Sonntag, 24. Januar 2016

GANTZ - SPIEL UM DEIN LEBEN (Gantz 2011 Sinsuke Satô)


Im Augenblick ihres Todes werden Menschen in einen Raum transferiert, in welchem sich die Kugel Gantz befindet, die einem befielt diverse Außerirdische zu töten, die sich zu Unrecht auf der Erde befinden. Wer nicht mitmacht oder versagt stirbt. Wer siegt erhält Punkte. Wer genügend Punkte gesammelt hat kann entweder aussteigen oder einen toten Mitspieler zurück ins Leben Spiel holen...


In den Fängen einer Kugel...

Basierend auf der Anime-Serie „Gantz“ folgte 7 Jahre später ein Zweiteiler, von dem „Gantz - Spiel um dein Leben“ der erste darstellt. Das Werk von Shinsuke Satô mixt einige bekannte Storyfragmente zu einem eigenen Ganzen zusammen. So erkennt man in dem wilden Science Fiction-Trip u.a. Ideen aus „Freejack“, „Cube“, „Das Böse“ und „Man in Black“ wieder, ohne dass je stilistisch von diesen geklaut würde. Allein das Herstellungsland Japan verpackt die Geschichte völlig anders als die aus Amerika stammenden Vergleichsfilme, sind doch allein die Art der Action und die Dramaturgie geradezu typisch japanisch ausgefallen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Beiträgen aus diesem Land mixt „Gantz“ den erlebnisreichen Science Fiction-Gehalt jedoch nicht mit intelligenter Tiefgründigkeit oder einer zu Ende gedachten Geschichte. „Gantz“ ist in etwa vergleichbar mit den modernen Blockbustern aus Amerika. Er ist schnell herunter geschriebener Mainstream, der sich fast einzig auf seinen durchaus gelungenen Spezialeffekten ausruht, aber am Tiefgang von Charakteren und an dem Sinn seiner Geschichte spart. So wird beispielsweise nie erklärt warum sich Gantz ausgerechnet frisch verstorbene Menschen holt oder holen muss, so dass der Hintergrund des eigentlich angenehm flott und frisch erzählten Streifens so löchrig daher kommt wie die innereigene Logik.

Zudem fällt es schwer mit Charakteren zu sympathisieren, die sich so unglaublich dämlich benehmen wie die uns hier vorgesetzten. Wer laut „Gantz - Spiel um dein Leben“ im sterben liegt, während wer anders einen Alien erfolgreich tötet, ist nach der Transferation zurück in Gantz‘ Raum wieder gesund und munter, um weiterhin vollwertiges Mitglied der gezwungenen Auserwählten zu sein. Anstatt den jeweiligen Außerirdischen erst recht zu jagen, wenn es einen Freund erwischt, hält man lieber theatralische, gefühlsduselige Reden am Körper des Dahinsterbenden und dies solange bis der Mitspieler tot ist, so dass dieser nach erfolgreicher Mission nicht mehr mit zurückkehren kann, da er tatsächlich tot ist.

Derlei Idiotien, die man anfangs aufgrund der neuen und ohnehin kranken Situation noch verstehen könnte, sind keine Seltenheit innerhalb der sich durchaus angenehm guckenden Laufzeit von zwei Stunden. Sie zeigen sich alleine immer wieder in den Kampfszenen gegen die Aliens, meistens dann wenn die extrem verzögerte Reaktionszeit des Schießens einzig dazu dient den Kampf in die Länge zu ziehen, was niemals die Absicht eines der Kämpfer sein könnte, so schnell wie diese möglichst unversehrt zurückkehren möchten.

All diese Mainstream-Krankheiten machen aus einem ansonsten sympathisch inszenierten Film lediglich ein geistfrei unterhaltsames Ergebnis ohne Anspruch. Denn so idiotisch die Geschichte auf der einen Seite ausgefallen ist, am Anfang ist man aufgrund der Rätselhaftigkeit des Geschehens gespannt dabei, und ansonsten sorgen einfallsreiche Alien-Gegner dafür, dass einem niemals langweilig wird, ist doch jeder von ihnen völlig anders ausgefallen und besitzt doch jeder von ihnen seinen ganz eigenen Reiz. Mir persönlich hat der Alien mit dem Faible für seinen  Ghettoblaster am besten gefallen, allein schon weil seine Bewegungen beim Rennen mich stark an den Maschinenmenschen aus „Terminator 2“ erinnert haben, während er rein optisch ansonsten eher Ähnlichkeiten mit der Actionfigur aus „Tod im Spielzeugland“ hatte.

Auch in seinen wenigen ruhigen Momenten weiß „Gantz“ auf simpler Ebene zu gefallen, auch wenn man sich als Europäer immer wieder mit der japanischen Mentalität in emotionalen Szenen schwer tun kann, die mehr Kinoklischee als nachvollziehbare Wirklichkeit zu sein scheint. Seine wahren Höhepunkte besitzt Satôs Realverfilmung des Comicstoffes allerdings ohnehin in den actionreichen Spezialeffekt-Sequenzen, die optisch sauber umgesetzt sind und immer glaubwürdig ins Realbild integriert. Das macht am Sehwert viel aus, kann zwar fehlende Charaktertiefe und Lücken in der Logik und in der Geschichte nicht ersetzen, sorgt aber zusammen mit den anderen gelungenen Elementen dafür, dass man zumindest nett unterhalten wurde, wenn auch geistfreier als im Popkorn-Kino Japans üblich.


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