Freitag, 9. September 2016

YOUNG ONES (2014 Jake Paltrow)


Die nahe Zukunft: das Wasser ist knapp geworden, Amerika ist zur Wüste verkommen. Die Regierung unterstützt mit einem neuen Projekt größere Farmen mit Wasserleitungen, doch die kleine Farm von Ernest und seinen beiden Kindern gehört nicht dazu. Tapfer schlägt er sich mit Handel durch, nur mit dem zwielichtigen jungen Flem lässt er sich nicht ein. Flem weiß jedoch was er will: das Land und die Tochter von Ernest. Und mit List und Tücke verschafft er sich beides...


Wüste, Lügen, Lücken...

„Young Ones“ ist ein eher familienfreundlicher Endzeit-Film, mit seinen wenigen härteren Szenen sicherlich trotzdem nicht geeignet für 12jährige, was die FSK jedoch völlig anders sieht. In dem von Jake Paltrow verfassten und inszenierten Film existiert noch eine Regierung. Die Verhältnisse sind dennoch nah an Werken wie „Mad Max 2“ oder „Ein Junge und sein Hund“ angelehnt. Wasser ist knapp. Jeder ist sich selbst der Nächste. Diebe kann man erschießen ohne die Polizei fürchten zu müssen. Leider wirkt „Young Ones“ keineswegs durchdacht. Der Held lebt von Handel, Alkohol ist heiß begehrt, dabei scheint es ansonsten alles zu geben, zumindest wenn man sich im Laufe des Filmes die Nebensächlichkeiten anschaut. Das erklärt auch, warum zu Beginn ein Kunde enttäuscht ist keine Nikotinpflaster zu erhalten. Das Werk präsentiert uns Elend auf hohem Niveau.

Strom und Benzin scheint es genug zu geben. Nie äußert jemand Sorge darüber dass es knapp werden könnte, nie fällt ein Generator aus. Maschinen gehen nicht kaputt durch die Dürre, trotz des vielen Staubs und Sandes. Ohnehin macht die Trockenheit keine weiteren Probleme außer der zur Wüstenlandschaft verkommenen Erde und dem Wassermangel. „Interstellar“ war in diesem Punkt durchdachter und damit konsequenter. Sicherlich kann man viele der Ungereimtheiten zwischen Elend und verbleibendem Reichtum dem Zustand zugestehen, dass wir nur einen kleinen Teil des Landes sichten, jenes der Unterprivilegierten, die aus Hoffnung auf Regenwetter geblieben sind. Und wie erwähnt gibt es schließlich auch noch eine Regierung. Etwas düsterer hätte das Zukunftsbild dennoch ausfallen können. Selbst ein Leiden unter der Hitze, in einem Leben auf ewiger Wüste, wie man es z.B. in „Hell“ erleben durfte, findet nicht statt.

Das undurchdachte Treiben der Geschichte zeigt sich auch in der fehlenden Maskerade der recht gut besetzten Darsteller. Trockene Haut, Hautkrankheiten oder gelbe Zähne sucht man vergebens. Die Jugendlichen sehen gepflegt und gesund aus und vor allen Dingen mit Flüssigkeiten gut versorgt. Das trügt das Bild, die Geschichte wirkt geheuchelt. Das tut sie aber ohnehin, denn der verarmte Farmer, der Schulden bei der Bank hat, wie wir viel später erfahren, kann sich trotzdem eine medizinische Versorgung auf dem höchsten Stand der Technik für seine Frau leisten, die in einem recht komfortabel ausgestatteten Krankenhaus lebt. Es mangelt an Verständnis für die eigene Geschichte, wenn bereits schlichteste Zusammenhänge nicht erkannt werden.

Anders verhält es sich im zwischenmenschlichen Bereich. Zwar ist „Young Ones“ ein wenig blauäugig ausgefallen und zu Beginn etwas arg langweilig geraten, wenn Ernest aber erst einmal überraschend der Vergangenheit angehört und Flem das Ruder übernimmt, wird es interessanter, denn dann lebt der Streifen voll und ganz von dessen linker, wie einfallsreicher Art. Flem ist ohne Skrupel. Nie könnte er zur Identifikationsfigur werden, und das soll er als Mörder von Ernest auch gar nicht sein. Dennoch orientiert sich der Mittelteil hauptsächlich an ihn, was ein recht mutiges Unterfangen ist, nachdem uns Ernest genommen wurde, der als eine solche Figur diente.

Wirklich unterhaltsam wird „Young Ones“ jedoch erst in seinem letzten Drittel, wenn die Geschichte sich auf Ernest Sohn Jerome konzentriert, der hinter die Wahrheit von Flems Treiben stößt. Hier beginnt nun eine Rachestory, in welcher Jerome zu einer Spinne wird, die in ihrem Netz sitzt und dafür sorgt, dass Flem sich in diesem verfängt und sich mit jedem weiteren Trick darin immer mehr verheddert. Schnelle Rache ist nicht Jeromes Ding. Er lässt sich Zeit, spielt nach außen hin den leichtgläubigen Mitläufer bevor er zuschlägt. Zwar vernachlässigen es Buch und Schauspiel zu demonstrieren wie sehr man sich für ein derartiges Vorgehen emotional zusammenreißen muss, aber mit Feinheiten hat man es im hier erzählten Film schließlich ohnehin nicht so, eine sensibel erzählte Geschichte sieht anders aus.

Interessant bleibt das letzte Drittel trotzdem, allein schon weil Nicholas Hoult als Flem wunderbar schurkisch spielt und man Jerome seine Rache gönnt. Diesbezüglich ist man dann doch nah genug am Empfinden des Helden orientiert, auch wenn einen den Restfilm über so ziemlich alles egal war, so theoretisch wie sich „Young Ones“ guckte. Deswegen bekommt das letzte Drittel den ansonsten unter zu vielen Schwächen leidenden Film auch nicht gestemmt. Es hilft lediglich den geduldigen, noch anwesenden unter den Zuschauern dabei angenehmer aus einem drögen Film entlassen zu werden als man nach Sichten der ersten Stunde erwartet hätte.


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