Samstag, 21. März 2015

SLEEPAWAY CAMP (1983 Robert Hiltzik)


In einem Sommercamp geht ein Killer um, der scheinbar immer die Peiniger der schüchternen Angela bestraft, die als Kind ihre Familie verlor...


Frust statt Strafe...

1981 „Freitag der 13.“ und „The Burning“ und 1983 „Sleepaway Camp“ - der Ort des Ferienlagers wurde bei seiner bereits so früh verwendeten häufigen Anwesenheit nicht ohne Grund zum Klischee des Slasher-Films, und Regisseur Robert Hiltzik nutzt die bekannte Grundlage bewusst, um die Unterschiede seiner Interpretation des Stoffes deutlicher zu machen. Das beginnt bereits mit dem Klientel das im Zentrum steht. Seine älteren Jugendlichen, die für das Genre geradezu typisch sind, sehen aus wie Mitte 30 und werden auch gar nicht erst auf jünger getrimmt. Das ist aber fast auch egal, stehen sie doch gar nicht im Mittelpunkt. Hiltzik konzentriert sich ungewohnter Weise auf die jüngeren Teenager, womit sich auch der für den Slasherfilm so wichtige sexuelle Schwerpunkt verlagert. Wurde in den Vergleichsfilmen immer wieder gevögelt, und dies sogleich bestraft, so steht hier altersgerecht der Wunsch auf erste Schritte körperlicher Annäherung im Vordergrund und der Frust der mit den unbeholfenen Versuchen einhergeht.

So unrealistisch die älteren Jugendlichen eingefangen werden, so lebensecht schaut sich das Verhalten der jüngeren, die eigentlich noch nicht ganz so genau wissen warum sie das andere Geschlecht erobern wollen und denen die Achtung der gleichgeschlechtlichen Gruppe noch wichtiger ist als die des anderen Geschlechts. Man testet noch, veralbert einander, ist unsicher, sucht sich noch selbst und erkundet noch welche Methoden einen beim Annähern an das andere Geschlecht ein Schrittchen näher zum Ziel bringen und welche nicht. Und inmitten dieses natürlichen Szenarios tritt etwas Unnatürliches, ein unbekannter Täter der das frühzeitige Ableben der Gäste und Mitarbeiter einleitet. Er stört die Gesetzmäßigkeiten des Campalltags, was sich auf augenzwinkernde und absichtlich groteske Art am deutlichsten im Verhalten des Camp-Leiters zeigt, der nicht mit dieser unerwarteten Wendung der Geschehnisse umgehen kann und aus Existenzängsten heraus den Blick zur Realität verliert.

Das ist zwar wie gesagt absichtlich so übertrieben eingebaut, dies im Zusammenhang damit dass auch nach der x-ten Leiche das Leben im Camp noch halbwegs normal fortgesetzt wird stört die Glaubwürdigkeit eines Filmes, der zwar nicht felsenfest in der Realität spielen will, aber doch in einem möglichst realitätsnahem Umfeld, sprich zwar absichtlich Filmklischees seines Sub-Genres zelebriert und gerne groteske Momente auffährt, insgesamt aber für den Zuschauer nachvollziehbar sein will. Ein Slasher ist in der Regel kein Kunstwerk, er wird des Kommerz wegens produziert. Man hängt sich als Zuschauer also nicht an kleinen Unstimmigkeiten auf. Aber das ewige Durchziehen des üblichen Camp-Alltags wird zum Dorn im Auge der Glaubwürdigkeit in einem Film der ohnehin schon aufgrund mangelndem Spannungsbogens nicht zu den Highlights seiner Gattung zählt.

Zwar distanziert sich „Blutiger Sommer - Das Camp des Grauens“ (Alternativtitel) durch das jüngere Klientel und die grotesken Momenten erfreulich vom Einerlei einer immer wiedergekäuten Geschichte, aber diese Bewunderung ist Genre-bezogen fast ausschließlich theoretischer Natur. Die fröhlichen Camp-Alltagsmomente treffen den Nerv des Zuschauers wesentlich intensiver als der Horror-Part, der nie düster oder wirklich morbide wirkt und der in Sachen Spezialeffekte mehr als enttäuscht. Eigentlich trifft er erst mit seiner Schluss-Pointe endlich mal ins Schwarze, wofür man ihm im Nachhinein auch so manches verzeiht, so z.B. die Vorhersehbarkeit wer denn nun der Killer ist, was spätestens beim Mord im See unter dem Boot mehr als deutlich wird. Da Hiltzik der bereits vermuteten Auflösung noch eine wichtige Zusatzüberraschung hinzufügt, die psychologisch gesehen nahtlos zum zuvor Gesehenen passt, kann man das Finale definitiv als Herzstück des Films betrachten. Sie ist der Pluspunkt, der zuvor unterschwellig Erzähltes in einem anderen Licht erscheinen lässt.

In wie weit das einem Filmfreund dabei hilft den Streifen besser zu finden, wenn dieser ihn nicht noch einmal sichten möchte, sei einmal dahin gestellt. „Nightmare Vacation“ (Alternativtitel) hat sich trotz interessanter Momente und lobenswerter Unterschiede zur Konkurrenz trotzdem zuvor nur eher mittelmäßig geguckt. Aber für den Zuschauer-Typ, der in Gesehenes gerne noch einmal hereinschnuppert, und sich zunächst nicht sicher war ob „Sleepaway Camp“ ebenfalls eine Neusichtung gewährt bekommen wird, der wird sich nach dem Finale sicher sein, dass es ein Wiedersehen geben wird. Allein die Dramatik des Stoffes, die in den meisten anderen Slashern gar nicht erst mit eingebaut wird, wird sich bei einer zweiten Sichtung noch einmal aus einer völlig anderen Perspektive schauen als beim ersten Mal.


Weitere Reviews zum Film: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen