Mittwoch, 22. Juni 2016

DOG SOLDIERS (2002 Neil Marshall)


Eigentlich sollte der Trupp Soldaten in den schottischen Wäldern lediglich eine Übung abhalten, aber inmitten der Wildnis sind sie nicht allein. Ein Rudel Werwölfe trachtet ihnen nach dem Leben...


Ein Gegner mit Biss...

Da ich es nicht so mit Werwolf-Filmen habe, da sie mir nur in der Ausnahme gefallen, so wie z.B. in „American Werewolf“, „Wolf“ und „Ginger Snaps“, kenne ich vergleichsweise nicht all zu viele Stoffe zu diesem Thema. Aber eigentlich traten die Viecher in den von mir gesehenen Werken immer nur allein auf. Da fragt man sich doch, warum das so oft im Horror-Genre auftretende Monster so selten oder bis „Dog Soldiers“ gar nie (?) im Rudel aufgetreten ist, was doch nur naheliegt aufgrund seiner ungewollt tierischen Verwandschaft. Es ist schön dass mal wer das Kaliber dieser Ausgangssituation erkannt hat, und es ist schön dass die Bedrohung tief in den Wäldern in einer stimmigen Umgebung eingesetzt wird.

Mit Soldaten als Helden in Horrorfilmen habe ich oftmals meine Probleme. Dies nicht weil ich ein Idealist bin und Fiktion nicht von meiner persönlichen Meinung unterscheiden könnte, sondern einfach deshalb weil es in dieser Berufsgruppe nicht auf das Individuum ankommt. Und als austauschbare Figürchen fehlt mir da in Werken wie „The Hills Have Eyes 2“ und Co die Auseinandersetzung und Identifizierung mit ihnen als Person mit Charakter. Werke wie „Predator“ und „Outpost“, die in der Ausnahme funktionieren, lassen einen, wenn schon nicht all zu sehr am Charakter, zumindest an der Strategie der Truppe teilhaben, und schon ist man drin, kann mitfiebern, sich orientieren und die Bedrohung mitempfinden. Und ein solcher Ausnahmefilm ist „Dog Soldiers“, der uns näher an die Soldaten und ihr Denken und Empfinden heranlässt, als die austauschbaren Horrorfilme diesbezüglich.

Zwar kann man bei „Night of the Werewolves“ (Alternativtitel) nun nicht von einer sonderlich innovativen Geschichte sprechen, immerhin sind wichtige, für längere Zeit ausgeborgte, Elemente aus „Predator“ und „Die Nacht der lebenden Toten“ vorhanden, sowie diverse Zutaten aus den üblichen Tierhorror- und Werwolffilmen, aber Regisseur Neil Marshall hat ein Gefühl dafür die schlichte Geschichte stimmig umzusetzen. Nicht nur dass es pausenlos kracht, was den Action-Fan erfreuen wird, Marshall vernachlässigt es bei all dem Krawumm auch nicht die Bedrohung spürbar werden zu lassen und sorgt somit für einen Spannungsbogen, der das ewige Herumgeballer nicht zu einer monotonen Orgie der Langeweile verkommen lässt.

Ein großer Vorteil im Gegensatz zu solch vielen misslungenen Beiträgen der Werwolf-Thematik ist die wirklich hervorragend ausgefallene Gestaltung der Werwölfe selbst, die nicht wie groteske, plumpe Monster wirken, die einen mehr zum Lachen als zum Gruseln bringen. Die Effekt-Designer schaffen es tatsächlich dass die Viecher selbst dann toll aussehen, wenn sie sich länger im Bild befinden. Dennoch weiß Marshall auch hier, dass es Sinn macht die Monster nicht all zu oft zu zeigen, aber wohldosiert genug um den Zuschauer auch nicht zu enttäuschen. Einen längeren Blick auf die Viecher erhaschen wir nicht erst im Finale. Als Rudel greifen sie stets zusammen an, und in der Hütte im Wald angekommen, in welcher der Hauptteil der Geschichte spielt, bekommen wir sie mit jeder Attacke zu Gesicht.

Es erstaunt mich ein wenig, dass „Dog Soldiers“ Marshalls Debutfilm vor „The Desenct“ ist, ist letztgenannter Streifen doch sicherlich kostengünstiger ausgefallen als das hier besprochene Werk. Dank der schlichten Location dürfte auch „Dog Soldiers“ nicht all zu viel gekostet haben, aber das Kreaturendesign und die Investitionen in die nicht zu knapp ausgefallenen Actionszenen haben die Kosten dennoch ein gutes Stück angehoben im Vergleich zum Überlebenskampf in der Höhle.

„Dog Soldiers“ mag nicht immer logisch und nachvollziehbar ausgefallen sein, aber er versteckt seine Idiotien recht gut. Zudem wimmelt es nicht an jeder Ecke vor Unsinnigkeiten, so dass man über den geringen Teil dessen was an Blödsinn vorhanden ist großzügig hinwegsehen kann. Etwas zu aufdringlich ist mir die Filmmusik aufgefallen, die das schlichte, kleine Werk fast schon zum großen Epos aufblasen will. Das will so gar nicht zum gezeigten Szenario passen und ist zudem auch viel zu banal komponiert für seine aufgeblasene Art.

Ansonsten weiß Marshalls Langfilm-Debut jedoch zu gefallen. Luft nach oben gibt es noch genug, sein Streifen ist kein Meisterwerk geworden. Aber wenn man bedenkt wie selten es im überfluteten Markt der Werwolffilme brauchbare Beiträge gibt, darf man doch erfreut sein mit „Dog Soldiers“ nicht nur annehmbare Dutzendware gesichtet zu haben, sondern einen Film mit Gespür für Atmosphäre, Spannungsbogen, dem richtigen Mix aus Action und Atempausen, sowie einen trockenen, sachlischen Grundton. Kurzum: Marshall dosiert die einzelnen Zutaten recht gekonnt, um aus einem Minimum an Story einen maximalen Unterhaltungswert zu ernten.


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