Freitag, 11. Juli 2014

SHARKNADO (2013 Anthony C. Ferrante)


Bei einem heftigen Unwetter werden Haie, die durch drei Tornados mitgeschleppt wurden, ins Landesinnere geschleudert und gefährden die Bevölkerung...


Kommt ein Haifisch geflogen...

The Asylum, das ist eine Firma deren Konzept billige Ableger großer Kinoproduktionen zeitgleich zu veröffentlichen unverschämt zu nennen ist, erst recht wenn man sich ihre Ergebnisse ansieht. Da wird billigst mit dem Computer getrickst, derart in Klischees und Stereotypen gewühlt bis es derart auf ungewollt faschistische Art fragwürdig in eine Extreme gepresst wird, dass einem anders werden kann. Und von einem semiprofessionell besetzten Darsteller einmal abgesehen, darf man ansonsten nur unbegabte Loser um ihn herum durchs Bild schlendern sehen.

Interessanter Weise hatte die Firma mit dieser Strategie Erfolg. Feinde hatte man sich schnell gemacht - einen Namen damit aber auch. Und mancher Trash-Fan freut sich auf jeden neuen Schinken, den die Firma uns im Schatten möchtegern-großem Blogbuster-Kinos beschert. Auch ich sehe mir diese Filme aus Trash-Gründen immer wieder gerne an, auch wenn sich nur die wenigsten davon als tatsächlich unterhaltsam herausstellen.

Als The Asylum mit „Sharknado“ ihren ersten großen Erfolg verbuchen konnten, der nicht auf einem größeren Kinofilm beruht, da hatte der Streifen plötzlich mehr Anhänger als für die Firma üblich. Schnell ging die Info durch die Medien, dass mit „Sharknado“ ein neuer Trash-Hit auf den Markt gekommen sei, eine Nachricht der man erst einmal Glauben schenken konnte, bei einer solch idiotischen Idee Haie würden per Tornado an Land geweht. Und doch wurde ich kritisch, nicht nur weil The Asylum zum Großteil eher langweiligen Bockmist produziert, sondern auch weil mir die meisten Trash-Hits, die bei Schundfilm-Fans heutiger Tage gut ankommen, oft nicht schmecken. „Dead Snow“ ist mein Lieblingsbeispiel, und ich habe an anderer Stelle schon oft betont was diesen Trash von wirklich gelungenem Trash unterscheidet.

Dass jemand, der Filme über Sandhaie und Haie im Supermarkt guckt, trotz aller Skepsis irgendwann auch „Sharknado“ eine Chance gibt, dürfte klar sein, und was soll ich sagen? Er macht tatsächlich Spaß. Mehr noch: er wird nie langweilig. Die meisten besseren Asylum-Produktionen waren etwa eine Stunde unterhaltsam und scheiterten schließlich am 90 Minuten-Konzept. Selbst Party-Filme wie „Mega Piranha“ kamen nach einer Stunde ins wanken. Nicht aber „Sharknado“, der eigentlich brav das Storymuster dieser Art Film befolgt, dank seiner Unsinnigkeiten aber die komplette Laufzeit lang kurzweilig bleibt.

Da wissen die (für Asylum-Verhältnisse besseren) schlechten Computeranimationen ebenso zu belustigen wie das Grundszenario. Ein hoch biederer, konservativer Blick auf die Menschen und ihr Miteinander kommen mit ihren Idealen und Regeln so versteift und streng daher, dass es eine Freude ist dabei zuzugucken wie sie auf ihre fragwürdige Art Recht geschenkt bekommen. Am Ende zählt nicht nur die Familie, sie ist auch nur als einziges übrig geblieben. Alle anderen sind tot, und egal wie gut Freund sie waren: ihnen wird nicht hinterher getrauert. Familie ist alles! Amen! Und ein Ehemann hat freilich immer recht, selbst wenn es der Ex ist. Hauptsache die Frau kommt am Ende zurück gekrochen. Und da der Sohnemann ein genauso toller Typ wie sein Vater ist, darf die viel zu junge Frau, die den Herrn Papa lange Zeit im Auge hatte, sich am Ende für den Junior entscheiden, freilich erst nachdem die Verspeiste aus dem Bauch der Bestie gerettet wurde. Es lebe die Kettensäge!

„Sharknado“ ist ein solcher Käse, dass es tatsächlich Spaß macht sich ihm hinzugeben. Im Gegensatz zur typischen Hai-Geschichte üblicher Videoproduktionen ist man nicht an einen Ort gebunden. Ein wenig an Spielbergs „Krieg der Welten“ orientiert macht sich ein Mann mit dem Auto auf den Weg um die Familie zu beschützen. Und so bleibt der Streifen auch immer in Bewegung und benötigt auch keinerlei Sub-Plot. Zukünftige Opfer rücken bei der kleinen Reise immer wieder nach, indem sie auf den Grund-Trupp stoßen. Und so nach und nach wird auch dieser in seiner Population dezimiert.

