Sonntag, 5. November 2017

VALKENVANIA - DIE WUNDERBARE WELT DES WAHNSINNS (Nothing But Trouble 1991 Dan Aykroyd)


Zwei Yuppie-Pärchen landen mit dem Auto während eines Umweges über die Landstraße in dem Hinterwäldlerkaff Valkenvania, wo sie nach Übersehen eines Stop-Schildes einem Banker-hassenden Richter vorgeführt werden und in dessen Gefangenschaft geraten. Wie übel ihre Lage tatsächlich ist, bemerken sie erst als sie einen Blick hinter die morbiden Kulissen Valkenvanias erhaschen...


Richter Pimmelnase...

Das Regiedebut Dan Aykroyds sollte auch gleich seine einzige Regiearbeit bleiben. Basierend auf der Idee eines Verwandten und dem darauf aufbauenden Drehbuch von Aykroyd höchstpersönlich konnte er zwar zwei befreundete Comedystars, Chevy Chase und John Candy, für die Besetzung gewinnen, und zudem die damals schon nicht unbekannte Demi Moore, dem Publikum schien der schrille Monsterspaß Aykroyds jedoch nicht zu schmecken, floppte das Projekt doch an den Kinokassen und ist bereits nach wenigen Jahren in Vergessenheit geraten.

Zugegeben unterliegt Aykroyd auch in „Valkenvania“, wie schon in „Ghostbusters“ und Co, der Versuchung äußerer Schauwerte auf Kosten einer gehaltvolleren Geschichte. Insbesondere die beiden degenerierten Baby-Zwillinge, von denen Aykroyd ebenfalls eins mimt, sind definitiv zu viel des Guten darin Valkenvania und den Hintergründen des Richters einen grotesken Touch zu bescheren. Doch von diesem zu extremen Ausrutscher einmal abgesehen geht die Sache, ebenso wie bei den Geisterjägern, doch noch gut, zumindest wenn man kein großes Komödienhighlight erwartet.

Interessanter Weise ist „Nothing But Trouble“ (Originaltitel) immer dann am besten, wenn die schrägen Momente pausieren, was höchst selten der Fall ist. Die Einführung in die Geschichte bildet somit den besten, wenn auch nicht gerade humorvoll übersprudelnden, Part, was viel am versprühenden Charme von Chevy Chase liegt, der stilvoll seine Rolle ausfüllt und die damals sehr attraktive Demi Moore zur Seite gestellt bekam. Die charakterlichen Eigenarten, auch jene der dicker aufgetragenen Charaktere zweier Brasilianer, trafen viel sicherer mein Humorempfinden als all die grotesken Eigenarten, die Aykroyd uns frei jeder Subtilität um die Augen und Ohren schmeißt, sobald sich die vier Personen auf dem Grundstück des Richters befinden.

Zwar lässt das Niveau und die Treffsicherheit des bis dahin stillen Humors damit schlagartig nach, wer sich jedoch umorientieren kann und in dem ganzen Nonsens nicht nach irgendeinem Sinn sucht, kann Aykroyds lautes Schreckenskabinett trotzdem etwas abgewinnen, sind es doch nicht nur die Stars die genügend Charme versprühen, auch die detailverliebten Settings, ob innen oder außen, wissen zu gefallen, und manch verspielt morbides Gimmick, eine Art Funversion der Einrichtung von Leatherfaces Elternhaus, lassen den erzählerischen Stillstand nie zu dröge wirken. Wenn dann noch John Candy als stumme, ewig albern vor sich hinkichernde Enkelin des Richters auftaucht, und damit seine vorherige Rolle als Sheriff mehr oder weniger ablöst, weiß das teilweise zu gewollte Chaos trotzdem zu belustigen.

Dass es an nötigem Gehalt für einen Mehrwert fehlt, lässt sich jedoch nie übersehen. Und ein angehangener Schlussgag vor der kompletten Zerstörung Valkenvanias erweist sich als so unnötig, wie der tatsächliche Schluss-Gag. Aber bereits das Niederbrennen des Tatortes beweist, wie verzweifelt man war das zum Selbstzweck groteske Treiben zu einem sinnvollen Ende bringen zu können. Aykroyd geht es lediglich ums Feuerwerk, um seine lauten Attraktionen, und dafür sind die zuvor so detailiert eingeführten Charaktere viel zu schade, eigentlich sogar die namhafte Besetzung, der man ebenfalls einen qualitativeren Spielplatz gewünscht hätte, um Aykroyd einen Gefallen zu tun.

Dass ich dennoch so sanft mit „Valkenvania - Die wunderbare Welt des Wahnsinns“ ins Gericht gehe, liegt sicherlich daran, dass dies nicht meine erste Sichtung war und ich somit auf die Ernüchterung nach der Einleitung vorbereitet war. Den Stillstand und das viel zu laute Spektakel skuriler Gimmicks hatte ich als weit weniger funktionierend in Erinnerung. Mit viel Wohlwollen, und nur so bin ich an diese bislang letzte Sichtung heran gegangen, kann man dem sinnlosen Spektakel aber durchaus seine sympathischen Seiten zugestehen, wenn man sich, ähnlich wie bei Aykroyds Frühwerk „Die verrückten Nachbarn“, einfach Szene für Szene auf den wilden Zirkus einlässt, ohne dabei das wackelige Gesamtbild zu beachten. Denn erst mit Blick auf dieses beginnt der ganze Nonsens zu wackeln.


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