Samstag, 13. August 2016

DER HEXER (1964 Alfred Vohrer)


Als seine Schwester umgebracht wird, kehrt der von Scotland Yard gesuchte Verkleidungskünstler und Verbrechermörder Arthur Milton, auch der Hexer genannt, von Australien nach London zurück um Rache zu nehmen. Inspektor Higgins erhält Hilfe von dem bereits pensionierten Inspektor Warren, dem einzigen Mann der je gesehen hat wie der Hexer aussieht und der ihn damals fast verhaftet hätte...


Eine Spielwiese wird gesät...

Als ich vor etwa 20 Jahren erstmals die Filme der Rialto-Wallace-Reihe sichtete, da behielt ich „Der Hexer“ als angenehm routinierten, aber keinesfalls hervorhebenswerten Beitrag der Serie in Erinnerung. Diese zweite deutsche Verfilmung eines des am meisten verfilmten Stoffe nach Edgar Wallace, entpuppte sich nun bei der Neusichtung als überraschend sehenswerter Beitrag, der nicht nur prächtig zu unterhalten weiß, sondern schon die Weichen für die Buntphase der Reihe stellt, die Alfred Vohrer später als Spielwiese für skurrile Einfälle nutzte und damit endgültig ein groteskes Alternativ-Edgar Wallace-Universum zu dem unseren schuf.

Bereits hier tobt sich Vohrer mit ungewöhnlichen Einfällen wie der Kameraaufnahme hinter der Wählscheibe eines Telefons, reißerischen Mordversuchen wie den Giftschlangen in den Manteltaschen der Ermittler und einer kleinen aber wirksamen Dosis mimischen, körperlichen und redseligem Klamauks und amouröser Anspielungen aus, so dass es ein wenig ironisch klingt dass „Der Hexer“ bis heute als der allgemein beliebteste Teil der Reihe gilt, wohingegen die meisten Zuschauer mit der Buntphase der Rialto-Wallace-Serie aufgrund ihrer Überspitzungen nichts anzufangen wissen.

In „Der Hexer“ bekommen zumindest die Freunde beider Seiten all das geboten was man sich von einem Wallace-Film der 60er Jahre wünscht. Somit bildet der Streifen eine sehr gleichgewogene Schnittstelle zwischen beiden Stilrichtungen und beschenkt den Stammzuschauer zudem damit bis auf Karin Dor und Klaus Kinski alle beliebten Gesichter der Reihe in einem Film zu vereinen, ein Star-Aufgebot welches durch die Spielfreude aller Anwesenden und der augenzwinkernden und flotten Umsetzung bereichert wird.

Higgins mag ein wenig tolpatschig und dümmlich wirken, erstaunlicher Weise hemmt dies die Wirkung des Streifens keineswegs, zumal Fuchsberger seine Stammrolle charmant zu verkörpern weiß und das Denken diesmal seinen vielen Mitermittlern überlässt. Diese sind nötig um darüber hinwegzutäuschen, dass sich „Der Hexer“ wieder einmal der Auflösung von „Der rote Kreis“ bedient, und damit der Zuschauer dies nicht voreilig errät lenkt die Rolle von Heinz Drache gekonnt von diesem Zustand ab.

Somit erzählt „Der Hexer“ nicht nur das was 30 Jahre zuvor „Der Hexer“ erzählte, auch wenn beide Verfilmungen sich eng an die Buchvorlage halten, sondern bereichert das bereits Bekannte durch einen metareflektierten Blick, durch durchdachte psychologische Methoden um mit dem Zuschauer zu spielen und durch seine ironische Distanz zum Ur-Stoff, was nicht verwundern braucht so out die Romane von Wallace zu Beginn der Rialto-Reihe galten und nur über ihren augenzwinkernden Umgang filmisch umgesetzt solche Erfolge feiern konnten. Mein liebster versteckter Meta-Verweis des hier besprochenen Kriminalfilms ist die Bekanntgabe der Vornamen von Inspektor Higgins, welche die selben sind, die auch Edgar Wallaces Sohn trug.

Ein best gelaunter Eddi Arent spielt so skurril komisch wie man ihn am liebsten sieht, Siegfried Schürenberg hat die Lacher auf seiner Seite, und die drei Ermittler sind sowohl in ihren Rollen als auch rein von den Schauspielern her solch sympathische Gestalten, dass dies zu einem guten Teil der angenehmen Chemie des Streifens beisteuert, der bereits ein Jahr später mit „Neues vom Hexer“ fortgesetzt wurde und das einzig direkte Sequel eines Vorgängerstoffes innerhalb der Rialto-Reihe bleiben sollte.


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