Sonntag, 5. April 2015

MUPPETS MOST WANTED (2014 James Bobin)


Die Muppets gehen auf Europa-Tour. Und keinem von ihnen fällt auf dass ein Verbrecher der aussieht wie Kermit den Kopf der Truppe ersetzt hat und bösen Plänen nachgeht. Der echte Kermit sitzt währenddessen in einem russischen Gefängnis fest...


Speck zum Frühstück...

Ich war von dem Versuch Hensons Filzpuppen wieder auf die Kinoleinwand zu bringen nicht sonderlich begeistert. „Die Muppets“ war zu brav, zu anbiedernd, ein typisches kalkuliertes Produkt, mittendrin badend in der Political Correctness, die ich so verabscheue. Dementsprechend bin ich mit geringen Erwartungen an die Fortsetzung, dem mittlerweile 8. Kinofilm der Puppen, herangegangen. Dass ich trotzdem ein wenig Hoffnung hatte der Film könne etwas taugen lag zum einen an der Geschichte, die äußerst reizvoll klang und zum anderen an Ricky „The Office“ Gervais, der den menschlichen Hauptpart übernahm und den ich für seine Komik und sein schauspielerisches Talent sehr schätze.

Und was soll man sagen? „Muppets Most Wanted“ ist nicht nur wesentlich charmanter ausgefallen als sein träger Vorgänger, er ist trotz mancher Schwachstellen sogar einer der unterhaltsamsten Filme der Filzpuppen geworden. Das böse Kermit-Double hat eine derart fiese Fresse, dass ich noch bis hin zu seinem letzten Auftritt über dessen Mimik lachen konnte, so gelungen ist diese ausgefallen und macht somit viel am Gesamtergebnis des Streifens aus. Auch bekommen die Nebenfiguren viel mehr Beachtung geschenkt als im Vorgänger, gerade Adler Sam hat eine herrliche Nebenrolle ergattern können. Lediglich die in den 90er Jahren durch „Muppets Tonight“ neu hinzugestoßenen Puppen huschen wenn überhaupt nur mal kurz durchs Bild. Das ist schon schade, allein Andy und Randy Pig sowie der Bär Bobo haben ein ungeheures Humorpotential zu bieten auf welches der aktuelle Kinofilm komplett verzichtet.

Zudem fehlt „The Muppets 2“ (Alternativtitel) etwas, das den meiner Meinung nach besten Muppetsfilm „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ so viel Rückhalt gegeben hat: gute Songs. Dass die Puppen singen ist ein Übel das jeder Film mitträgt, aufgrund des Ursprungs der Helden, „Die Muppet Show“, gehört es freilich trotzdem irgendwie mit dazu, ob man es mag oder nicht. Aber bislang hat es nur die Muppets-Verfilmung von Dickens Weihnachtsgeschichte geschafft gelungene Lieder hervorzubringen. Trotz der eher uninteressanten Songs im hier besprochenen Film haben die Musikszenen denen des Vorgängers „Die Muppets“ trotzdem eines voraus: sie sind in die Geschichte eingebunden und nicht lediglich zur reinen Selbstdarstellung der menschlichen Darsteller gedacht. Die einzige negative Ausnahme diesbezüglich bildet der Gastauftritt von Celine Dion, die sich selbstverliebt wie in ihrem Musikvideo zu „My Heart Will Go On“ präsentiert innerhalb einer Szene, auf die man auch hätte verzichten können.

Lustiger Weise ist sie der einzige Star der negativ auffällt, und an Gaststars hat man wahrlich nicht gespart. Til Schweiger, Christoph Waltz, Danny Trejo, Ray Liotta, sie sind alle mit dabei und mittendrin auch Newcomerin Chloe Grace Moretz, die ich nicht einmal erkannt habe. Von ihrer Anwesenheit habe ich erst im Abspann gelesen. Schade! Aber ich habe „Muppets Most Wanted“ mit Sicherheit nicht zum letzten Mal gesehen, denn er ist herrlich witzig, kurzweilig und unverkrampft ausgefallen, teilweise sogar so frech wie die urigen Werke der Filztruppe, was einem kleinen Wunder gleicht. Bei meiner nächsten Sichtung werde ich also einen Blick auf Chloe werfen.

Lediglich das Einbringen der neuen langweiligen Muppet-Puppe, die mit dem Vorgänger neu zum Muppet-Universum hinzugestoßen ist, wäre nicht nötig gewesen. Die hat dem Film nichts zu bieten außer dem Wiedererkennungswert, dass man es mit einer Fortsetzung zu „Die Muppets“ zu tun hat. Trauriger Weise war der ein Hit, sonst hätte man sich davor hüten müssen mit dem in einen Topf geworfen zu werden. Andererseits hat dessen Erfolg erst die hier besprochene Fortsetzung ermöglicht, ein weiterer Grund warum man über die geglückte Stil-Verschiebung so überrascht sein darf. Danke dass „Muppets Most Wanted“ kein Klon seines Vorgängers wurde, sondern ein Streifen mit Charakter und dem Verständnis der Figuren, die er sich aus den 70er Jahren entliehen hat. Jetzt kann man nur noch hoffen dass Bobins zweite Regiearbeit eines Muppetfilms erfolgreich genug für eine weitere Fortsetzung war.


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