Sonntag, 22. März 2015

UNTERWEGS MIT MUM (The Guilt Trip 2012 Anne Fletcher)


Andrew versucht ein selbstentwickeltes Öko-Produkt auf den Markt zu bringen, wofür er mit dem Auto quer durch Amerika reisen muss. Als seine Mutter ihm von einer ehemaligen Jugendliebe erzählt beschließt der Mann seine seiner Meinung nach nervige Mutter mit auf Tour zu nehmen, da die einsame Frau sich weigert seit dem Tod ihres Gatten neue Männer kennen zu lernen. Die Mutter weiß nichts von den wahren Gründen und freut sich, dass ihr Sohn endlich einmal Zeit mit ihr verbringen will...


Annäherung...

Es ist unübersehbar was Regisseurin Anne Fletcher vorschwebte. „Unterwegs mit Mum“ sollte eine Komödie werden in welcher sich ordentlich gekabbelt wird, um am Ende ganz emotional zu erkennen wie gerne man doch den anderen hat. Das gab es bereits sehr gelungen umgesetzt bei den beiden Filmen „Ein Ticket für zwei“ und „Harry und Sally“, und das ist nur die Spitze eines riesigen Eisberges an Veröffentlichungen ähnlicher Geschichten. Mit Barbra Streisand und Seth Rogen hatte die gute Frau dann auch zwei sympathische Mimen in den wichtigsten Rollen mit an Bord. Das ließ hoffen.

Aber Besetzung ist nun einmal nicht alles, und ein sicher klingendes Rezept ist nicht zwingend ein sicheres Rezept, das musste der Komödien-Fan bereits bei Danny De Vitos „Der Appartement Schreck“ unbelustigt feststellen. Was „Unterwegs mit Mum“ fehlt ist die Dialogstärke der gelungenen Varianten dieser Art Komödie. Auf Situationskomik kann es auf so engem Raum (die meiste Zeit spielt im Auto) nicht zwingend ankommen, die dient der gelegentlichen Auflockerung. Aber gewitzte, spritzige, freche und später auch emotionale Dialoge, die machen den Kern einer solchen warmherzigen Komödie aus, freilich auf der Grundlage von Charakteren, die man als Zuschauer gut genug kennenlernen darf.

Letzter Punkt ist Anne Fletcher gelungen. Wir lernen beide Figuren kennen, wir lernen sie sogar ein wenig mögen, aber auch diese Identifikation bzw. die Sympathie zu den Hauptcharakteren allein macht noch keinen guten Film aus. Leider reichte es dem Verantwortlichen für das Drehbuch bereits allerhand Mutter-Klischees mit an Bord zu nehmen, ohne mit diesen kritisch, ironisch oder humoristisch neu überarbeitet umzugehen. So nervt die Mutter den armen Andrew zurecht, und da es da nichts zu lachen gibt, nervt sie trotz durchaus vorhandener Sympathie auch den Zuschauer.

Das sind glücklicher Weise nur kurze Momente zwischendurch, diese tauchen aber immer wieder auf und sind unnötig noch dazu, da sie sich hätten vermeiden lassen können, wenn man nur ein klein wenig raffinierter vorgegangen wäre. Richtig schaden tut dem Film jedoch eigentlich seine unübersehbare Routine. Die Geschichte wird im Bewustsein heruntergeleiert dass Filme dieser Art dem Publikum bekannt sind, so als wolle man diesem nur die nächste Portion reichen, die kurzfristig satt machen soll. Keine innovativen Momente, keine Sternstunden der Komik, alles plätschert vor sich hin, charmant genug um nicht gelangweilt auszuschalten, aber belanglos genug um sich nicht wirklich für den Stoff zu interessieren.

Im Vergleich zum völlig in die Hose gegangenen „Selbst ist die Braut“, den ebenfalls Anne Fletcher inszenierte, weiß „The Guilt Trip“ (Originaltitel) zumindest noch halbwegs zu funktionieren. Aber dieser Film ist eine Komödie der Theorie, bei welcher der Zuschauer weiß was das alles eigentlich soll. Aber um auch in der Praxis zu funktionieren fehlt die Seele, das Herz, es fehlt die Ehrlichkeit, die Griffigkeit. Die Geschichte bleibt zu sehr Geschichte, und die Figuren bleiben lediglich Figuren. Man verschmilzt nicht mit ihnen. Man sehnt sich nicht nach dem Moment der Versöhnung. Und das ist recht schade, weiß doch gerade der Schwerpunkt des alltäglichen Mutter-Sohn-Konfliktes für diese Art Komödie eigentlich zu reizen.

„My Mother‘s Curse“ (Alternativtitel) fehlt es somit sowohl an den wahrlich großen humoristischen Momenten als auch an der tiefemotionalen Identifikation, die ein solches Werk erst so menschlich ausfallen lässt. Dass eins von beidem fehlt hätte man verkraften können, auch wenn erst beide Zutaten zu einem besonderen Erlebnis geführt hätten. Aber dass hier gleich beides fehlt ist zu wenig des Guten. Sicherlich lässt sich „Unterwegs mit Mum“ gucken, aber es gibt zig Alternativen diese 90 Minuten Leben aufregender zu gestalten. Will man aber eine weniger aufregende Sache mit hier besprochenem Film kombinieren, z.B. zur Nebenbei-Unterhaltung während des Wäschefaltens, ist Fletchers Werk der ideale Begleiter.


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