Donnerstag, 22. Oktober 2015

WOLFEN (1981 Michael Wadleigh)


Detective Wilson steht vor einem Rätsel. Ein Politiker und sein Anhang wurden bestialisch getötet. Die Tatwaffe ist so unbekannt wie das Motiv. Noch ominöser wird der ganze Fall, als sich Spuren von Wolfshaaren an den Leichen auffinden...


Die Augen eines Jägers oder die eines Toten...

Streng betrachtet ist „Wolfen“ ein mit Esoterik angehauchter Öko-Film mit naiver Botschaft, der den Wandel eines rational denkenden Menschen zeigt, der auf eine alternative Wahrheit zu der uns bekannten stößt. Allein aufgrund dieser Grundlage wäre es schön gewesen die letzten 20 Minuten hätten anders stattgefunden als abgedreht, könnte Wilson bis dahin doch lediglich ein von Manipulationen abgelenkter Geist sein, vergleichbar mit dem was „Die Delegation“ vor dem Hintergrund einer Aliensichtung erzählt. Die Frage ob ein Realist in esoterisches Denken übergerschwenkt ist, oder ob es tatsächliches Magisches in der Welt gibt hätte nicht beantwortet werden dürfen. Dann wäre „Wolfen“ in seiner Existenz wesentlich wertvoller ausgefallen.

Stattdessen wird das Werk des „Woodstock"-Regisseurs ein trauriges Stück über den bösen Mensch, der die Natur verraten hat, die in gewisser Weise nun auf magischem Wege Rache nimmt. Das ist atmosphärisch dicht umgesetzt, eine dreckige Stadt in düsteren Bildern zeigend, orientiert an einem desillusioniertem Mann, der das Werkzeug einer Institution ist, die nur innerhalb ihrer Tunnelblick-Grenzen agiert. Da ist schon ein gutes Stück ernstzunehmende Gesellschaftskritik mit dabei, getaucht in eine Inszenierung die glücklicher Weise in ihrer trockenen Art noch reinste 70er Jahre-Luft atmet, umgesetzt von Profis ihres Fachs.

Und letztendlich ist die hier erzählte Geschichte auch wesentlich wertvoller zu nennen, als es der x-te Werwolffilm gewesen wäre, den der Titel zunächst vermuten ließ. Trotzdem ist es zu schade wie sehr sich der Streifen nach einer inhaltlichen Durststrecke nach einer gut erzählten ersten Hälfte zu sehr in esoterisches Denken verstrickt, dies als Botschaft nutzend für den Zuschauer anstatt es lediglich als erzählerisches Element eines Filmes aus dem phantastischen Bereich zu verwenden. Genau darin liegt der Schwachpunkt des Filmes, der viel vom künstlerisch wertvoll erarbeiteten Potential kaputt macht.

Es lebe die Öko-Welt. Der Mensch ist nicht Natur. Und Indianer waren uns mit ihrem spiritistischen Denken weit überlegen. Klischees treffen auf ein fragwürdiges Glaubensbild, was ironischer Weise viel eher das Ergebnis eines heutigen Filmes in Zeiten von Homöopathie und anderem zu ernst genommenem esoterischem Humbug hätte sein müssen, anstatt das eines Filmes der noch von den aufgeklärten 70er Jahren zehrt, bevor die Mündigkeit des Kinopublikums in den 80er Jahren so langsam abgebaut wurde. Dementsprechend ist „Wolfen“ selbst ein Wolf im Schafspelz, scheint ein Film aus einer kritischen und mündigen, wie auch aufgeklärten Zeit zu sein und ist in Wirklichkeit nur ein Stück geistiger Abbau, der Menschen dazu verleiten soll sich vom rationalen Denken abzuwenden. Schade, der Streifen selbst ist eigentlich gut umgesetzt.


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