Sonntag, 5. November 2017

DIE VERRÜCKTEN NACHBARN (Neighbors 1981 John G. Avildsen)


Earl Keese führt ein routiniertes Leben, bis eines Tages neue Leute ins Haus nebenan einziehen und seinen Alltag innerhalb weniger Stunden gehörig durcheinander bringen...


Der Wendepunkt seines Lebens...

Es ist nicht so dass Dan Aykroyd eine schüchterne Person wäre, aber neben dem wilden John Belushi wirkte er doch stets viel normaler als sein Partner, der Publikumsliebling, und da weiß die Idee zu gefallen den Spieß einmal umzudrehen und Belushi den Normalo mimen zu lassen, während Aykroyd einen abgedrehten Charakter spielen darf. Die Ironie an „Die verrückten Nachbarn“ ist, dass Belushi mit dieser Verringerung um so mehr auffällt und erneut der Hingucker des Streifens wird, während Aykroyd ein wenig zu bemüht den undurchschaubaren Chaoten spielt, wenn auch nicht ohne Sympathie ausgefallen.

Das Anliegen des Films wird eigentlich schnell klar. Spießertum stößt auf alternatives Leben, Keese muss aus seinem Alltagstrott befreit werden. Die Methoden, mit denen dies geschieht haben mit der Wirklichkeit jedoch so wenig zu tun, wie die gezeigte Filmrealität, die, wie so oft, eine Art überzogene Alternative zu unserer tatsächlichen Wirklichkeit darstellt. Wer den comichaften Ausgangspunkt, den Keeses Leben bereits ohne schräge Nachbarschaft besitzt, ignoriert oder übersieht, könnte somit über die fragwürdigen Methoden klagen, mit denen der Spießer geläutert wird. Immerhin ist er die eigentliche Sympathiefigur, ihm wird übel mitgespielt, und die Nachbarn sind das wahre Übel.

Dass Keese seinen ewigen Mobbern am Ende dankbar ist, und man nicht weiß ob er ihnen mit der finalen Situation nicht wieder in die Falle geht, fragt sich nur jener Zuschauer, der zu sehr in unserer Welt zu Hause ist. „Neighbors“, als überzogener, comicartiger Mikrokosmos unserer Welt meint das was er erzählt jedoch ehrlich. Keese wird befreit und beginnt das Leben zu genießen. Auf die Personen, auf die er zuvor gesetzt hat, kann er in Zukunft bestens verzichten. Entstanden in einer abklingenden Zeit des anarchischen Kinos wirkt die Botschaft trotzdem ein wenig verzweifelt und blauäugig. Zu stark wird das Spießertum kritisiert, zu gut kommt der alternative Lebensstil weg, der sich an keinerlei Werten außer der persönlichen Freiheit zu orientieren scheint. Und so schafft es John G. Avildsens Ausnahmefilm trotz der Verlagerung in ein schräges Alternativuniversum nicht den Zuschauer wirklich zu überzeugen.

Mit heruntergeschraubten Erwartungen muss er das jedoch auch gar nicht. „Die verrückten Nachbarn“ ist eine dieser wenigen Ausnahmen, in welcher das Gesamtprodukt keine wirkliche Rolle spielt. Man genießt das Geschehen von Moment zu Moment, eben weil die Darsteller ursympathisch sind und das Drehbuch den Zuschauer ohnehin stets mit skurrilen Chosen auf Trab hält. Bei diesen wechselhaften Nachbarn weiß man tatsächlich nie was im nächsten Moment passiert, behauptet und gefühlt wird. Mag man von Keese Läuterung und der Methoden mit denen dies geschieht also auch dann nichts halten, wenn man das komplette Geschehen als Groteske versteht, so kann man doch zumindest die spielfreudig dargebotene Wechselwirkung, das permanente Durcheinanderwühlen der Wohlfühlzone eines Spießers und die Achterbahnfahrt trivialer und provokativer Nichtigkeiten genießen, welche uns der Autor des Stoffs in flotter Dauerschleife vor die Nase setzt.


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