2018/01/13

GELD HER ODER AUTSCH'N (2013 René Marik u.a.)


Die Figuren eines nicht mehr gut laufenden Kasperletheaters entführen den Star eines modernen und erfolgreichen Puppentheaters...


Die Gretel und der Eisbär...

Puppen als alternative Lebewesen in der Menschenwelt können, ebenso wie die Zeichentrickalternative, zu einem funktionierenden Vergnügen werden, wie diverse Produktionen rund um die Muppets herum beweisen. Dem Konzept seine familientaugliche Herkunft zu berauben, um der Chose einen Anarcho-Touch zu bescheren, war ein Versuch an dem sich bereits Ende der 80er Jahre Peter Jackson heranwagte. Der traf mit seinem „Meet the Feebles“ nicht zwingend meinen Humor, eben weil er einzig auf Provokomik setzte, aber immerhin mangelte es ihm nicht an Ideen und dem Charme der von ihm eingesetzten Puppen. Der wesentlich später erschienende deutsche Versuch ähnliche Wege zu beschreiten, der unter dem wenig wirksamen Titel „Geld her oder Autsch‘n“ erschien, kommt schon wesentlich einfallsloser daher.

Ich habe nicht so ganz verstanden was dieses „Maulwurfn" oder „Autsch‘n" ist, worauf dieser Film basiert. Es gab da wohl mal Fernsehauftritte der Puppen, oder gar eine komplette Serie, aber was auch immer dem Film voraus ging, der Streifen soll für sich allein stehen können, das merkt man dem Konzept an. Dieses setzt jedoch ebenfalls wie Peter Jacksons Werk lediglich auf Provo-Komik und ruht sich einzig darauf aus, dass Puppen sich kriminell verhalten. Der eine nimmt Drogen und ist ein Arschloch, andere werden zu Erpressern und sind ebenfalls Arschlöcher. Man sollte meinen, dass der Aspekt es u.a. mit klassischen Puppen eines Kasperletheaters zu tun zu haben, dem ganzen Treiben mehr Sympathie bescheren würde, aber dem ist leider nicht so. Star des Films ist der halbwegs optisch wirksame Eisbär und sein berliner Dialekt.

Wie so oft bei Anarcho-orientierten Stoffen aus der Animations- und Puppentrickwelt ist das Ergebnis zu infantil ausgefallen, um jemanden nach der Pubertät ernsthaft zu interessieren. Bemühte Versuche politische Seitenhiebe, wie den Kampf um die R.A.F., per Kurzerwähnung in die sich ansonsten wenig für gesellschaftliche Belange interessierende Story zu integrieren, scheitern und ernten lediglich ein müdes Schulterzucken. Und selbst das belustigende Spiel von Christoph Maria Herbst kann sich unter einer mittelmäßigen Regie nicht richtig entfalten, was ganz extrem in jener temporär schlecht inszenierten Szene auffällt, in welcher Herbsts Figur beim Essen einer Suppe gestört wird.

Der schlichte Einsatz simpler Puppenanimation und mancher Versuch zusätzliche optische Reize ins Geschehen zu integrieren, z.B. in einer animierten Alptraumsequenz, helfen dabei im zu müden Treiben trotzdem einen gewissen Grad Restsympathie zu entdecken, zumal allein der Versuch ein solches Projekt in der müde gewordenen deutschen Filmindustrie anzugehen einen gewissen Respekt verdient. Aber auch mit viel Wohlwollen und Augenzudrücken ist das eintönige Ergebnis maximal als müdes Routineprodukt zu bezeichnen. Da wäre es schön gewesen kreative Menschen mit an Bord zu haben, die über das nötige Humorverständnis verfügt hätten. So aber bleibt „Geld her oder Autsch‘n“ lediglich eine theoretisch nette Idee in zu braver und infantiler Umsetzung, so dass die FSK 12 gut gewählt ist.


Weitere Besprechungen zu Geld her oder Autsch'n:


Kommentare:

  1. Die Puppen sind ja alle Bühnenfiguren von Rene Marik, der damit deutschlandweit große Erfolge auf den Theaterbühnen feiert. Maulwurfn ist neben dem Eisbär sicher seine berühmteste Figur. Man muss dem Humor natürlich etwas abgewinnen, ansonsten funktioniert der Film nicht wirklich.

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  2. Danke für die Info! Aufs Bühnenprogramm kann ich dann wohl bestens verzichten, wenn dem so ist wie Du sagst. ;)

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