Freitag, 23. Oktober 2015

SIE SIND VERDAMMT (The Damned 1963 Joseph Losey)


Eine Rockerbande belästigt den in England Urlaub machenden Amerikaner Simon, als dieser Zeit mit der Schwester des Anführers besagter Bande verbringt. Aufgrund ihres aggressiven Auftretens flüchtet er mit der jungen Frau vor den Rockern und gelangt dabei mit ihr auf ein militärisches Sperrgebiet, wo sie inmitten der Klippen auf eine Gruppe isoliert lebender Kinder treffen, die über keinerlei Körperwärme verfügen...


Kälte mit Kälte begegnet...

Für einen Film aus den Hammer-Studios ist der Stoff des Streifens als höchst ungewöhnlich zu bezeichnen, dessen Auflösung man besser aufgeklärt als damals heutzutage ziemlich schnell erahnt, was das Grauen der Geschichte jedoch nicht mindert, so hilflos wie wir der Thematik selbst heute noch ausgesetzt sind. Das Plakat und die Namensgebung „The Damned“ (Originaltitel) spielen sicherlich mit Absicht auf den drei Jahre zuvor erschienenden Erfolgsfilm „Das Dorf der Verdammten“ an, inhaltlich hat Loseys Werk, das bereits 1961 gedreht wurde, jedoch nichts mit dem Film um Kinder außerirdischer Herkunft gemein. Der bekam im Erscheinungsjahr von „Sie sind verdammt“, also 1963, die Fortsetzung „Die Kinder der Verdammten“ beschert, und in den 90er Jahren folgte eine Neuverfilmung unter der Regie John Carpenters.

Ich erwähne dies an dieser Stelle um einmal zu verdeutlichen wieviel mehr Beachtung besagter Science Fiction im Vergleich zum hier besprochenen erfuhr, bekam „Sie sind verdammt" in Deutschland bislang doch lediglich Fernsehausstrahlungen beschert, bis er kürzlich endlich, ohne je im Kino oder auf VHS erschienen zu sein, auf DVD veröffentlicht wurde. Auch wenn es der Streifen nicht mit der berühmteren Konkurrenz aufnehmen kann, von dessen Erfolg er mit seinem Plakat zehren möchte, so ist Joseph Losey doch ein interessantes Werk geglückt, das zwar ebenfalls dem Genre des Science Fiction-Horror angehört, sich aber eigentlich nicht so anfühlt.

Das mag am Mitleid liegen, welches man von Anfang an mit den Kindern hat. Man kennt ihre Opferrolle, man ahnt die Hintergründe der Geschehnisse, und man verflucht den Mann der über sie herrscht, im Glauben etwas Gutes zu tun. Man kann die Beweggründe des Mannes, der die Eingesperrten seine Kinder nennt, sogar verstehen, aber sie rechtfertigen nicht die Eiseskälte des Projektes, welche den Gegenpart zur Körperkälte der Kinder darstellt.

Die können nichts für ihren Zustand, von dem uns erst das Finale berichten wird. Der Verantwortliche des Projektes hingegen, so liebevoll er innerhalb seiner Grenzen auch agieren mag, könnte auch anders. Aber er sieht sich als Erretter der Menschheit - hat vielleicht sogar Recht damit wenn kommen mag woran er feste glaubt, aber dass sein Vorhaben reinster Irrsinn ist, selbst wenn man alle Ethik über Bord wirft, zeigt allein schon die Erkrankung eines der Kinder, der zwei längst tote Vorgänger gleicher Erkrankung vorausgingen.

Die Isolation in der Behausung der Kinder wirkt unangenehm und trist, welche einzig des großen Zieles wegen geschaffen wurde. Die Welt in welcher die Kinder hausen ist so zweckdienlich und kalt wie die der „Teletubbies“. Am Ort ihrer Unterkunft angekommen trumpft endgültig das triste Schwarz/weiß, in welches der komplette Streifen getaucht wurde. Zusammen mit den immer stärker werdenden Schwächeanfällen der hier zufällig gelandeten Erwachsenen entsteht eine Bedrohlichkeit besonderen Ausmaßes. Die Berichterstattung der jungen Bewohner, die freilich aus kindlichster Sicht von Bedrohungen wie dem schwarzen Tod erzählen, bereichern diesen Zustand beim Zuschauer zusätzlich.

Insgesamt ist es jedoch recht schade, dass „Die Verdammten“ (Alternativtitel) zu Beginn so umständlich erzählt ist. Zwar verwebt der Drehbuchautor die einzelnen Handlungsstränge zur Mitte hin sehr gekonnt miteinander, umständlich wirkt das ganze dennoch, zumal man auf einfacherem Wege den Fokus noch stärker auf das Hauptaugenmerk hätte ausrichten können. Diesbezüglich ist wohl „Ein Kind zu töten“ ein lobenswerter Verweis, der einen in der Zeit des Hinhaltens ständig in einem Zustand der Bedrohung zurückließ, um sich schließlich voll und ganz dem Bösen zuwenden zu können.

Im Gegensatz zu dem fühlen sich die Helden der Geschichte von „These are the Damned“ (Alternativtitel) nie hilflos. Immer glauben sie alles im Griff zu haben. Und aufgrund dessen, dass sie sich darüber bewusst sind, dass das Militär hier die Hand im Spiel hat, ist dieses Denken auch äußerst naiv zu nennen. Auch die Bravheit des Streifens zum Ende hin schwächt das Gesamtergebnis, bei welcher wir nicht näher die Erkrankung der Erwachsenen erleben dürfen. Vielleicht war die Zeit noch nicht reif für solch eine Extreme, die uns spätestens mit „Wenn der Wind weht“ zu dem Thema nicht mehr vorenthalten wurde.

Dennoch ist der Schluss gelungen, der höchst pessimistisch ausgefallen ist und das für wirklich jede Seite. Selbst das Projekt kann nicht mehr wie geplant durchgeführt werden. Es muss neu durchdacht werden. Die Kinder einweihen damit sie begreifen? Ihren Widerstand ignorieren und sie zu reinen Sklaven machen, jetzt wo ihnen bewusst ist, dass sie Gefangene sind? Es gäbe so viele Möglichkeiten die Geschichte spannend fortzusetzen. Vielleicht ist es ganz gut dass dies nie passiert ist, so bleibt es der Phantasie des Zuschauers überlassen wie es weiter gehen könnte. Der muss jedoch erst den Schock verarbeiten, welche die nach Hilfe schreienden Kinderstimmen am Ende (auch in der geglückten Deutschvertonung) in ihm ausgelöst haben und die sicherlich noch einige Zeit nachhallen. So war es zumindest bei mir.


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