Mittwoch, 13. Mai 2015

OUTPOST - ZUM KÄMPFEN GEBOREN (Outpost 2007 Steve Barker)


Ein Trupp Söldner wird von einem Wissenschaftler angeheuert, der in Ost-Europa in einem ehemaligen Nazi-Bunker im Auftrag Unbekannter etwas sucht. Zu dumm, dass sie dabei auf untote Nazi-Soldaten stoßen...


Nazis in Raum und Zeit...

Die Nazis sind nicht nur bis heute ein Warnbild dessen, was im Extremfall aus faschistischem Gedankengut werden kann, sie sind auch die Phantasieanreger verspielter Geschichtenerzähler, gerne aus den USA, die von dem Gedanken gereizt werden, die Nazis hätten schon immer auf obskure Weise die ungewöhnlichsten Methoden gesucht den Krieg zu gewinnen bzw. zu optimieren. Daraus ist in Film- und Comickreisen eine eigene kleine Subkultur entstanden, die zur Zeit sehnlichst auf die Fortsetzung von „Iron Sky“ wartet.

Man mag sicherlich zu Recht diesen kindlichen Umgang mit dieser Thematik aufgrund der Tragödien die dahinter stehen kritisch gegenüber stehen. Streng genommen verhält es sich jedoch nicht anders bei gängigen Horrorfilm-Themen wie Haiangriffe und Morde Geisteskranker. Will man den Unterschied in der Menge der Opfer ausmachen, könnte man auch dem Liebes-Drama „Titanic“ ebenso kritisch gegenüber stehen. Schon seltsam, dass das eine geschmacklos klingt und das andere nicht.

Wie auch immer, die Idee untoter Nazi-Soldaten ist im Horror-Genre kein neues. Bislang blieb bei den von mir gesichteten Beiträgen nur einer mit einem positiven Ergebnis zurück, und das war der schundige „Die Schreckensmacht der Zombies“, der im Gegensatz zu den halbwegs zur selben Zeit entstandenen „Die Nacht der Zombies“ und „Oase der Zombies“ nicht nur maximal aus unfreiwillig komischer Sicht punkten konnte, sondern durch seinen ganz eigenen Charme auch auf anderer Trash-Basis funktionierte. Zudem gab es noch „Sumpf der lebenden Toten“.

In jüngster Vergangenheit wurde das Thema wieder des öfteren aufgegriffen, in „Horrors Of War“ ebenso wie in der überschätzten Horror-Komödie „Dead Snow“. Bis zur Sichtung von „Outpost - Zum Kämpfen geboren“ schien Ken Wiederhorns „Schreckensmacht der Zombies“ tatsächlich das einzig Brauchbare im filmischen Bereich zu diesem Thema zu sein. Aber wie der Satz schon andeutet, ist es damit nun vorbei, denn Steve Barkers Werk kann sich durchaus sehen lassen, ein Ergebnis mit dem ich ehrlich gesagt nie gerechnet hätte.

Nun haben wir es in diesem Film auch nicht mit klassischen Zombies zu tun. Dank einer irren wie dämlichen wissenschaftlichen Grundidee sind die untoten Soldaten irgendwo zwischen Geistern und Zombies anzusiedeln, vielleicht ein wenig vergleichbar mit den Kindern aus „Zombies“. Die Naturgesetze, denen sie unterlegen sind, sind unbekannt, wirken dennoch recht sinnlos. Barker setzt die Toten ein wie es ihm gerade passt und scheißt dabei auf Widersprüchlichkeiten und Erklärungslücken. Dank einer stimmigen Atmosphäre schadet das dem Gesamtwerk aber ebenso wenig wie seine wissenschaftliche Unsinnigkeit oder die Charakterzeichnungen durch Stereotype.

„Outpost“ hält konstant einen gewissen Spannungsbogen, fällt dabei nie ab und mixt diesen mit einer gehörigen Portion Action, so dass Langeweile gar nicht erst aufkommt. Das Mysterium der Dinge, die im und um den Bunker herum geschehen, werden erst nach und nach herauskristallisiert, so dass der Film einen auch inhaltlich neugierig und auf Trab hält. Die meist dunklen Bilder im monotonen Bunker, ein Rezept das schon viele Filme mit unterirdischer Location unerträglich langweilig machten, so wie beispielsweise „Warriors Of Terra“, entpuppen sich als perfekte Grundlage die Nazis fast unheimlich in Szene zu setzen.

Was wissen sie zu wirken, selbst wenn man, wie gerade bei ihren ersten Auftritten, fast immer nur ihre Helme oder Kampfuniformen zu sehen bekommt. Ein Gesicht darf man nur selten erblicken, aber auch ein solches weiß trotz schlichter Maske zu überzeugen.

Überraschender Weise tun dies auch die ollen Helden und ihr Anhang, die trotz eben erwähnter Klischees, in denen sie baden, zu wirken wissen. Man fiebert sogar mit ihnen mit. Vielleicht liegt es daran, dass ihre Dialoge ein wenig sinniger ausfallen als in anderen B-Movies. Sicherlich liegt es auch daran, dass sie auf ungewöhnliche Situationen nachvollziehbar reagieren und ihre Lage immer wieder aufs neue ausdiskutieren, ohne dass der Streifen dabei zu geschwätzig wird. Ganz sicher aber hält man zu diesen theoretisch seelenlosen Figuren, weil auch ihre Strategie nicht dümmlicher Natur ist und man in diese meist eingeweiht wird.

So schwankt „Outpost“ tatsächlich zwischen Horrorfilm und Krieg, verliert bei diesem Mix jedoch nie das erstgenannte, wichtigere Genre aus den Augen. Trotz der Unsinnigkeit der Geschichte geht Barker diese ernstnehmend an, in dem er diesem Schundbereich die selbe Chance auf eine spannende Umsetzung gibt, wie manch weniger bescheuert klingender Idee berühmter Horrorfilme. Wobei man sich immer fragen darf, ob man sich an manche Idee nicht schon viel zu sehr gewöhnt hat, um eine solche ernster zu nehmen als der weniger massentaugliche Gedanke untote Nazisoldaten würden einem nach dem Leben trachten.

Barker zieht die Geschichte konsequent durch, und dank der Atmosphäre, die er geschaffen hat, rutscht „Outpost“ nie zu sehr in die Lächerlichkeit ab, zumindest nie so stark, dass der Film damit tatsächlich unfreiwillig komisch werden würde. Und das ist eine Leistung, die ich nicht nur so zu schätzen weiß, weil ich sonst kaum einen brauchbaren Film zu dieser Thematik kenne, sondern auch weil ich nach Sichten von Teil 2 mittlerweile auch weiß, dass dieser keine der Qualitäten von Teil 1, oder gar eigene, besitzt.


Weitere Reviews zum Film: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen