Dienstag, 12. Mai 2015

ZWEI IRRE TYPEN AUF DER FLUCHT (Les Fugitifs 1986 Francis Veber)


Lucas, der einst diverse Banken ausgeraubt hat, kommt nach fünf Jahren aus dem Knast frei. Als er in einer Bank ein Konto eröffnen will, um ein neues Leben zu beginnen, stürzt der tolpatschige Pignon herein und überfällt das Geldinstitut. Da nichts wie geplant funktioniert nimmt er ausgerechnet Lucas als Geisel. Die Polizei ist freilich felsenfest davon überzeugt, dass Lucas der wahre Bankräuber ist. Auf der Flucht vor der Polizei ist es die stumme kleine Tochter des Unglücksraben Pignon, die der Grund dafür wird warum Lucas nicht einfach das Weite sucht...


Geh nicht weg...

Mit seiner Komödie „Ein Tolpatsch kommt selten allein“ landete der Regisseur Francis Veber einen kleinen Hit, an dem die großartige Hauptdarsteller-Kombination aus Pierre Richard und Gérard Depardieu einen guten Anteil hatte. Zwei Jahre später folgte „Zwei irre Spaßvögel“ mit einer einfallsloseren Geschichte, aber einem ähnlichen Humorschwerpunkt. Als sich das Team drei weitere Jahre später noch einmal für „Zwei irre Typen auf der Flucht“ zum letzten Mal zusammen tat, sollte der Schwerpunkt ein anderer werden. Das Genre der Komödie behielt man selbstverständlich bei, aber der dritte Streich sollte ein herzlicher Film werden, dessen Komik eher seicht und zurückhaltend daher kommt.

Im Gegensatz zum Vorgänger hat „Die Flüchtigen“ (Alternativtitel) wieder eine bessere Geschichte zu bieten. Und zum Einstieg der Ereignisse darf Pierre Richard noch so wunderbar herumalbern wie es typisch für ihn ist. Anfangs verläuft alles noch eher sprudelnd komisch und mit Sinn für die großen Lacher. Dies ändert sich erst sprungartig, wenn die kleine, stumme Tochter Pignons ins Geschehen tritt und zur dritten Hauptfigur des Streifens wird. Veber verlässt sich voll und ganz auf ihre Ausstrahlung, setzt auf die Komikbremse ohne den Humor komplett abzuwürgen und erzählt die Geschichte zweier Männer, die sich um ein hilfloses Kind kümmern müssen. Der Vater ist überfordert ohne Lucas, der mit den Verbrecher-Problemen Pignons bereits weitreichend Erfahrung hat.

Herzlich soll der Film gemeint sein und wie gesagt verlässt sich der Regisseur auf die Wirkung seiner kleinen Hauptdarstellerin. Das ist eine gewagte Sache. Aber was soll man sagen? Er landet damit einen Treffer. Man muss schon ein Herz aus Stahl besitzen um nicht hin und weg von Pignons Tochter zu sein. Mit ihrem ersten Blick Richtung Kamera erobert sie die Herzen des Publikums, und die Rechnung geht auf.

Dass „Les Fugitifs“ (Originaltitel) nie zum reinen Sozialkitsch verkommt, verdankt er den für das Europakino typisch ungeschliffenen Charakteren, die nichts verschönern und nicht zu sehr in Klischees abrutschen, aber auch der bewährten Humorchemie der beiden erwachsenen Hauptdarsteller, die wieder einmal in ruppiger Typ und Trottel getrennt werden. Auch weit zurückgeschraubt weiß Pierre Richard noch immer als Tolpatsch zu begeistern, während der schauspielerisch etwas talentiertere Dépardieu glaubhaft vom Egomanen zum treusorgenden Ersatzvater mutiert.

Es sind glaubwürdige Gefühle, die den Film tragen und die manche Wendung der Geschichte erst zur nachvollziehbaren Realität werden lassen. Wer ethisch nicht mithält wird sich wundern warum Lucas tut was er tut. Wer sich in die Gefühlswelt der Protagonisten einfühlen kann, was wie gesagt nicht schwer fällt, der versteht die Figuren und weiß warum Lucas ein Risiko nach dem nächsten eingeht, das er nicht eingehen müsste. Und bis es überhaupt zu der zentralen Dreierkonstellation kommt, sorgt ein gut geschriebenes Drehbuch dafür, dass der Weg zur Vater-Vater-Kind-Situation glaubwürdig vonstatten geht, was nicht ganz so einfach ist, so leicht es doch für den Profi-Bankräuber wäre den Laien zu überrumpeln und damit aufzuklären, dass er diesmal unschuldig ist.

Sicherlich werden die meisten Zuschauer ein höheres Gag-Potential erwartet haben. Und zunächst bekommen sie dies aufgrund der lustigen Ausgangslage und der herrlich komischen Darstellung der beiden Helden auch serviert. Aber wenn „Zwei irre Typen auf der Flucht“ nach dem ersten Drittel ruhiger wird und auf sentimentale Momente setzt, ist man ihm auch gar nicht bös dafür, erzählt er doch weiterhin eine wunderschöne Geschichte mit humorvollem Grundton im typisch europäischen Stil, der keine verschönte Welt präsentiert, wie es typisch für eine gefühlvolle US-Komödie wäre, sondern eine Flucht mit Ecken und Kanten zeigt, in der Richtig und Falsch ineinander zerfließen ohne mit der Moralkeule zu hantieren. Vebers dritter und letzter Film mit den beiden so kompatibel agierenden Schauspielern weiß bestens zu funktionieren. Und wenn man wieder etwas lustigeres sehen möchte guckt man einfach noch einmal „Ein Tolpatsch kommt selten allein“ an. Es ist schön mit anzusehen, dass das Trio seine vorherigen Erfolgsfilme nicht einfach nur kopiert hat, sondern mit dem hier besprochenem Streifen etwas eigenständiges abgeliefert hat.


Kommentare:

  1. Wie hieß der Musiktitel der gespielt wurde, als Pierre Richard an die Theke im ''Rocket'' geht bevor er den Hamburger ißt. Es war ein rockiger Titel.

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