Samstag, 5. Mai 2012

NIXON (1995 Oliver Stone)


In bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, beschreitet Nixon mit allerlei Hindernissen eine Politkarriere bis hin zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Er sollte der erste Präsident werden, der von diesem Amt zurück treten muss...


Ein Buhmann mit Format...

Oliver Stone widmete sich im Laufe seiner Karriere als Regisseur in zwei Filmen den zwei unbeliebtesten Präsidenten der USA. Während sein Werk über George Bush, Jr. mit dem kurzen Titel „W.“ eher leichtfüßig daher kommt und den Bereich der Satire streift, ist sein Werk über Richard Nixon, welches den Nachnamen der zu behandelnden Person trägt, sehr dramatisch, schwermütig und teilweise recht düster angelegt. Das trifft inszenatorisch beides den Kern der Psychologie seiner Hauptfiguren und führt in beiden Fällen zu einem interessanten Ergebnis. Zeigte uns Stone mit „W.“ später einen Film der Verständnis für Bushs Taten wecken kann ohne den Präsidenten dabei in Schutz zu nehmen, so wird in „Nixon“ Stones Zwiespalt zwischen Anklage und Anerkennung deutlich.

Für Stone schien Nixon nicht schlichtweg der böse Mann zu sein zu den ihm die Medien zu seiner Zeit und hinterher gemacht haben. Das darf schon ein wenig verwundern, kann man es doch als Provokation ansehen, dass gerade einmal vier Jahre nach „Das Schweigen der Lämmer“ ausgerechnet Anthony Hopkins für die Rolle des Richard Nixon besetzt wurde, ein Mann der mit seiner Darbietung als Hannibal Lector immer wieder in Verbindung gebracht wird und einen Filmbösewicht kreierte der unheimlich und in gewisser Weise sympathisch zugleich war. Es würde den Ruf Stones nicht entsprechen, aber mit Hopkins in der Hauptrolle hatte ich eher mit Schwarzmalerei gerechnet als mit einer objektiven Berichterstattung.

Von objektiv kann man sicherlich nur bedingt sprechen, ist doch vieles im Werk spekulativ, allein schon weil es sich viel mit den inneren Dämonen Nixons beschäftigt, und wie der mit diesen umgegangen ist lässt sich kaum nachweisen. Oliver Stone macht jedoch kein Geheimnis daraus, beginnt den Film mit einer Texteinblendung die darauf verweist, dass der Film eine Interpretation dessen ist was passiert ist. Fakten und Vermutungen vereinen sich, lassen sich jedoch, so denke ich zumindest, recht gut auseinander halten, trennen sich beide Bereiche versimpelt ausgedrückt doch meist mit der Aufteilung Privatmensch und Politiker.

Stone neigt oft dazu ein wenig zu dick aufzutragen. Symboliken wie ein besonders blutiges Steak während einer Diskussion über Vietnam, oder Ab- und Überblendungen während ein wütendes Gesicht im Bild zu sehen ist, das verletzt gerne mal den Ruf einer anspruchsvollen Biographie und zeigt, dass man in Amerika im Unterhaltungskino zu Hause ist, selbst wenn man es nicht sein möchte.

Inhaltlich zeigt der Film aber um so mehr, dass es Stone ernst ist möglichst faktengetreu zu berichten und nicht in Einseitigkeit zu verfallen. Nixon werden seine großen Taten wie das Verhindern eines Bürgerkrieges, die Öffnung nach China hin, das Beenden des Vietnamkrieges und seine Versöhnungsarbeiten mit der Sowjetunion anerkannt, und dies nie ohne die Zwiespältigkeit zu vergessen die Nixons Aktionen umwehten besagte Ziele zu erreichen. Ebenso wenig wird jedoch auch nicht vergessen in welch schwieriger Lage sich der Präsident oft befand in einer Zeit eines selbstgerechten gesellschaftlichen Wandels, der mitunter wegen der damals so schwierigen Zeit aufkam.

In gewisser Weise kann man dies gerecht nennen, war Nixon selbst doch ebenso selbstgerecht, und dass er nicht verstanden wurde, hat er laut Stone stets als Bestätigung seiner Selbstgerechtigkeit gesehen, ein Prozess der sich hochgeschaukelt hat bis zu dem Zeitpunkt an dem ein Mann mit ehrbaren Motiven immer ungesetzlicher gehandelt hat. Dass es Nixon selbst so nie gesehen hat, offenbarte er allerspätestens Jahre nach seiner Karriere in dem berühmten Interview mit Frost, welches im hier besprochenen Film nicht thematisiert wird, aber von Regisseur Ron Howard in „Frost/Nixon“ zum eigenen Thema wurde.

„Nixon“ ist recht komplex erzählt, und damit wesentlich schwierigere Kost als „W.“. Das beginnt mit seiner Laufzeit von 180 Minuten und zeigt sich des weiteren in seinem wilden Zeiten-Cocktail. Ebenso wie sein Werk über Bush Junior ist Stones Werk über Richard Nixon nicht chronologisch erzählt. Vergangenheit, die Endphase der Regierung und das Mittendrin dieser und der politische Aufstieg werden immer wieder durcheinander gewirbelt. Und da wir es zudem mit einer großen Menge an wichtigen Figuren zu tun haben, wird es für Nichtkenner der Materie schon ein wenig schwierig folgen zu können.

Dem Unterhaltungswert macht das keinen Abbruch. „Nixon“ ist spannend erzählt und konzentriert sich meiner Meinung nach auf den ultimativen Leckerbissen seiner Geschichte: der Zerrissenheit von Nixons Charakter, dem größten Drama welches diese Thematik zulässt. Was wäre der Film für ein zu theoretisches Werk geworden, wenn man sich der äußeren Dramatik wie dem Watergate-Skandal und der Unbeliebtheit bei der amerikanischen Hippie-Jugend zugewandt hätte, ohne dabei die missverstandene Seite Nixons zu thematisieren, die ihn in etwas verwandelt hat, was er zu jungen Zeiten sicherlich nie werden wollte?

Trotz zu dickem Auftragen und zu extremen Baden in düsteren Bildern wird „Nixon“ nicht zu einer Politversion von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. Das hätte durchaus passieren können. Immer wenn das Werk droht in diese zu primitive Richtung hinzusteuern, schafft es Stone das Steuer herumzureißen und wieder auf faktischem Kurs zu fahren. Aber das ist eben das Risiko wenn man einen Film über jemanden erzählt, der im öffentlichen Leben stand, dies aber über einen Blickwinkel erzählt der nur spekulativ aufgegriffen werden kann. Stones Werk ist mit diesem Vorhaben um so mutiger zu nennen, das macht es aber nicht immun gegen berechtigte Kritik zu viel in die Materie hinein zu dichten. Meiner Meinung nach ist Stone jedoch ein recht interessanter Film geglückt, den man sich ruhig einmal zu Gemüte führen kann.


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