Sonntag, 17. August 2014

RISE OF THE BLACK BAT (2012 Scott Patrick)


Staatsanwalt Quinn wird nach einem Attentat blind, welches verhindern sollte, dass er einen mächtigen Mafiaboss im Gerichtssaal verhören kann. Nach einer neumodischen Operation im Orient kann Quinn wieder sehen, so stark sogar, dass das Tageslicht ihn blendet und die Dunkelheit ihm hell wie der Tag erscheint. Mit diesem Vorteil geht er als Fledermaus verkleidet auf die Jagd nach Verbrechern. Das oberste Ziel des Black Bat ist der Sturz des mächtigen Mafiabosses...


Eine Fledermaus im Schnecken-Tempo...

Wenn man DVD-Regale durchstöbert, stößt man immer wieder auf putzige Billigvarianten berühmter Stoff, die mal mehr mal weniger nah Ideen des Originals klauen, umgesetzt mit einem Bruchteil des Budgets der Kinoproduktionen. Ein besonders dreistes Stück Film gibt es zur Zeit unter dem Titel „Rise Of The Black Bat“ zu kaufen, welches ungeniert das grobe Konzept von „Batman“ kopiert, eine Idee die mich hoffen ließ hier einen angenehmen Vertreter Schundfilm vorzufinden.

Aber leider war das Gegenteil der Fall. Scott Patricks Werk ist derart langsam erzählt, dass es unglaublich anstrengend ist dran zu bleiben. Einem lahmen Vorspann folgt eine langsame Abblende, ein Überfall auf eine Frau wird während der Verfolgungs-Phase in viel zu vielen Einstellungen abgefilmt und somit langgezogen, was nur bei einer Szene mit Spannungsaufbau Sinn gemacht hätte, und viele andere Momente schauen sich wie in Zeitlupe gedreht. Es ist kaum auszuhalten.

Viel faszinierender ist jedoch die Herangehensweise von Regisseur Scott Patrick, die in Sachen Billigdreh neue Maßstäbe setzt. Echte Spezialeffekte gibt es nicht zu sichten, lediglich kleine Computernachbearbeitungen wie sie jeder am Heimcomputer umsetzen kann wurden verwendet, z.B. für die Lichtblitze beim Abfeuern von Handfeuerwaffen, was bei charmantem Restergebnis nicht weiter wild wäre, schaffen es doch schließlich auch Werke wie „Nesn Nose“ in dieser Schlichtheit und manchmal auch gerade deswegen zu funktionieren. Und dass sich eine Amateur-Produktion an ihren Möglichkeiten orientiert auch Grenzen im Drehbuch setzen muss, kann man einem solchen Projekt ebenfalls nicht negativ ankreiden. Es ist jedoch die Extreme, die „Rise Of The Black Bat“ so einzigartig macht.

Die versimpelte Geschichte hätte gewirkt, wenn sie von Jugendlichen umgesetzt worden wäre, als kleiner selbstgedrehter Heimfilm zwischendurch. Aber dass Erwachsene eine derart infantile Geschichte geschrieben haben, ist schon ein Armutszeugnis der besonderen Art, liest sich der Storyverlauf und seine Hintergründe doch wie ein Kinderbuch, so z.B. der Storystrang um den Gehilfen Quinns, der aus kindlichster Weltsicht heraus zur rechten Hand des ehemaligen Staatsanwaltes wird, von nun an auf unterwürfigste Art für ihn tätig ist, ohne dabei das Niveau eines professionellen Butlers zu beherrschen. Bestechungen laufen in Beträgen von putzigen 1000 Dollar ab. Off-Kommentare werden während einer langen Autofahrt eingespielt, die Häppchenweise immer wieder im Film eingeblendet wird. Und die ganze Art auf welche der Fledermausmann (in einem Batman-Kostüm ohne Ohren) bei seinen Streifzügen unterwegs ist, blendet jegliche Logik aus in Bezug auf Polizei, Nutzen, Sinn und Spontaneität.

