Freitag, 9. September 2016

SEX TAPE (2014 Jake Kasdan)


Früher hatten sie immer und überall Sex, doch im Laufe der Jahre, in ihrer Rolle als Vater und Mutter, ist Annie und Jay der Beischlaf zur Nebensache verkommen. Als ihnen dies klar wird, wollen sie das so nicht akzeptieren. Also drehen sie zusammen ein Sexvideo, um sich zu beweisen wie sehr die Leidenschaft zwischen ihnen noch brennt. Der Plan funktioniert, doch das Sexvideo landet auf einer Playlist die auch Außenstehende einsehen können, und nun versuchen Annie und Jay an die I-Phones zu geraten, auf denen das Video kopiert ist...


Der Seelsorger von You Porn...

„Sex Tape“ geht überraschend offen mit seinem Thema um, wenn man bedenkt dass es sich um eine amerikanische Komödie mit zwei Genre-Stars handelt. Völlig unverkrampft agieren Cameron Diaz, sowie Mit-Produzent und Mit-Autor Jason Segel recht zeigefreudig vor der Kamera, ohne dass man von klassischen, detailreichen Erotikszenen sprechen könnte. Was sich mit dieser überraschend lockeren Art wie ein kleiner Glücksgriff anfühlt, zumal es Freude bereitet Cameron Diaz endlich wieder daheim, sprich wie einst, in einem gewagten Stoff agieren zu sehen, entpuppt sich jedoch als recht anstrengendes Stück Komödie.

Nicht nur dass die im Sexbereich umgangene Prüderie an anderer Stelle doch noch auftaucht, ganz besonders in der höchst unangenehmen Szene rund um You Porn, auch zu lang gezogene Szenen, die in ihrer Hektik eher nerven als zu belustigen, bremsen den Streifen ungemein aus, ganz besonders in der großen Rob Lowe-Szene, in welcher der einstige Teenie-Star fast das selbe spielen darf wie in seinen Gastauftritten in „Californication“. Da wird gekokst, da werden Hunde misshandelt, da will alles irre unkorrekt ablaufen, und doch stößt einzig der schrille Grundton in den Vordergrund, der jeglichen Anarcho-Charme überschattet.

Da es zwischendurch, immer von Schwarz auf Weiß geschaltet, recht konservativ zugeht und die Geschichte sich immer wieder in eine konventionelle Richtung dreht, wirkt „Sex Tape“ zu unentschieden. Ein wenig Provo-Humor, ein Stück Film über Familienwerte, ein braver Familienfilm, ein gewagter Anarchofilm, Jake Kasdans Werk ist alles auf einmal und nichts davon wirklich. Einzelne Momente wissen zu gefallen, die Offenheit der Thematik allen anderen Pluspunkten voran, aber leider ist es der falsche Film für den Cameron Diaz so (auf harmloser Komödien-Ebene) Tabu-frei agiert, wohingegen es bei Jason Segel aufgrund seiner üblichen Werke eher nicht verwundert, dass sich selbst hinter solch einer Thematik nur ein viel zu braver, angepasster Film verbirgt.


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