Dienstag, 8. Juli 2014

DOOMWATCH - INSEL DES SCHRECKENS (Doomwatch 1972 Peter Sasdy)


Eigentlich ist Dr. Shaw nur auf einer Insel um die Umweltauswirkungen eines Tankerunglücks festzustellen. Doch er bemerkt dass mit der Bevölkerung etwas nicht stimmt - etwas das nichts mit besagtem Tankerunglück zu tun hat...


Schöne heile Welt...

Im Zuge des sehr langsam entstandenem Umweltbewusstseins in den 70er Jahren erschien eine Reihe an Öko-Krimis, die Aufgrund ihrer Thematik, dass Umweltsünden über Umwege dem Menschen schaden können, immer leicht mit dem Bereich des Horrorfilms einhergingen. Der auf der zwei Jahre zuvor entstandenen Science Fiction-Serie „Doomwatch“ basierende gleichnamige Film befasst sich so ziemlich mit der gleichen Thematik wie der erst sechs Jahre später entstandene „Barracuda“, der, wahrscheinlich aufgrund des Erfolges von „Der weiße Hai“, die Idee um betroffene Fische erweiterte, ein Gedanke der auch in „Doomwatch“ Platz hätte finden können, geht es doch auch hier um ein Mittel das Mensch und Tier aggressiv macht, und liegt die Ursache doch versunken vor der Küste im Meer.

„Doomwatch“ muss ohne diese reizvolle Zutat auskommen, dabei hätte sie ihm Spannungsmomente bescheren können, die den Streifen wie ausgefallen vollkommen fehlen. Ein solches Ziel sollte wohl auch nie Zentrum des Filmes sein, geht es doch eigentlich um nüchterne Ermittlungen, um Forschung und im geringerem Maße um die Dramatik des Stoffes, wenn auch eher mit dem erhobenem Zeigefinger präsentiert als mit echtem Mitleid, so wie es quasi typisch für ideologisches Denken ist. Zur noch recht ignoranten Entstehungszeit kann man da den Verantwortlichen des Streifens keinen Vorwurf machen. Der Mensch sollte für solche Themen sensibilisiert werden, und neben realitätsnaher Aufklärung ist das Verarbeiten in fiktiver filmischer Form sicher kein falscher Weg - auch im strengen Ton.

Von seinem Öko-Anliegen aber einmal abgesehen ist eine Schlaftablette von Thriller entstanden, der mit einer viel zu braven Weltsicht daher kommt. Jeder hat sich lieb, alle vertrauen einander, alle kooperieren miteinander. Lediglich die Außenseiter auf der Insel benehmen sich daneben, aber die schämen sich ja auch. Militär und Chemiefirmen kuschen bei den strengen Fragen einer Umweltorganisation. Das dürften selbst damals schon nur die blauäugigen unter den Zuschauern geschluckt haben. Heute in Zeiten täglicher Ärgernisse seitens Wirtschaft, Politik und Militär kann „Doomwatch“ nur ein müdes Lächeln ernten, so wenig ernst kann man das Produkt nehmen.

Der Organisation stehen alle Türen offen, anstehende Konsequenzen der Verantwortlichen werden nur kurz und ganz seicht angedeutet, Korruption existiert nicht, eine baldige Heilmöglichkeit, obwohl noch nicht vorhanden, wird gar nicht erst angezweifelt, in Lebensgefahr befindet sich Dr. Shaw auch nie, nicht einmal im Finale, wo selbst die ach wie aggressiven Mutanten einfach nur lieb sind und es bei ein paar Drohungen belassen. Die ganze Welt ist halt gut Freund.

Und so lässt sich auch alles ganz leicht lösen, ohne dass Konflikte innerhalb der modernen Welt ausgetragen werden müssten. Lediglich das unmoderne Hinterwäldlerleben wird aufgelöst. Das Modell hat sich selbst zerstört. Hoch lebe die Industrie - trotz ökokritischem Krimi. Oder ist alles doch nur Vorwand für Propaganda durch die Hintertür zur Erziehung des kritischen Bürgers zu mehr Vertrauen in die öffentlichen Ämter? Ich weiß es nicht, ist auch scheiß egal. „Doomwatch“ ist langweilig und viel zu brav ausgefallen und wird mich den Rest meines Lebens auch nicht weiter beschäftigen.


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