Samstag, 5. Dezember 2015

DER GROSSE BLONDE MIT DEM SCHWARZEN SCHUH (Le grand blond avec une chaussure noire 1972 Yves Robert)


Der Leiter des Geheimdienstes wird in einen Drogenskandal verwickelt. Dahinter steckt sein Untergebener Bernard, der seinen Platz einnehmen will. Um Bernard zu überführen startet der Chef eine List, durch welche der harmlose Geiger Francois für einen Agenten gehalten wird, der aufgrund seiner Ahnungslosigkeit so raffiniert und professionell wirkt, dass Bernard ins Schwitzen gerät...


Vorsicht vor dem Dudelsack!...

Pierre Richard hatte schon so manche Komödie wie „Der Zerstreute" in seiner Stammrolle als Trottel abgedreht, aber erst mit „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ gelang dem wohl talentiertesten Komiker dieser Stilrichtung der internationale Durchbruch, letztendlich mit einem Film der zwar viel aufgrund seiner genial inszenierten Tolpatschigkeit lebt, dies aber auf der Grundlage eines sehr geglückten Drehbuches. „Le grand blond avec une chaussure noire“ (Originaltitel) dürfte wohl die erste von mittlerweile vielen Komödien sein, in welcher wer Ahnungsloses für einen Agenten gehalten wird und damit zum (Anti)Helden der Geschichte wird. Allein diese Grundlage ist Gold wert, und dank der ruhigen Art, mit welcher Regisseur Yves Robert den Streifen umsetzte, ist daraus mehr als die schnelle Klamauknummer geworden.

Künstlerisch wertvoll mit einem von George Zamfir gespielten Soundtrack von Vladimir Cosma untermalt entfacht Robert eine Stimmung die sich sehen lassen kann. Ob düster, dramatisch oder bedrohlich, immer schwebt eine Ironie im Sound bezogen auf das Szenario, was zu einer beeindruckenden Wirkung führt. Bereits vor dem relativ späten Auftauchen Pierre Richards ist das Treiben im Film belustigt zu verfolgen, aber wenn der blonde Meister ins Rampenlicht tritt geht es erst richtig los, vergleichbar mit der Operettenverfilmung "Die Sittenstrolche" von Laurel und Hardy. Von da an darf hemmungslos gelacht werden über den Mann, der die Körperkomik so wundervoll beherrscht, dass es eine Freude ist dem Langbeinigen bei dem Chaos was er anrichtet zuzusehen.

Im Vergleich zu späteren Werken wie „Ein Tolpatsch kommt selten allein“ und „Der Tolpatsch mit dem sechsten Sinn“ hält man sich zwar noch ein wenig mit solchen Szenen zurück, aber das ist in diesem Falle eine positive Sache, steht doch die Geschichte im Vordergrund, und die bleibt stets durchdacht. Die Witze sind perfekt gesetzt und gehen nie auf Kosten der Glaubwürdigkeit, selbst dann wenn sich im Finale die Leichen stapeln.

Vom Drehbuch eingestreute Witzigkeiten, die man fast schon Banalitäten nennen könnte, werden zum Herzstück des Streifens. Ob Pierre Richard aufgrund eines Irrtums Seifenblasen spuckt, mit einem Dudelsack zu kämpfen hat oder wie ein Amateur Ruderboot fährt, die Lacher sind auf seiner Seite, spätestens aufgrund der anderen Perspektive, wird er von den Leuten die ihn ausspionieren doch für die perfekte Tarnung eines Geheimagenten gehalten, und diese Konfrontation zweier Blickwinkel hat es in ihrer Wirkung in sich.

In einem wunderbar besetzten Film tobt sich Richard mit sichtlicher Freude aus, z.B. dann wenn er (privat wahrscheinlich unmusikalisch) auf einer Geige einfach drauf los spielen darf, um das Geschraddel als moderne Komposition zu verkaufen, wohl die einzige Szene die dann doch an der Glaubwürdigkeit nagt, aufgrund ihrer comichaften Übertreibung und der Treffsicherheit des Witzes jedoch keinesfalls negativ auffällt. Ein Trottel inmitten von Geheimdienst-Klischees, das ganze angereichert mit der Eifersuchtsstorie eines armen Tropfes, der aufgrund der unglücklichen Umstände glaubt den Verstand zu verlieren, das ist eine Kombination die zu funktionieren weiß, zumal sämtliche Geheimdienstmitarbeiter, und mögen sie noch so auf Comicfigur zurecht gemacht sein, so ernst spielen als würden sie sich in einem Agenten-Thriller befinden. Das unterstützt das trottelige Spiel Richards um so mehr.

Der darf als wohl einziger Trottel der Filmgeschichte mit sexuellem Trieb nach einer endlosen Tortur an Peinlichkeiten auch mit einer blonden Hübschen vögeln („endlich bumsen sie“), die er im Laufe des Filmes allein aufgrund seiner Talente im Bett an sich gebunden bekommt, was schon fast einer Superhelden-Gabe gleicht. Wenn schon sexuelle Ausnahme in einem sonst so a-sexuellen Komikbereich, dann auch richtig! Dementsprechend werden einige der großen Pointen auch aus dem amourösen Bereich geerntet, z.B. dann wenn Richard seiner Geliebten den Hengst machen darf, während der Geheimdienst in einem Lieferwagen mithören darf.

Eine niveauvolle Umsetzung, in welcher einzig Profis am Werk waren, trifft auf verspielt albernen Humor. Das ist der Mix den ich an „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ so unglaublich liebe, und so toll viele seiner anderen Filme auch ausgefallen sind, an das Niveau dieser Komödie kam keiner seiner anderen Filme mehr heran, mit Ausnahme von „Das Spielzeug“, in welchem Richard jedoch ausnahmsweise einmal keinen Tolpatsch spielte.


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