2018/07/30

DAS SCHRECKLICHE GEHEIMNIS DES DR. HICHCOCK (L'orribile segreto del Dr. Hichcock 1962 Riccardo Freda)


Mit einem selbst entwickelten Betäubungsmittel versetzt der angesehene Arzt Dr. Hichcock seine Frau stets in einen todesähnlichen Zustand bevor er mit ihr schläft. Eines Tages ist die Dosierung zu hoch und sie stirbt tatsächlich. In Trauer verlässt Hichcock seine Heimat und kehrt erst 12 Jahre später neu verheiratet wieder zurück. Der neuen Ehefrau des Chirurgen gefällt es nicht sonderlich in den Gemäuern des Schlosses. Unheilvolle Geschehnisse bestärken sie in der Vermutung, dass die erste Frau ihres Gatten noch lebt und ihr nach dem Leben trachtet...


Gemälde blicken auf Cynthia herab...

Für das Jahr 1962 ist es erstaunlich, dass bereits solch ein Tabuthema wie die Nekrophilie seinen Platz in einem Gruselfilm findet, und dies nicht einmal als Nebensächlichkeit, sondern als entscheidender Faktor der Geschichte. Fast schon selbstverständlich erscheint Fredas Umgang mit dieser Form der Lust, einzig die Versuchung sich an einer Leiche im Hospital zu vergreifen wird ohne Umschweife als verwerfliche Tat gekennzeichnet. Während der ersten Ehe gibt sich die Gattin extra in einem dafür hergerichteten Raum freudig der Erstarrung hin, ist also eingeweiht ins besagte Liebesspiel und scheint selber Freude an der Betäubung zu empfinden, die ihrem Gatten den sexuellen Genuss beschert, der ihn befriedigt. 

12 Jahre später hat sich Dr. Hichcock damit abgefunden diesem Trieb nicht mehr nachgehen zu können, hat erneut geheiratet und wirkt ebenso wie sein neues Eheweib verliebt. Dies ändert sich mit der Ankunft im Schloss. Der Kontakt zu einander verkühlt. Nachdem der Spuk oder der Terror einer eventuell doch noch lebenden ersten Ehefrau lediglich aus der Perspektive der zweiten Ehefrau erlebt wird, und uns suggeriert wird, dass die Ignoranz des Mannes einzig durch seine Flucht in die Arbeit hervorgerufen wird, wird mit dem Wechsel der Perspektive, in welchem auch Hichcock selbst einen Horrormoment im heimischen Schloss erlebt, ein neues Licht auf die Tatsache des erloschenen Liebeslebens gesetzt. In Hichcock kehrt die Lust der Nekrophilie zurück (deutlich gemacht durch besagte Hospitalszene), und schließlich trachtet er seiner zweiten Gattin nach dem Leben. Ab wann er eingeweiht ist, dass seine totgeglaubte Frau noch lebt, das einzige Wesen welches seinen von anderen verachteten Trieb mitlebt, wird nicht ganz klar. Aber am Ende ziehen beide an einem Strang, um den ungewollten Störenfried zu beseitigen. Und die ominöse Haushälterin, die in den Augen des Zuschauers stets offensichtlich gelogen hat, hilft ihnen freudig dabei.

Ein Geheimnis verrate ich mit dieser Auflösung eigentlich nicht, wird doch schnell klar dass "Raptus" (Alternativtitel) kein Spukfilm ist, sondern auf der Idee der zu stark betäubten und deswegen für Tod erklärten Ehefrau setzt. Um so erstaunlicher ist es, dass Freda von diesem provozierenden Plot einmal abgesehen ansonsten auf klassischen Gothik-Horror setzt, eben weil er nicht wirklich ein Geheimnis aus dem fehlenden Spukelement macht, welches er aber wie ein solches umsetzt. Da darf kein Klischee dieser Art Film fehlen. Von der Sichtung einer Verstorbenen im Schleier, über dem Licht wo keiner wohnen dürfte, bis hin zum nächtlichen Durchstreifen der Gemäuer mit Kerzenhalter fehlt keine Zutat dieser vergangenen Horrorfilm-Epoche. Selbst Barbara Steel als Kultpersonal dieser Gattung Gruselfilm ist mit an Bord. Dieses Zelebrieren der üblichen Elemente geht gar so weit, dass aus einer eigentlich innovativen und interessant klingenden Geschichte, ein typischer Beitrag seiner Nische wird, was wohl auch am steifen Spiel und der zu nüchternen Umsetzung liegt, die zwar einige hübsche bis künstlerisch wertvolle Bildaufnahmen zu bieten hat, insgesamt aber doch zu routiniert umgesetzt erscheint.

So schaut sich "The Frightening Secret of Dr. Hichcock" (Alternativtitel) erstaunlich altbacken inmitten seines modernen und schockierenden Aufhängers. Viele inhaltliche Elemente eines typischen Gothik-Horrors scheinen vielmehr dem Hinhalten einer bereits vermuteten Geschichte zu dienen, anstatt die Geschichte tatsächlich vorwärts zu bringen. Krampfhaft wird ein Love Interest ins Spiel gebracht, damit die hilflose zweite Ehegattin im Finale gerettet werden kann. Einfallslos erscheinen die Schreckmomente, mit der die arme Frau terrorisiert wird (Totenschädel im Bett), das einfallslose Klischee des brennenden Schlosses zur schnellen Schließung der Geschichte schließt sich diesem Mangel an Kreativität zum Ende hin an, so dass der Schluss plötzlicher gesetzt wird, als einem lieb ist. Zumindest wird vom Zuschauer erwartet selbst zu verstehen. Nicht alles Gesehene wird erklärt. Manch einer, der schwer von Begriff ist, wird vieles als Deutungssache betrachten, dabei macht Freda keinen Hehl aus fast jeglichem Winkel der Geschichte.


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