Donnerstag, 12. Mai 2016

AUSSER RAND UND BAND AM WOLFGANGSEE (1972 Franz Antel)


Eva erbt ein heruntergekommenes Hotel am Wolfgangsee. Zunächst von der erfolgreichen Konkurrenz, dem Weißen Rössl, belächelt, macht Eva mit allerhand Unterstützung hilfsbereiter Leute aus dem Schuppen das Kur-Hotel Schwarzes Rössl. Der gewöhnungsbedürftige Stil dort wird mit der Zeit von den kritischen Gästen angenommen, und Eva ahnt nicht, dass ihre finanzkräftigste Unterstützung vom Bruder der Besitzerin des Weißen Rössl kommt, der ohne böse Hintergedanken hilft...


Blaskapellen-Combo...

Zwei Jahre nach „Musik, Musik - Da wackelt die Penne“ trommelte Regisseur Franz Antel noch einmal einen Großteil der Darsteller von einst zusammen, um ein Remake des ingesamt drei mal von ihm verfilmten „Eva erbt das Paradies... ein Abenteuer im Salzkammergut“ zu drehen. Obwohl auch Gunther Philipp und Paul Löwinger mit an Bord sind, ist die erneute Zusammenkunft der fröhlichen Truppe keinesfalls das Produkt selbiger kaum auszuhaltender Extremkomik geworden, wie das damals mit Ilja Richter und Hansi Kraus besetzte Werk, von denen diesmal lediglich noch Hansi Kraus für eine Nebenrolle übrig geblieben ist.

Freilich ist „Außer Rand und Band am Wolfgangsee“ das typische Feel Good-Produkt seiner Zeit geworden, aber er ist nicht so penetrant erzählt wie Antels oben zuerst erwähnte Komödie. Einzig Löwinger spielt dominant wie er immer spielt, diesmal in der Rolle eines Sympathisanten, und isoliert von anderen Extremkomikern funktioniert sein gewöhnungsbedürftiger Humor sogar überraschend gut, was mich schon sehr verwundert hat. Hauptsächlich lebt der Film freilich von seinem höchst naiven Optimismus und seinem fast schon dilettantischen Flair, welches durch Spielfreude, gute Laune und einem Touch unfreiwilliger Komik den nötigen Mix ergibt um auf naivster Basis nett trivial unterhalten zu werden.

Leider gibt Michael Schanze weder musikalisch noch als lässiger Held viel her. Sein müdes Gesinge vereint sich so gar nicht mit dem frech gewollten Stil des jungen Hotels. Und die extra für den Film eingekaufen Musikstars, Roberto Blanco und irgendeine Black-Band die kaum noch wer kennt, sind billig in den Film eingebaut, spielend auf einer Bühne die nie Berührung mit den Drehorten am Wolfgangsee fand, geschweige denn Berührung mit den Figuren des Filmes.

Als einzig positiv erweist sich musikalisch das versöhnliche Zusammenspiel von Michaels lässiger Combo mit der spießiegen Dorfkappele, die zunächst eine Art Duell spielen, um schließlich wunderschön vereint mit ihrem jeweiligen Stil zu harmonieren. Mit dieser Musikszene wird symbolisch eine größere Aussage getroffen als Worte je hergeben könnten, ohne in dieser unendlichen Fröhlichkeit und dem keine schwarzen Wolken am Himmel kennenden Optimismus heuchlerisch oder lächerlich zu wirken.

Zwar gibt es nur die übliche, in solchen Komödien ewig wiedergekäuerte, Geschichte zu erleben, in welcher junge Leute sich mit List, Tücke und ohne gesunden Menschenverstand aus einer finanziellen Misere befreien, aber das spielfreudige Team aus mal wenig und mal noch weniger talentierten Mimen bringt das Ganze schon recht ordentlich und halbwegs unverkrampft rüber, manchmal mit überraschend tauglichen Witzchen versehen, meist aber einfach nur, ohne hervorhebenswerte Pluspunkte, den Geist seiner Zeit toll einfangend, selbstverständlich nur für Leute goutierbar, die mit den überholten heile Welt-Filmchen dieser Zeit etwas anfangen können. Mir hat es besser gefallen als so manch zu chaotische deutsche Komödie der 70er Jahre.


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