„Rise Of The Black Bat“ ist aus kindlichster Sicht erzählt, mit einem Budget umgesetzt das nicht über 5000 Dollar gelegen haben dürfte und in einer Ernsthaftigkeit angegangen, die dem Streifen endgültig den Todesstoß versetzt. Und ausgerechnet ein Film wie dieser gelangt alternativ zur Synchronfassung mit Originalton und deutschem Untertitel versehen auf den deutschen DVD-Markt, und das zusätzlich sogar noch mit deutschem Text ins Bild eingebaut versehen. Warum wird einem so lieblosem Stück Film eine so liebevolle Veröffentlichung beschert, die man sich bei anderen Werken gewünscht hätte, die zumindest ein Zielpublikum besitzen? Und erzählt mir nicht es gäbe eines für diesen Rotz von Film. Sollte hier irgendwer diesen Text lesen, dem „Rise Of The Black Bat“ gefallen hat, der soll sich bitte auch in den Kommentaren verewigen. Vorher glaube ich nicht an die Existenz derartiger Filmfreunde.

Wer zufällig auf einem Sperrmüllhaufen oder in einem Mülleimer aus die DVD des Streifens stößt sollte sie mal mit nach Hause nehmen, nur um einmal für 15 Minuten reinzuschauen  um zu sehen wie schlecht das Ganze tatsächlich umgesetzt ist. Erst dann kann man verstehen was für ein Haufen Müll dieses Stück Batman-Immitat tatsächlich ist. Im Vergleich zu „Rise Of The Black Bat“ wird selbst unterster Bodensatz wie „The 25th Reich“ und „Aliens vs. Avatars“ zu einem Hingucker, und die Werke der Firma The Asylum sowieso. Und kommt mir jetzt bloß nicht mit Amateurfilm-Bonus. Den hat Patricks Werk mit seiner viel zu plumpen Art ohne die Anwesenheit irgendwelcher Vorzüge komplett verspielt.


Kommentare:

  1. Wir haben diesen Film gesehen und wir haben folgende Vorschläge, was man mit diesem Film alles machen kann! Auf Platz 1: Für Sterbebedürftige ist dieser Film die erste Wahl bei der Sterbehilfe. Wir hatten diesen Film auf unserem brandneuen LED-TV geschaut und der Blu-Ray-Player wie der Fernseher hatten beide höchste Schwierigkeiten ein so grausig zusammengestelltes Material wiederzugeben. Wir spielten den Film auf einer PS3+Billig-TV ab und das Bild war gut! Zwar merkte man hier nicht eine Blu-Ray aber zumindest das Format einer normalen DVD. Den Film an sich machte das aber auch nicht besser. Schusswechsel, Kamerapositionen haben wir ohne Equipment-Ahnung schon besser im Spaßbereich ausgeführt. Zu den weiteren Möglichkeiten der Verwendung kommen wir jetzt: Wer diesen Film von Anfang bis Ende durchgestanden hat, der kann mit Sicherheit ohne Probleme jede Militärschule schaffen und ne Woche Urlaub in Afghanistan verbringen. Daher können wir jedem, der an seinem Augenlicht hängt, nur empfehlen bitte nur bis zum Cover zu gucken; jeder weitere Schritt wäre willkürliche und nicht verantwortbare Selbstgefährdung. Die Produzenten dieses Films gehören auf unbestimmte Zeit hinter Gittern. Wann immer wir uns ein paar Sekunden der DVD zuwenden, haben wir das Gefühl: wir tragen blaue Jeans, unsere Beine werden größer und mit jedem Moment steigt der Wutpegel dramatisch an und es droht ein verzweifelter Amoklauf um den Filmszenen und den grausigen Stimmen der Darsteller zu entrinnen; im weiteren Verlauf des Wutanfalls laufen wir grün an und werden zu Hulk. Der echte Darsteller aus Batman dürfte sich nach so einer Nummer entstellt und misshandelt fühlen. Ja, da fühlt man sich nicht mehr als Jäger sondern als Gejagter... Aus seiner Sicht müsste man sich jetzt schlecht fühlen, wenn die eigenen Filme solche skrupellosen, hemmungslosen Nachahmer nach sich ziehen; dann sollte man vielleicht an ein sofortiges Ende der Filmreihe denken.
    Ein Dank an die Hersteller solcher TV-Geräte; bei derartigen Szenen hätten durchaus manche TV-Geräte aus Eigenschutz durchknallen müssen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mir fällt gerade ein, dass man diesen Film zum Produktionsbeginn eines jeden neuen Batman-Film zeigen sollte, damit Fanatiker nicht mehr über die jeweilige Besetzung ihres Fledermausmannes maulen können. Die sind nach Sichten von "Rise of the Black Bat" dann froh über jeden, wirklich JEDEN halbwegs professionellen Schauspieler. *g

      Löschen