Samstag, 26. November 2016

PATLABOR - MOBILE POLICE (Kidô keisatsu patoreibâ 1989 Mamoru Oshii)


Im Japan des Jahres 1999 erledigen Roboter allerhand Arbeiten. Seit zwei Monaten kommt es immer wieder zu Störfunktionen, bei denen die Labors außer Kontrolle geraten. Für die Ursache steht das neue Betriebssystem H.O.S. unter Verdacht, welches ein kürzlich verstorbenes Genie konstruierte, das scheinbar eigene Pläne mit den Robotern hatte. Diese gilt es nun herauszufinden und zu verhindern...


Das Erbe des Genies...

Ein Jahr nach der ersten Videoproduktion „Patlabor“ und im selben Jahr der ebenso benannten TV-Serie, erschien mit „Patlabor - Mobile Police“ die Kino-Auswertung des Stoffes und bewies gerade ein Jahr nach dem erstaunlich guten „Akira“ wie schnell die Animationstechnik Fortschritte machte. Für seine Zeit ist Mamoru Oshiis Streifen hervorragend gezeichnet, lässt sich Zeit für künstlerisch wertvolle Standbilder und präsentiert seine mit heutigen Augen recht langsam ausgefallenen Actionszenen ohne die Bewegungsstriche aus dem Comicbereich, die man zur Beschleunigung in „Akira“ noch benötigte.

„Patlabor - The Movie“ (Alternativtitel) ist noch nicht so komplex ausgefallen wie viele Science Fiction-Animes die ihm folgen sollten, sein inhaltliches Niveau entspricht in etwa dem der Realfilme „Zeiram“ und „Robot War“ und erfordert eher aufgrund der Vielzahl seiner Charaktere eine höhere Aufmerksamkeit, als aufgrund einer hochgradig cleveren Geschichte. „Patlabor“ ist kein „Jin-Roh“, kein „Paprika“ und kein „Ghost in the Shell“, aber er kann sich sehen lassen, muss die ihm überlegene Konkurrenz nicht völlig scheuen und hat die Jahre, die er mittlerweile auf dem Buckel hat, gut überstanden. Noch heute schaut sich der Streifen sehr interessant, zumal seine Geschichte, so schlicht sie am Ende auch scheinen mag, gekonnt eingeleitet und leicht verästelt erzählt wird.

Was im Vergleich zu heutigen Werken angenehm nostalgisch auffällt, ist das Verwenden der klassisch auf humoristisch getrimmten Animefiguren in Hauptrollen besetzt. Wo sie sonst leichte Stoffe, TV-Serien oder Nebenrollen kleiden, gerne als auffälliger Sidekick präsentiert, da geraten sie hier ins Zentrum und verkörpern so ziemlich jedes Klischee, welches man mit Animecharakteren in Verbindung bringen würde. Schaut man „Mobile Police Patlabor“ (Alternativtitel) im Originalton, was sich trotz eines leicht unangenehm gesetzten deutschen Untertitel durchaus lohnt, bekommt man ergänzend hierfür auch gleich die akustischen Stereotype vorgesetzt, welche solche Charaktere geradezu typisch kleiden.

Neben seiner positiv geratenen Optik, bei welcher die Roboterkonstruktionen überhaupt nicht so gewaltig in den Vordergrund ragen wie ich es vermutet hätte, weiß „Kidô keisatsu patoreibâ“ (Originaltitel) durch seinen Rätsel aufwerfenden, futuristisch geratenen Krimi-Plot zu gefallen, der zwar nicht, wie ich es mir gewünscht hätte, zu einer Roboterrevolte im Stile von „Westworld“ führt, sondern die Ursache im menschlichen Bereich ansiedelt, aber doch mit recht interessanten Ideen spielt, welche die Protagonisten zu ihrem Ziel führt.

Da das Ganze nicht nur durch seine Ernsthaftigkeit, sondern auch durch seine Demut vor dem Leben und dem Respekt voreinander, zu einem erwachsenen Seherlebnis wird, kann man „Patlabor - Mobile Police“ dem Fan japanischer Zeichentrickfilme dieser Art durchaus empfehlen. Ein stets situativ passender Soundtrack hilft einem schnell in die Stimmung des Filmes einzutauchen, und die interessante Geschichte schafft es schließlich, dass man sich durch die 100 Minuten schneller geschaut hat als man meinen sollte. Dem Film folgten noch zwei Kinofortsetzungen, bevor ab 2014 ein ganzes Meer an Kinoproduktionen unter dem Motto „The Next Generation" zu der Reihe fertiggestellt wurden. Auch die Original Videoproduktion aus dem Jahre 1988 erhielt zwei Jahre später eine Fortsetzung.


Weitere Reviews zum Film: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen