Dienstag, 21. Juni 2016

DAS GEHEIMNIS HINTER DER TÜR (Secret Beyond the Door... 1948 Fritz Lang)


Als Celia den Architekten Mark heiratet kennt sie ihn kaum. Erst bei ihrem Einzug in sein großes Haus erfährt sie, dass er bereits einmal verheiratet war und seine erste Ehefrau früh verstarb. Mit seinem ungewöhnlichen Hobby Zimmer zu sammeln, in denen einst ein Mord passierte, kann sie so gar nichts anfangen. Und als Mark ihr auch noch verbietet einen bestimmten Raum im Haus zu betreten, wächst in ihr der Verdacht dass ihr Mann ein Mörder sein könnte und sie sein nächstes Opfer...


Zimmer sammeln geht nur in einem Haus mit vielen Zimmern...

Mit „Das Geheimnis hinter der Tür“ versuchte man dem damaligen Publikum die Thematik der Psychoanalyse auf schlichte und unterhaltsame Art näher zu bringen, ein Unterfangen welches den Deutschen 22 Jahre zuvor mit „Geheimnisse einer Seele“ wesentlich besser gelungen ist, so konstruiert und banal hier die Holzhammer-Psychologie vorgetragen wird. Man bekommt bei solch undurchdachter und wackeliger Umsetzung zumindest das Gefühl, dass Fritz Lang nicht viel Einfluss auf sein eigenes Werk gehabt haben dürfte. Wenn da mal nicht amerikanische Produzenten ordentlich mit reingefuscht haben, weiß ich es auch nicht.

Langs Einfluss beschränkte sich scheinbar auf manch fantastisch umgesetzte Szenen, allen voran der fiktive Gerichtsprozess im Kopf von Mark und das Fehlen der typischen Gut-, Bösetrennung amerikanischer Filme. Aufgrund der Auflösung auf die alles ausgerichtet ist, kann der Film sich eine Schwarz/Weiß-Malerei diesbezüglich ohnehin nicht erlauben, eine Auflösung die einem Filmexperiment gleicht und tatsächlich eine großartige Idee ist, der man eine psychologisch feinfühligere Umsetzung und einen besser erzählten Weg zum Ziel gewünscht hätte. Denn Fritz Lang als Regisseur hin oder her, „Das Tor ins Verderben“ (Alternativtitel) ist ein ziemlich schlechter Film und gehört zu Recht zu den eher unbekannten Werken jenen Mannes, der ansonsten zu den Größen des frühen Kinos gehört.

Leider stört nicht nur die unsinnige Küchenpsychologie, die man großzügig noch bezogen auf das Herkunftsjahr und das seit je her naive Kino des Herkunftslandes halbwegs übersehen könnte. „Secret Beyond the Door...“ (Originaltitel) ist zudem viel zu konstruiert erzählt, um Wohlgefallen beim Publikum auslösen zu können. Die Geschichte beginnt höchst umständlich und schlägt einige unnötige Bögen, bevor sie endlich am eigentlichen Handlungsort ankommt. Diese Phase dient lediglich der psychologischen Vertiefung des weiblichen Hauptcharakters, der es uns theoretisch schwer machen dürfte zu wissen ob sie sich in ihrem leicht verwirrten Zustand, der uns immer wieder über emotional hysterische Off-Kommentare deutlich gemacht wird, einredet ihr Mann sei ein Mörder, oder ob sie sich wirklich in einer Falle befindet.

Die Art wie Mark uns präsentiert wird und so manche gar nicht subtilen Hinweise am Rande verraten Mark jedoch zu früh als unzurechnungsfähig, was dem Streifen in dieser Phase, in der wir noch nichts von der finalen Idee wissen können, einiges von seinem möglichen Potential raubt und die an sich lobenswerte Vertiefung Celias unnötig macht. Wenn wir Mark, angekommen in der Hauptgeschichte, endlich einmal besser kennen lernen, liegt der zu holprig und unnötig inszenierte Teil des Films zwar endlich hinter einem, aber noch immer kommt das Drehbuch zu bemüht und umständlich daher, als dass das Gesehene wirklich packen könnte. Zu weltfremd kommt einem das ganze Szenario vor, und das zeigt sich allein schon in dem für die Story so wichtigen Element des Zimmersammelns. Wer kommt auf solch einen Blödsinn, der einem hier fast schon als völlig normal präsentiert wird, so als gehöre Zimmer sammeln neben dem Ansammeln von Briefmarken und Schallplatten zur üblichen Form dieser Art Hobby?

Da „Das Geheimnis hinter der Tür“ nicht nur unsinnig, zu bemüht und zu konstruiert ausgefallen ist, sondern zudem auch noch äußerst spannungsarm, gibt es kaum mehr etwas Positives über den Film zu berichten, einmal abgesehen von den bereits erwähnten Einflüssen Langs und dem finalen Kniff, Einflüsse die das fertige Werk zwar aufzuwerten wissen, den Streifen aber nicht gerettet bekommen. Ich will gar nicht hinter die Kulissen gucken, Lang hat sicherlich gegen Windmühlen kämpfen müssen, bis sich die Produzenten schließlich durchgesetzt haben. Oder er hat von Anfang an nicht gegen sie angekämpft. Ich kenne mich nicht gut genug mit Langs Leben und Arbeiten in seiner Amerikaphase aus, um dies wirklich beurteilen zu können. Aber nach all den Meisterwerken die er uns hinterlassen hat, kann „Geheimnis hinter der Tür“ nur ein Produzentenfilm sein, schließlich dürfte selbst ein Ausrutscher, den sich jeder Künstler leisten darf, nicht so unterirdisch ausfallen wie der hier besprochene Film.


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