Samstag, 3. Dezember 2016

TOCHTER DES BÖSEN (The Child 1977 Robert Voskanian)


Alice kehrt in ihre Heimat zurück, da sie dort einen Babysitterjob angenommen hat. In den heimischen Wäldern lauern mörderische Kreaturen, die mit dem zu beaufsichtigendem Kind in Kontakt zu stehen scheinen...


Rosalies Babysitter...

Unter Zombiefilm-Freunden erfreut sich „Tochter des Bösen“ keiner sonderlichen Beliebtheit, was sicherlich u.a. darauf zurückzuführen ist, dass besagter Film seine Zombieidentität erst 20 Minuten vor Schluss lüftet und erst dann das klassische Szenario präsentiert, welches man mit diesem Sub-Genre in Verbindung bringt. Gekonnt hält man hierbei die Ballance aus dem gerade modern gewordenen Zombiefilm und dem klassischen, welches die Wesen als Befehlsempfänger versteht.

Hauptsächlich wird „The Child“ (Originaltitel) jedoch deswegen nicht gemocht, weil er es einem schwer macht sich mit ihm anzufreunden, hält Regisseur Robert Vaskanian, für den der Streifen seine einzige Regiearbeit bleiben sollte, doch stets eine Distanz zum Zuschauer, der es nie schafft in das simple Treiben einzusteigen. Das soll er auch scheinbar nicht, so merkwürdig wie die Schnitte und Kameraperspektiven gesetzt sind, so konfus wie die Menschen miteinander reden und die einzelnen Szenen aufeinander abgestimmt sind. Auch überrascht der merkwürdige Sound-Mix aus stimmigem Waldrauschen, theatralischem Klaviergeklimper und einer Terrormusikuntermalung, die wohl nur die wenigsten zu schätzen wissen ohne vollkommen genervt aus dem Film entlassen zu werden.

Ich persönlich mag sie ja, diese ominösen Randerscheinungen des 70er Jahre Horror-Kinos Amerikas, welche auf groteske Art in die Terrorwelle mit eingestiegen sind. Es sind Filme, die mittels Verfremdung der Sehgewohnheiten von ihren Unzulänglichkeiten ablenken wollen und es oftmals dabei schaffen eine ganz andere Form der Unterhaltung zu bieten, weit weg vom Mainstream, bizarr präsentiert, sich unschön anfühlend und doch deswegen wieder interessant werdend. Werke wie „The Destructor“, „Der Kuss der Tarantel“ und „California Axe Massacre“ wären solche Beiträge, und wer mit denen warm geworden ist, der wird vielleicht auch mit „The Zombie Child“ (Alternativtitel) glücklich.

Zwar schafft es Voskanian nicht durch die verdrehte Perspektive und die befremdliche Art der Umsetzung ein groteskes Meisterwerk zu schaffen, wie es Lucio Fulci in seinen besten Arbeiten gelang, die verstörende Art eine simple Geschichte in ein solch schundiges Gewand zu kleiden, besitzt für Stöberer des anderen Kinos jedoch trotzdem einen gewissen Reiz, freilich nur wenn die Ansprüche nicht all zu hoch sind. Das sollten sie auch beim Kauf der DVD nicht sein, ist „The Child - Tochter des Bösen“ (Alternativtitel) in all seinen Best Entertainment-Veröffentlichungen doch visuell ziemlich übel ausgefallen, muss man doch ein verwaschenes VHS-Bild ertragen, das es einem schwer macht in die Stimmung des Streifens einzutauchen.

Die Synchronisation geht halbwegs in Ordnung, am meisten wirkt „Kill And Go Hide“ (Alternativtitel) jedoch dann, wenn dialogfrei der Originalsound ertönt, von daher wäre eine professionellere Neuauflage des Streifens eine wünschenswerte Sache. Da es allerdings kaum Menschen gibt, die mit diesem schundigen Ausnahmestück liebäugeln, dürfte das finanzielle Risiko wohl zu groß sein, um „Tochter des Bösen“ eine bessere Veröffentlichung zu bescheren. Schade, denn mir hat‘s auf wunderliche Art Spaß gemacht diesem wilden Bilderhaufen zu folgen. Und die ungewöhnlich zurecht gemachten Zombies besitzen, sofern man tatsächlich einen Blick auf sie erhaschen durfte, meiner Meinung nach auch ihren Reiz.


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