Freitag, 9. September 2016

YOUNG ADULT (2011 Jason Reitman)


Die in einer Lebenskrise feststeckende Jugendbuch-Autorin Mavis sehnt sich nach ihrer Teenie-Zeit zurück. Als sie erfährt dass ihre Highschool-Liebe Buddy Vater geworden ist, fährt sie in ihren verhassten Heimatort zurück um ihn zu retten, kann er solch ein Familienleben doch unmöglich wollen. In ihrer Eifersucht erkennt sie nicht wie glücklich Buddy ist. Die Katastrophe ist vorausprogrammiert...


Unglückliches Spießertum...

Der Wunsch dem eigenen Heimatstädtchen zu entkommen und in der Großstadt Fuß zu fassen haben in Amerika viele Menschen. Wer dort Erfolg hat und Karriere macht, blickt gerne herablassend auf die Daheimgebliebenen zurück, die eine Familie gründen und ein Kleinstadtleben führen. Im mittleren Alter angekommen und eigentlich vom Alltag gefrustet, reden sich solche Menschen in ihrem ständig wieder zum Single gewordenden Leben oft ein, es ginge ihnen besser als den Spießbürgern, die ihre Freiheit auf Kosten einer Familie aufgaben. Wenn Amis in ihren Filmen auf das hohe Gut Familie setzen, dann überspannen sie gerne den Bogen und werden belehrend und moralistisch.

Was wie ein arg konservativer Ansatz klingt, entpuppt sich in den Händen von Regisseur Jason Reitman freilich als eine durchaus reflektierte Geschichte, die beide Seiten bedenkt und nicht mit Stereotypen arbeitet. Doch wo ein „Juno“ modern konservativ daher kam, ein „Up in the Air“ eine griffige Dramatik bot und ein „Thank You for Smoking“ eine freche Satire auf die intelligente Art war, da ist „Young Adult“ in seiner unaufgeregten Art vor allen Dingen eines: ziemlich belanglos. Zwar streift Reitman jegliche Krankheiten einer unangenehmen US-Komödie ab, erzählt den Großteil frei von Klischees und setzt nicht auf eine einzige Wahrheit, wirklich mitempfinden kann man die Erlebniswelt von Mavis jedoch nicht. Zumindest ich konnte es nicht, und damit fühlte ich mich vom Film ausgeschlossen.

„Young Adult“ wurde zum rein theoretischen Werk, das nur hin und wieder seine Pforten öffnete und mich mitfühlen ließ. Wenn der überglückliche Vater zu sehen ist, oder Patton Oswalt in seiner Rolle als gefrusteter Begleiter beschreibt wie er einst attackiert wurde und was dies für bleibende Schäden hinterlässt, dann ging mir dies nahe. Wenn aber die Rolle der eigentlich gut agierende Charlize Theron nicht erwachsen werden will, sich in einer Lebenskrise befindet, vielleicht sogar in einer Depression (meiner Meinung nach Deutungssache) und in ihrer Rettungsaktion auf die eigene Lebenslüge stößt, dann empfand ich nur selten mit.

Dabei verstehe ich Mavis. Und mir ging es sehr nahe wie sie in einer Unterhaltung äußerte sie stecke fest und schwebe in der Luft während andere am Ziel angekommen scheinen und sich mit dem schlichten Familienleben zufrieden geben. Ich kenne persönlich diese Art Problematik, wenn alles um einen herum erwachsen wird, während sich das eigene Leben nicht so anfühlt. Aufgewühlt haben mich die hier gezeigten Erlebnisse trotzdem nicht.

Das lag nicht an der absichtlich asozial gezeichneten Hauptfigur und dem geringer asozial charakterisierten Begleiter. Die wirken in ihren Diskussionen fast noch zu brav. Vielleicht ist es auch das was nicht zünden will. Vielleicht ist mir „Young Adult“ nicht extrem genug ausgefallen. Das Hineinträumen in die Vergangenheit wird nur angerisssen und lässt sich nie mitfühlen, stets herrscht ein Scheiß egal-Zustand im Film, eine Emotionslosigkeit, eine welche Mavis durchaus empfinden soll, weswegen auch der Film dementsprechend ausgelegt ist. Aber in einer Tragikomödie brauche ich nun einmal Empfindungen. Und in einer Lebenskrise empfindet man nun einmal theatralischer. Und wenn dies bei Mavis nicht so ist, sollte man zumindest Mitleid mit ihr empfinden aufgrund ihrer inneren Kälte.

Aber das tut man nicht. Man verfolgt lediglich ihr Treiben, bis es zum großen Knall kommt, der zum Fremdschämen, aber nicht zum Mitfühlen animiert. Und dann ist „Young Adult“ irgendwann vorbei. Dass er uns zuvor noch so eine Art Mitleidssex mit auf den Weg gibt, wirkt etwas geschmacklos und passt auch nicht ganz zu Mavis, mag sie sich auch auf einem Tiefpunkt befinden. Wett macht Reitman dies mit einem interessanten Schluss-Dialog, der deutlich macht dass Mavis tatsächlich nicht für das Kleinstadtleben gemacht wäre. Ihre Lebenslüge ist keine solche. Sie diagnostizierte selbiges nur beim Falschen. Komisch dass selbst diese realistische, frei von Schmalz inszenierte Szene, mich völlig kalt ließ.


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