didi in der Waschanlage gesetzt wurde und der sympathisch flotte und witzige Stil der vorangegangenen 2/3 hinten anstehen muss. Damit verpasst der stilsichere und niveauvollere „Didi - Der Doppelgänger“ gegenüber dem alberneren, dafür aber durchgehend geglückten „Didi und die Rache der Enterbten“ die Chance der bessere von beiden Filmen zu sein.

Zusammen mit „Der Experte“ und dem TV-Film „Mein Gott, Willi“ bilden sie meiner Meinung nach das Sahnehäubchen der besten Filmarbeiten Hallervordens, bieten alle vier Werke doch ihre Vor- und Nachteile, sind aber alle humoristisch gelungen und, was viele gerne übersehen, auch wesentlich geistreicher inszeniert als es scheint. Geht im Doppelgänger die in anderen Werken besser aufgegriffene Gesellschaftskritik der sich in den 80er Jahren langsam wandelnden neuen Moral ein wenig unter, so trumpft „Didi - Der Doppelgänger“ dafür in seinem Psychologieverständnis, sei es für die Figuren oder für die Auswirkungen diverser manchmal nebensächlich scheinender Taten auf zukünftige Ereignisse. Alles was geschieht und gesagt wird hat Einfluss aufeinander. Und dank einer zwanglosen Spielfreude mixt Hallervorden anspruchsvolles Agieren mit hemmungslosem Herumblödeln, bei dem selbst so ein ausgelutschter Witz wie die sich falsch herum aufgesetzte Brille zu einem echten, ehrlichen Lacher wird.

Wie könnte man einen solch sympathischen Film auch nicht ins Herz schließen, in welchem die Opferrolle den Namen von Pösel trägt, kultige Sprüche auftauchen wie „Wir trinken Immer“, „Schreiben sie‘s auf, ich beschäftige mich später damit“ und „Ich brauche mehr Details“ und in welchem selbst so versteckte Gags trumpfen, wie das Verheimlichen des Rauchverbot-Bruchs, indem man hierfür eines von Immers Produkten verwendet? Dass im übrigen der Schlussgag Immers längst von der Realität eingeholt wurde, macht nur all zu deutlich in welch freier Zeit „Didi - Der Doppelgänger“ entstanden ist. Diese Zeit des individuelleren und zwangloserem Denkens und Handelns zeigt sich aber auch in einem Drehbuch, das noch unverkrampft erzählen wollte, was es zu erzählen gab und sich an keinerlei Vorschriften hielt. Das Folgewerk „Didi und die Rache der Enterbten“ war in diesem Punkt sogar noch ein wenig konsequenter.


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