12.03.2020

ZOMBI RITUAL (2020)

Als Ronny eine VHS-Kassette zugeschickt bekommt, auf welcher seine Schwester blutüberströmt um Hilfe bittet, eilt er mit seinen Kumpels sogleich in einen abgelegenen Ort in Franken, wo er sie vermutet. Die Gegend wird von Zombies heimgesucht, und so langsam findet die kleine Gruppe Retter heraus warum dem so ist...

Ruhe in Fetzen...

Amateurfilmer Alexander Franz hat mit dem 51-Minüter "Zombi-Ritual" nach einigen Kurzfilmen seinen ersten längeren Streifen fertiggestellt. Seine vorherigen Arbeiten kenne ich nicht, ich kann also nicht beurteilen wie weit er sich in seinem Schaffen weiterentwickelt hat, nach Sichten lässt sich jedoch urteilen, dass der Streifen in vielen Punkten ein ziemlich typischer deutscher Amateurfilm geworden ist. Hauptaugenmerk sind die Gore-Effekte, die ihre selbstgebastelte Herkunft nie verstecken können, für einen in der Freizeit selbstgedrehten Streifen unter Kumpels meist aber durchaus in Ordnung gehen. Dass der Film sich trotz der inflationär eingebrachten Blutszenen nicht so übel schaut, wie die frühen Arbeiten von Schnaas oder so ziemlich jede von Ittenbach, liegt mitunter daran, dass man einen gewissen Grad Komik mit ins Geschehen wehen lässt, was seit je her eine Rezeptur ist, die ich Amateurfilmern rate. Mit solchen Momenten schaut sich ein Hobby-Film nicht zu lächerlich, manch ernst gemeinte Passage kann sich dahinter verstecken, wenn man einmal, gerade in den notdürftig ausgefallenen Dialogszenen, nicht weiß ob das Dargebotene gerade lustig oder ernst gemeint ist, und es lockert zudem Werke dieser Art auf.

Zudem ist es schön zu sehen, dass man Fulcis Zombiefilmen und Werken wie "Die Rückkehr der Zombies", aber selbst "Tanz der Teufel", Tribut zollt (man denke nur an das klägliche Scheitern diesbezüglich in "La isla"), und ein Minimum an Geschichte verhindert, dass das sinnlose Treiben als solches ärgerlich auffällt. So wie umgesetzt entspricht es in etwa dem, was man von einem Amateur-Horror erwartet, eine Gattung Film die immer Naivität und Unvermögen mit im Gepäck hat. Für einen selbst gemachten Hobbyfilm geht das hier präsentierte aber alles in Ordnung. Die Darsteller spielen zwar nicht gut, klingen aber nicht so als ob sie ihren Text frei von Betonung ablesen würden. Der Soundtrack fällt angenehm aus und übertönt technisch auch nicht das Gesprochene der Darsteller. Der Schnitt verzichtet auf lähmende Langaufnahmen, kann aber nicht immer verhindern, dass in Schnitte aufgeteilte Dialoge nicht so flüssig herüber kommen, wie Dialoge die innerhalb einer Sequenz gesprochen werden. Kleine Einfälle, wie das Einfügen eines lauten Soundeffekts bei einem zufällig durchs Bild fliegenden Insekt, oder das humorvolle Einfangen einer absichtlich (?) schlecht getricksten Szene, in welcher jemand einen Zombie zerhackt, bescheren dem Streifen Zusatzsympathien.

Zudem ist Alexander Franz darin bemüht mehr als einen eindimensionalen Plot darzubieten. So arbeitet er gelegentlich im Found Footage-Stil, nutzt Rückblicke zum Erzählen von Hintergründen, teilweise mit Nutzen von Zusatzmedien, und achtet darauf möglichst verschiedene Personen und Örtlichkeiten für die nötige Abwechslung und für mehr Reichhaltigkeit in der Story zu integrieren. Letztendlich ist ihm das für meinen Geschmack aber nicht zu genüge geglückt. Ich sympathisiere mit seinem Film, insgesamt fiel die Geschichte aufgrund ständiger Goreszenen im Fokus aber dann doch etwas zu monoton aus, sodass der Streifen als Kurzfilm vielleicht doch kurzweiliger ausgefallen wäre, als das sich zu gestreckt anfühlende Endprodukt. Für einen Film dieser Länge wären einfallsreichere Dialoge und ein etwas ausgefeilteres Szenario wünschenswert gewesen. Die Spiel- und Inszenierungsfreude macht einiges wieder wett, ebenso das ironische Aufbrechen des Gezeigten, ohne den Horrorpart deswegen weniger gehaltvoll oder würdelos erscheinen zu lassen. Letztendlich gefiel mir "Zombi Ritual" (welch sympathischer Titel mit Blick auf Fulci) in seiner ersten, lockerer erzählten, Hälfte aber um einiges besser, als in seiner um Ernsthaftigkeit und Vielschichtigkeit bemühten zweiten. So oder so bin ich gespannt auf zukünftige Projekte dieser Truppe Hobbyfilmer, denn das nötige Potential auf Amateurfilm-Basis weitere charmante Genrebeiträge abzuliefern ist definitiv vorhanden, das zeigt der verspielte Umgang mit einer Filmgattung, die oft zu streng, ernst und eindimensional umgesetzt wird.  OFDb

PS: Die Vor- und Rückseitengestaltung der bei Postmortem Productions zu erstehenden DVD hat mir anbei richtig gut gefallen. Sie sieht professionell umgesetzt aus und bietet jenen Retrocharme auf europäische 80er Jahre Zombiefilme, der auch gelegentlich durch "Zombi Ritual" weht.

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