Samstag, 24. September 2016

RECREATOR - DU WIRST REPLIZIERT (Recreator 2012 Gregory Orr)


Drei Teenager campen auf einer Insel, auf der einst geheime Experimente stattfanden. Plötzlich tauchen Klonversionen von ihnen auf, die klüger und talentierter sind als die Originale. Die Teenager sind sich sicher, dass sie ersetzt werden sollen und nehmen den Kampf gegen ihre Doppelgänger auf...


Zwei von der einen, eins von der anderen Sorte...

Das Finale von „Futureworld - Das Land von Übermorgen“ zeigte einst wie interessant die Doppelgänger-Thematik jenseits der berühmten „Body Snatchers“-Variante ausfallen kann, sprich wenn es nicht einzig darum geht ersetzt zu werden, sondern der Kampf mit einer perfekteren Variante seiner Selbst ausgeführt werden muss, einem Wesen das alles über dich weiß und das in den meisten Punkten so ist wie du selbst. Was seinerzeit per Roboterthematik umgesetzt wurde, wird über 30 Jahre später passend zur wissenschaftlichen Entwicklung per genetischer Klone erzählt. Leider ist „Recreator“ als kleiner Teen-Horror konzipiert, womit ihm einiges von seinem Potential flöten geht.

Begrenzt auf kleinem Raum mit naiven Teenagern im Zentrum wird die Geschichte kleiner gehalten als nötig und in einem arg blauäugigen und kaum durchdachten Gewand präsentiert. Die Ausgangslage campender Teenager, die in anderen Horrorbeiträgen ideale Grundlage für triviale Unterhaltung bietet, ist für die Doppelgängerthematik eigentlich unpassender Natur. Dass die Verantwortlichen des Streifens sich nicht über die Möglichkeiten der von ihnen verarbeiteten Thematik im Klaren waren, außer zu wissen dass man hiermit frei von Monstern und fremden Welten eine recht kostengünstige Geschichte umsetzen konnte, zeigt sich aber ohnehin spätestens in der höchst dümmlich ausgefallenen Hintergrundgeschichte, die einem nur glaubwürdig erscheinen kann wenn man gehirnamputiert ist.

Ich erwarte in einem Teenie-Horror nun nicht viele logische Aspekte, aber so gewaltig in die Kacke hauen wie man es hier tut, muss man nun wahrlich nicht. Da liegt mitten auf der Oberfläche der Insel, wo sich einst ein wissenschaftliches Gebäude befand, nach 70 Jahren noch immer ein unzerstörtes Glasgefäß aus einem Labor. Der tote Wissenschaftler von einst sieht aus als wäre er gerade eben gestorben. Das Labor ist frei von Staub und Spinnweben. Und ist das Klonverfahren erst einmal auf höchst bescheuerte Art erklärt, fragt man sich zurecht warum von jedem Helden nur ein Klon existiert. Mit jedem Versuch der Hintergrund-Thematik einen Sinn zu bescheren, verrennt sich „Recreator - Du wirst repliziert“ in immer dümmere Abgründe, die dem Film einen Schaden zufügen, von dem er sich nicht erholen kann.

Wie bei solch schwachem Drehbuch zu erwarten ist jegliche Handlungsweise der Teenager unsinniger Natur, schon lange bevor die eigentliche Horror-Thematik beginnt. Und dass sich die Doppelgänger keinesfalls klüger aufführen als ihre Originale, diese Eigenschaft also immer nur behauptet wird anstatt sie an irgendeiner Stelle zu beweisen, überrascht in einer solch dümmlich präsentierten Geschichte freilich überhaupt nicht, muss man als Autor doch halbwegs klug sein um kluges Verhalten auch anwenden zu können. Eigentlich erleben wir statt geistreicher Genies eher die eitle, frei von Reflektion und Mitleid geprägte Version der Originale.

Dass die Figuren einem von Anfang an nicht sonderlich sympathisch sind, erweist sich im Finale zwar als gekonntes Spiel mit dem Zuschauer und als einzig geistreicher Pluspunkt eines ansonsten strunzdummen Streifens, hilft mit der Erkenntnis am Schluss aber auch nicht dabei in allem was vor diesem Szenario stattfand mit den Identifikationsfiguren mitfiebern zu können. Eher gleichgültig verfolgt man das gar nicht uninteressant erzählte Treiben auf der Insel. Man ist gar überrascht, dass inmitten solchem Unsinns, ohne das Vorhandensein wahrer Stärken wie einem hohen Spannungsbogen, eine dichte Atmosphäre oder überraschende Wendungen, die Geschichte halbwegs zu funktionieren weiß.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Idee bereits ein Selbstläufer ist, die Geschichte sich nicht mit einer langen Vorgeschichte ausbremst und das ganze Miteinander zwischen Klone und Originale, so wenig man auch versteht warum da überhaupt ein Zusammenleben geübt bzw. geduldet wird, recht interessant gestaltet ist. Der spät einsetzende Kampf der beiden Gruppen gegeneinander weiß zumindest routiniert zu gefallen und ist nicht ganz so dämlich ausgefallen wie die wissenschaftlichen und zwischenmenschlichen Aspekte des Streifens. Und der Schluss ist schließlich, wie bereits erwähnt, richtig geglückt, beweist uns dass man sich der weiblichen Charakterzeichnung bewusst war, und zeigt uns seine Auflösung sogar überraschend zurückhaltend präsentiert, was mit der endgültigen Schlussszene leider wieder kaputt gemacht wird, indem dort die zuvor lediglich angedeutete Information noch einmal jenen dick aufs Brot geschmiert wird, die es noch immer nicht kapiert haben.

Vielleicht ist dies auch besser so, denn jene für die der Film eigentlich gedreht wurde, benötigen diese letzte Szene zum Verstehen. Denn an ein geistreiches oder gar mitdenkenden Publikum hat man beim Drehen von „Synchro“ (Alternativtitel), der auch unter den Titeln „Cloned - You Will Be Replaced“ und „Cloned - The Recreator Chronicles“ erschienen ist, ohnehin nicht gedacht, so extrem lückenhaft und unbedarft das Grundszenario mit wissenschaftlichem Unsinn und undurchdachten grundlegenden Elementen zusammengeflickt wurde. Um so erstaunlicher ist es feststellen zu dürfen, dass dieses Meer an unterhaltungstechnischen Nachteilen nicht verhindern kann, dass sich der Film trotzdem noch halbwegs interessant für Vielseher des Genres guckt.


Weitere Reviews zum Film: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen