Sonntag, 16. August 2015

DEVIL'S PASS (The Dyatlov Pass Incident 2013 Renny Harlin)


Eine Gruppe junger Menschen macht sich auf nach Russland um vor Ort einen Dokumentarfilm über das rätselhafte Sterben eines Expeditionstrupps aus den 50er Jahren am Dyatlov Pass in den Bergen zu drehen. Den Filmemachern passiert Unglaubliches...


Wie neun zu elf werden konnten...

Renny Harlin, bekannt für seine Actionfilme „Cliffhanger“, „Tödliche Weihnachten“ und „Stirb langsam 2“, macht in seinem Found Footage-Horror kein Geheimnis daraus sich stark am 90er Jahre Erfolgsfilm „The Blair Witch Project“ zu orientieren. Filmemacher machen sich auf den Weg ein Geheimnis vor Ort zu ergründen und werden nun selbst vermisst. Zu Beginn werden noch einige Berichte aus den öffentlichen Medien zu dem Thema gezeigt, angelehnt an „Blair Witch 2“, und dann können die eigentlichen getürkten Amateuraufnahmen beginnen, den Wald des Originals eingetauscht gegen die eisige Berglandschaft Russlands.

Auch wenn „Devil‘s Pass“ nicht den Grusel-Faktor des Vorbilds erreicht, was er auch gar nicht möchte, so ist die Geschichte der Filmemacher doch interessant und spannend erzählt. Lange Zeit hält man an den Stärken des Vorbilds fest. Es gibt Gerüchte, Mutmaßungen und Erklärversuche des Geschehenen zu hören, Augenzeugen von einst kommen zu Wort, unheimliche Vorzeichen wie merkwürdige Geräusche werden wahrgenommen, und die Bedrohung bleibt lange Zeit unsichtbar und auch unbekannt. Die Kamera filmt brav alles mit, was auch halbwegs glaubwürdig ausfällt, im Vergleich zu manch anderen Werken dieser Art, erst kürzlich von mir in „Paranormal Activity - Die Gezeichneten“ wieder einmal festgestellt.

Renny Harlin achtet darauf dass Kameraeinstellungen entweder Sinn machen, oder bei zu Kino-typischen Aufnahmen durch den Zusammenhang erklärt werden. Harlin versteht zudem dass eine Hintergrundmusik-Untermalung völlig unsinnig wäre, womit er sich als klüger herausstellt als Kollege George A. Romero, der u.a. damit seinen „Diary of the Dead“ der Lächerlichkeit Preis gab. Harlin weiß also worauf es ankommt um die Aufnahmen echt wirken zu lassen und einen gewissen Gehalt Suspense zu erreichen.

Der Pluspunkt von „The Blair Witch Project“ war jedoch der, dass die Bedrohung stets unsichtbar blieb, also weder gezeigt noch endlos erklärt werden musste. Diesbezüglich weicht Harlin im letzten Drittel vollkommen vom Hexen-Vorbild ab und serviert uns wirre Erklärversuche und wilde Erlebnisse, die zwar in einem sympathischen Erzählkniff am Schluss münden, jedoch etwas überfrachtet erscheinen. Zu wüst und wild werden Zusammenhänge zu einer anderen Legende verbunden, die Bedrohung wird zu Fleisch und erinnert dabei viel zu sehr an „The Descent“. Und mit dem Lüften wirklich jeden Geheimnisses verfliegt der Mythos der Geschichte, die in dieser Phase stark an „Chernobyl Diaries“ erinnert.

Interessant und gut gemacht ist das in diesem schwächeren Part noch immer, mal abgesehen von den billig zusammengepixelten Wesen aus dem Computer. „The Dyatlov Pass“ (Alternativtitel) ist trotz dieses Umbruchs jedem Freund von Found Footage-Filmen zu empfehlen. Aber so stark wie die wahrlich guten Vertreter dieser Art Film („Paranormal Activity“, „Die Delegation“, „Cloverfield“, „Die Höhle“, ...) wird er nicht. Dazu setzt er zu sehr auf Bewährtes, und dazu wirkt er etwas zu unausgegoren. Harlins Werk weist jedoch nie wirklich starke den Sehspaß einschränkende Schwächen auf wie es bei „Der letzte Exorzismus“, „Grave Encounters“ oder „Frankenstein‘s Army“ der Fall war. Und spätestens wenn man erst einmal solchen Ramschwaren-Mist wie „Paranormal Investigations 3“ gesehen hat, der dem Filmfreund reihenweise auf den DVD-Markt geschmissen wird, dann weiß man eine professionelle Fake-Doku auch wieder zu schätzen, selbst dann wenn sie nicht sonderlich innovativ ausgefallen ist.


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