Dienstag, 15. Juli 2014

XMAS TALE (Películas para no dormir: Cuento de navidad 2005 Paco Plaza)


Eine Gruppe Kinder findet in einem tiefen Loch im Wald eine verletzte, gesuchte Diebin. Die wird von nun an dort von ihnen gefangen gehalten, bis sie das Versteck ihrer Beute verrät. Mit der Zeit stirbt die Frau, ist kurz darauf aber verschwunden. Die Kinder glauben sie mit einem Voodoo-Ritual als Zombie zum Leben erweckt zu haben. Kann das sein, oder war besagtes Opfer doch nicht tot?...


Zwei Millionen Gründe Frau Weihnachtsmann in der Grube schmollen zu lassen...

Willkommen in den 80er Jahren! Ich war zur im Film angegebenen Zeit 10 Jahre alt, etwa so alt wie die Kinder des Streifens. Und auch wenn wir auf „Karate Kid“ nicht so abgefahren sind wie die und die Zombiefilme noch warten mussten bis wir etwa 14 Jahre alt waren, so kann man den Verantwortlichen des Streifens doch trotzdem attestieren, dass der Zeitgeist der 80er Jahre hervorragend eingefangen wurde und man sich als Kind dieser Zeit wunderbar nostalgisch in die eigene Kindheit zurückversetzt fühlt. Das macht viel am Endergebnis aus, wenn besagte Bande Kinder im Mittelpunkt steht.

Regisseur Paco Plaza, der mit den Fortsetzungen seines wohlverdienten Erfolges „[Rec]“ enttäuschte und mit „Romasanta“ bereits vor dem großen Kinoerfolg einen interessanten Genre-Beitrag zauberte, drehte „XMas Tale“ zwischen den beiden gelungenen Werken. Der Film ist eine TV-Arbeit und startete die sogenannte Anthologie-Reihe, von der ich bislang nur den wunderbar gruseligen „The Baby‘s Room“ von Regisseur Álex de la Iglesia kannte. Der hier besprochene Streifen geht stilistisch in eine völlig andere Richtung, kann als ebenso geglückt betrachtet werden, so dass es sicherlich spannend werden dürfte auch die weiteren vier Teile der Reihe zu sichten, zumal die Filme durchschnittlich je 75 Minuten laufen (der längste geht 80 Minuten lang), woraus zumindest die zwei bislang von mir gesichteten Filme der Reihe einen Teil ihrer Stärke beziehen.

Im hier vorliegenden Fall ist es das Tempo, sind die 75 Minuten doch mit viel zu Erzählendem gefüllt und wirkt die Stimmung des Streifens doch trotzdem sympathisch gemütlich anstatt gehetzt, wie man meinen könnte. In einem Peanuts-ähnlichem Universum ist die Verbrecherin, mit Ausnahme zwei kurzer Gastauftritte eines Kriminalisten, die einzig Erwachsene der Geschichte. Diese wird somit aus dem Blickwinkel der Kinder betrachtet, der durchaus realistisch eingefangen wurde. Gut und Böse werden klar getrennt, die Regeln der Erwachsenenwelt werden nicht angezweifelt, Egoismus bestimmt noch immer das eigene Treiben, was nicht im Widerspruch zum ebenso starkem Sozialempfinden steht. Der Zusammenhalt und der Ruf innerhalb der Gruppe bestimmen das Handeln. Freundschaften werden zu den unterschiedlichsten Mentalitäten gepflegt.

Paco Plaza unterscheidet da sehr zwischen dem Blickwinkel der Kinder und den Aussagen des Filmes. Die würden nie Gut und Böse so klar trennen wie die Protagonisten, stellen das Verhalten der Kinder gar als gnadenloser da als alles was die Frau in der Grube verbrochen haben könnte, begehen aber nicht den Fehler Charaktere zu dämonisieren, so wie es Stephen King bei gleichem Ausgangspunkt machen würde. Alle Kinder handeln fragwürdig und vorbildlich zugleich, je nach Charakter auf völlig verschiedene Situationen gesehen, und das macht „XMas Tale“ so ehrlich und griffig. Da kann man Drehbuch und Inszenierung nur zu gratulieren.

Dass Paco Plaza es auch versteht mit dem Horrorpart der Geschichte umzugehen, beweist er eigentlich schon in den ersten Minuten, wenn er herzlichst die europäischen Horrorfilme der 70er Jahre parodiert und zitiert, Minuten in welchen wir einen Blick auf einen angeblichen Film dieser Zeit werfen dürfen, und das guckt sich schon sehr echt. Augenzwinkernd bleibt „XMas Tale“ immer, allein schon weil wir als Zuschauer ja gar nicht so genau wissen, ob die zur zweiten Filmhälfte tote Diebin denn nun ein Zombie ist oder es lediglich lebendig trotz aller Verletzungen geschafft hat sich aus der Grube zu befreien (auch wenn der Zuschauer da sicherlich bereits vor der Auflösung so seine Vermutung hat).

Darf der mit einer Axt bewaffnete Zombie dann erst einmal Jagd auf die Kids machen, ist trotz allem augenzwinkerndem Spiel mit Klischees durchaus ein gutes Spannungspotential vorhanden, das nun aus der ohnehin atmosphärisch gestrickten Grundhaltung des Streifens zehren kann. Der Grad des Nervenkitzels wird nicht erreicht, aber der Spannungsbogen ist hoch, eben weil auch das Finale aus kindlicher Sicht betrachtet wird und simpelste Situationen, meist ausgelöst durch einfachstes Kinderdenken (die Kinder sind hier keine kleinen Erwachsenen) für geladene Momente sorgen.

Plaza begeht zudem nicht den Fehler die Versuche den Zombie aufzuhalten auf alte „Kevin - Allein zu Haus“-Art zu präsentieren. Sicher, das Grundszenario im Finale ähnelt dem Treiben des letzten Drittels in Chris Columbus Familienfilm durchaus, aber auch in dieser Phase des Streifens bleibt das Verhalten der Kinder authentisch. Hier wird nichts gemeistert, was man nicht schon mit 10 Jahren meistern kann. Deswegen ist das Alter auch so perfekt gewählt. Man ist längst nicht mehr so naiv wie kleinere Kinder, aber auch noch nicht annähernd so weit die Welt außerhalb des eigenen Tellerrandes zu betrachten. Intelligent und doch nur Kind - aus diesem Zustand weiß Plaza alles heraus zu holen.

Ob die Schluss-Sequenz der Erzählung glücklich gewählt ist oder besser entfernt worden wäre ist sicherlich ein Streitpunkt unter Zuschauern. Auch wenn ich den Schluss ohne diese Ergänzungsszene als äußerst geglückt betrachtet habe, so gefällt mir doch auch die Zusatzsequenz, zumal sie die im Hintergrund laufende tiefer gehende Geschichte um eine böse bittere Pointe zu erweitern weiß, die das bisherige Szenario des inneren Konfliktes eines Mädchens auf den Kopf stellt und vielleicht sogar zu erklären weiß, warum die Diebin als einzige Erwachsene so sehr im Mittelpunkt einer von Kindern gelebten Welt stehen durfte. Was für die äußere Geschichte für manch einen also etwas unnötig wirken dürfte, ist für den analytischen Hintergrund durchaus reizvoll zu nennen. Mir gefällt der Schluss sogar auf beiden Ebenen.

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