Sonntag, 24. Januar 2016

DER JUNGE UND SEIN HUND (A Boy and His Dog 1975 L.Q. Jones)


Nach dem vierten Weltkrieg ist die Erde zerstört. Ein Teenager zieht gemeinsam mit seinem Hund, der zu ihm telepathisch sprechen kann, durch die Gegend auf der Suche nach Essen und Sex. Mit Hilfe einer frisch eroberten Frau wird er in eine geheime, luxuriöse Welt unter der Erde gelockt, wo er als Samenspender gefangen gehalten wird, um für den Erhalt der Spezies zu sorgen...


Willi Wuffs Sex-Abenteuer in der Unterwelt...

Die 70er Jahre waren mit Werken wie „Die Delegation“, „Rollerball“ und „Soylent Green“ das Hoch des intellektuellen Science Fiction-Films. Doch auch schon damals haben sich Werke unter all die großartigen Genre-Beiträge gemischt, die diesem hohen Standard nicht gerecht wurden. Neben solch trotzdem sympathischer Filme wie „Flucht ins 23. Jahrhundert“ und „Die Körperfresser kommen" gab es selbst in diesem einfallsreichen Jahrzehnt auch Rohrkrepierer innerhalb besagtem Genres, und zu diesen zählt meiner Meinung nach der zum kleinen Kultfilm gewordene „Der Junge und sein Hund“, der zwar so einige schmackhafte Zutaten zu bieten hat, aber leider gar nicht funktionieren möchte.

Das grundlegendste Problem des Streifens ist meiner Meinung nach der nicht vereinbare Mix aus kindlischen und erwachsenen Elementen. Zugegeben, „In der Gewalt der Unterirdischen“ (Alternativtitel) will reines Erwachsenenkino sein, aber der sprechende Hund wirkt einfach infantil bei seinem putzigen Aussehen, der gewöhnungsbedürftigen Idee dass er mit dem Helden kommunizieren kann und zumindest in der Deutschfassung auch aufgrund seiner knuffigen Stimme. Da können Dialoge zu erwachsenen Themen und die großartige Idee, dass der Hund der vernünftige Part im Duo ist, nicht gegen wirken. Das Gespann wirkt wie aus einem Kinderfilm entlaufen und stößt dabei auf eine Geschichte um Barbarei in einer Endzeitwelt, um Sexgelüste eines einsamen Mannes und um Unterdrückung innerhalb einer dekadenten Geheimgesellschaft.

Dass „Der Junge mit dem Hund“ (Alternativtitel) nicht funktionieren möchte, liegt jedoch nicht einzig an den unkompatiblen Bausteinen. Auch die ewig auf der Stelle tretende Geschichte, die zunächst so öde ausgefallen ist wie das Land auf dem sie spielt, verhindert einen unterhaltsamen Kino-Trip, handelt die erste Hälfte doch fast ausschließlich davon, dass der Teenager verzweifelt eine Frau sucht. Und da wissen selbst so skurril wirkende Ideen wie das Pornokino inmitten einer untergegangenen Zivilisation nichts zu retten, da sie als kurzes Element innerhalb gepflegter Langeweile zu funktionieren wissen, nicht aber die komplette Geschichte damit gestemmt bekommen.

Wirklich schade ist das triste Ergebnis zu nennen, wenn man die zweite Filmhälfte erreicht hat und die Geschichte nun vor bizarrer Ideen nur so übersprudelt. Da wird mit simpelsten Mitteln wie blass geschminkter Gesichter das schräge Bild einer dekadenten Alternativ-Kultur erschaffen, die es verdient hätte, dass man sie näher beleuchtet hätte als geschehen. Warum hat man nicht 30 Minuten der Vorgeschichte eingespart, um sie in den wesentlich interessanteren Teil der Geschichte zu investieren? Auch dieser Part wäre unter einer talentierteren Regie besser ausgefallen, rein dramaturgisch will auch sie nicht funktionieren. Aber zumindest ist sie aufgrund ihrer grotesken Erscheinung interessant ausgefallen, auch wenn man sich für das Schicksal des jungen Helden weiterhin so gar nicht interessiert.

Die mangelnde Identifikation mit dem Jungen ist es schließlich auch, die der Grund dafür ist warum eine interessant anzuschauende zweite Hälfte nicht hilfreich dabei ist das Gesamtergebnis zumindest auf ein mittelmäßiges Niveau zu hieven. Dafür fällt die zweite Hälfte zu theoretrisch aus. Sie bietet keinen Spannungsbogen zum Mitfiebern, sie schafft es nicht dass man die Enttäuschung des Helden mitfühlt, der immerhin von seiner ersten Liebe betrogen wurde. Sie schafft es lediglich, dass man über die vielen bizarren Ideen schmunzelt, was nach dem arg öden ersten Teil der Geschichte zwar ungeheuer gut tut, aber immer noch ein simples Ergebnis ist im Vergleich zu all den Möglichkeiten die vorhanden waren um ein gutes Ergebnis zu erzeugen.

Zumindest die bittere Schlussidee weiß zu gefallen, fügt sie sich doch in den augenzwinkernden Erzählton, der nicht nur die Geschehnisse des Streifens umrissen hat, sondern auch die Charakterzeichnung der beiden Helden umfasst, ein weiteres Elemt des Films das ein besseres Ergebnis verdient hätte. Denn dies ist das wahrlich ärgerliche an „Apocalypse 2024 - A Boy and His Dog“ (Alternativtitel): psychologisch gesehen ist er recht clever erzählt. Die einzelnen Zutaten wollen lediglich nicht brauchbar ineinander greifen. Stattdessen wird das theoretisch schmackhafte Rezept zu einem unausgegorenen Brei aus Fremdschämen, Einfallsreichtum und Unvermögen.


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