Mag es mit „Bait - Haie im Supermarkt“ schon Haie jenseits der Küste gegeben haben und die Kettensäge als wertvolles Werkzeug gegen diese Viecher spätestens in „Malibu Shark Attack“ Verwendung gefunden haben, so ist es der komplette Irrsinn von „Sharknado“ der dies alles vereint, durch den Mixer dreht und im herkömmlichen Storyverlauf unterhaltsam hervorzubringen scheint, wissendlich welchen Unsinn man gerade verzapft, wenn auch nicht so humoristisch inszeniert wie ein „Sand Sharks“. So bleibt es am Ende ein Rätsel ob den Verantwortlichen auch wirklich jeder Bullshit als Bullshit bewusst war oder nicht, was letztendlich aber auch egal sein darf, da ein Werk diesen Kalibers nicht zum geistigen Kräftemessen gedacht ist, wer nun besser weiß als der andere wie schlecht das Ganze ist, sondern schlichtweg dazu da sein soll Spaß an Müll zu empfinden. Schön dass dieses Ziel nicht nur in der Theorie erreicht wurde.

Kommentare:

  1. Ohje, du magst Sharknado wirklich? Ich hoffe ja noch auf Sand Sharks und hab die DVD gestern grad für meine große Filmreise diesen Sommer rausgelegt.

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    1. Keine Sorge! "Sand Sharks" ist viel freiwillig lustiger inszeniert, lebt von einem spielfreudigem Parker Lewis und guckt sich wesentlich schwungvoller. Definitiv der bessere Film! :)

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    2. Ich bin gespannt. Grad schau ich aber die Kakerlakenfolge von ALF. Zieh die Serie jetzt voll im O-Ton durch und es ist wirklich eine gute neue Erfahrung, weil man die Figuren auf eine andere Art verstehen lernt.

      Übrigens, wenn du ein Review zu einem Film geschrieben hast, den du bei mir kommentierst, dann pack doch einen direkten Link mit rein. Dann muß ich nicht erst folgern, ob du etwas geschrieben haben könntest, sondern ich komm sofort auf die Idee. :D

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    3. Ich mag die Originalstimme von Alf, und die Kinder nerven im Original meiner Meinung nach auch nicht so extrem wie in der Deutschfassung. Aber Willis Stimme lockt mich immer wieder zum Deutschton, die ist mir im englischen zu dunkel und brummig.
      Ich hoffe doch mal es ist nicht nur der Originalton, der Dich Alf nun anders gucken lässt. Ich finde als Erwachsener nimmt man die Serie ohnehin ganz anders wahr als als Kind. Und die Kakerlakenfolge ist einer der Höhepunkte. Definitiv! Wenn Du bei der Episode angelangt bist wo die Kinder das Abschiedsgedicht für Großmutter aufsagen müssen kannst Du mir ja mal bescheid geben was sie da im O-Ton von sich geben. Würde mich mal interessieren ob das eng oder frei übersetzt wurde.
      Und was den Linkwunsch betrifft: wenn ich es beim Tippen nicht gerade eilig habe, werde ich Deiner Bitte gerne nachkommen. Ich freue mich über so viel Interesse. :)

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    4. Ne, ich interessiere mich schon speziell für die Dynamik hinter dem verstecken und sich für ALFs Fehler rechtfertigen müssen und so. Was mich wundert ist, daß die Folgen der ersten Staffel eigentlich fast alles verbraten, was für mich klassisch ALF zu sein scheint. Es wurde da ja schon viel gemacht und probiert, wobei mir Exkursionen immer eher weniger liegen, weil sie dem Mummenschanz dienen und ALF meist nur verkleidet irgendwie aus dem Weg geschafft wird. Da sind die häuslichen Folgen angenehmer und nachvollziehbarer. Und es entwickelt sich langsam die Theorie, daß ALF die Haarfarbe von Kate, die Nase von Rachel, die Größe von Brian hat usw., und ich mir vorstellen kann, wie Willie gern so aus sich raus gehen würde wie sein Außerirdischer Besucher, den er heimlich dafür bewundert.

      Das Gedicht, das ist doch im Englischen nur Goodbye Grandmother, Goodbye, Goodbye, Goodbye und das in Wiederholung. Die deutsche Version hab ich grad nicht mehr im Kopf. Was sagten die Kids dort?

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    5. Dann haben sie es ja vom Original richtig übernommen. Ich liebe den Gag mit diesem bescheuerten "Gedicht". Das sind die Ideen für die ich diese Serie liebe. Die heimgebliebenen Geschichten sind definitiv die besseren, und ganz schlimm wird es wenn es um andere Melmacaner geht oder ein Festtags-Special erzählt wird. Und ja, ich kann Dir nur zustimmen: alles wesentliche wird in Staffel 1 bereits ausgekostet. Das ist auch mit Abstand die beste Staffel. Richtig übel wird es aber erst mit der 4, auch wenn Staffel 3 zunächst auch recht schleppend beginnt. Die besten Folgen sind meiner Meinung nach aber eigentlich immer die, in welchen Willi alles ausbaden muss indem er sich vor Fremden lächerlich macht (ein Highlight: die Episode Mr. Universum, oder die episode wo der Nachbar die Zeremonie stört, in welcher man mit Fleisch bekleidet sein muss), und diesbezüglich gibt es in den späten Staffel zum Glück immer noch genügend sympathische Episoden. Gib mal Feedback wenn Du alle durch hast. :)

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    6. Ach so: die genaue Übersetzung war "Leb wohl, Großmama, leb wohl, leb wohl, leb wohl." Und dann das ganze noch ein mal wiederholt. :)

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