Mittwoch, 20. August 2014

EINFACH ZU HABEN (Easy A 2010 Will Gluck)


Eher durch Zufall entsteht auf der Schule das Gerücht, dass Olive ihre Jungfräulichkeit verloren hätte, was ihr Image enorm aufwertet. Als sie einem Freund hilft gleiches für ihn zu tun, indem sie behauptet sie hätte mit ihm geschlafen, klopfen gleich weitere Schüler bei ihr an um ihr Image aufzubessern - zu Kosten dem von Olive, die bald als Schlampe der Schule bekannt ist...


Einfach zu täuschen...

Zwar träumt Olive vom perfekten Gentleman, wie sie es aus Teenie-Filmen wie „Das darf man nur als Erwachsener“ und „Can‘t Buy Me Love“ kennt, der Stil dieser genannten Werke trifft jedoch nicht auf den von „Einfach zu haben“ zu. Der ebenfalls im Film genannte „Ferris macht blau“ kommt der Sache mit seinem Fun-Kern da schon näher, wirklich treffsicher ist jedoch ein Vergleich mit „Clueless“, der seine Zeit kritisch, aber doch positiv betrachtete, genau das was Will Glucks zweite Regie-Arbeit ausmacht. Ständig werden Klischees heutiger Kinozeiten eingestreut, um sie im nächsten Moment als Konstrukt zu enttarnen und ihnen den Rücken zu kehren, während der aktuell, flotte Erzählstil positiv genutzt wird, um die Energie der Geschichte richtig zu nutzen und auf den Zuschauer übertragen zu können.

Der Nachteil an dieser Vorgehensweise ist, dass so ziemlich jeder Nebencharakter zu kurz kommt, was schon recht schade ist, da die meisten durch ihre Charakterzeichnung und Besetzung sehr gelungen sind und durchaus mehr Beachtung verdient hätten. „Einfach zu haben“ möchte den kompletten Kosmos dessen was ein Gerücht für Wellen schlagen kann einfangen, so dass die meisten Figuren eher Episoden-weise vorbei schauen, während Emma Stone als Olive die einzige Figur ist, die wir wirklich intensiv kennen lernen. Wirklich schaden tut diese Herangehensweise dem Film nicht, er weiß definitiv zu wirken und zu gefallen, zumal er sich in seiner intelligenten Umsetzung deutlich von Konkurrenzprodukten abhebt.

Zwar fehlt „Einfach zu haben“ der letzte Schliff um in der obersten Liga der Teenie-Komödien mitspielen zu können, sehenswert ist er in seiner charmanten, wie geistreichen Umsetzung aber definitiv, auch wenn ihm mit dem Ausblenden wahrer Problemlösungen echter Tiefgang mit der Thematik fehlt. Was geschehen ist lässt sich gegen Ende recht leicht wieder gerade biegen. Und eine Schuldzuweisung des schwulen Freundes, der Olives Vertrauen gebrochen hat und damit überhaupt erst für das ganze Chaos verantwortlich ist, findet nicht statt. Andererseits besitzt gerade diese Gleichgültigkeit mehr Tiefe als man zunächst vermuten würde. Sie steht für mehr als für die gedankenlose Lässigkeit, welche der hier aufgezeigten Generation gerne vorgeworfen wird. Sie steht Pate dafür, dass man auch als mündiger, interessierter Bürger nicht alles im Leben zu ernst nehmen sollte, dass man sich mehr auf sein nahes Umfeld konzentrieren sollte um sein Glück zu finden und dass das Gegenteil von geistlosem Leben nicht ein verkopfter Lebensstil sein muss.


Nachtrag:
Mittlerweile habe ich "Einfach zu haben" mehrere Male gesehen und finde ihn sehr intelligent und unterhaltsam erzählt, weit über dem Durchschnitt. Das Problem mit zu kurz kommenden Randfiguren kann ich mittlerweile nicht mehr nachvollziehen, lässt das Drehbuch doch jede Figur mehr Tiefe schnuppern als es der durchschnittliche Teenie-Film tut. "Einfach zu haben" punktet auf der emotionalenen Ebene ebenso wie auf der intellektuellen und der des Humors und ist somit ein empfehlenswerter Ausnahmefilm inmitten eines viel zu Party-geilen Genres.

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