Montag, 11. Juni 2012

WEN DIE GEISTER LIEBEN (Ghost Town 2008 David Koepp)


Da er während einer Vollnarkose für einige Minuten tot war, sieht der Zahnarzt Bertram Pincus von nun an tote Menschen. Die sind völlig außer sich, dass sie jemand sehen kann und hoffen auf Hilfe. Zu dumm dass Pincus ein Egomane ist...


Die Geister, die keiner rief...

Die Geschichte eines Mannes, der nach seinem klinischen Tod Geister sieht, lockt im Komödiengewand heute sicherlich nur bedingt, gibt es doch seit der 80er Jahre immer wieder Fantasy-Komödien die mit vergleichbaren Ideen arbeiten. Die Besetzung mit dem Briten Ricky Gervais machte mich jedoch neugierig, spielte dieser doch sehr talentiert in seiner pointenreichen wie genial selbstgeschriebenen TV-Serie „The Office“, die zu dem besten gehört was Fernsehen je hervor gebracht hat. Es ist nur leider so, dass Gervais nicht am Buch von „Wen die Geister lieben“ beteiligt war. Man sieht dem Film zwar den starken Einfluss Gervais‘ auf seine Rolle an, aber mehr ist da von seiner Seite aus nicht zu holen.

Stattdessen bastelte Regisseur David Koepp munter am Drehbuch herum, ein Mann den es eher in den ernsten Horrorbereich zieht. So drehte er u.a. den recht erfolgreichen „Echoes“ und die Stephen King-Verfilmung „Das geheime Fenster“ mit Johnny Depp. Einige recht interessante und komödientaugliche Ideen hat er mit im Gepäck, Ideen welche die Grundlage des Streifens bilden. So ist es, in etwa Vergleichbar mit den neu aufgedeckten Wahrheiten der Unsichtbarkeit in „Jagd auf einen Unsichtbaren“, wesentlich lästiger und folgenschwerer Geister in einer Großstadt zu sehen, als der Laie vermuten würde.

Nicht unterscheiden zu können wer lebt und wer tot ist bei einer solch großen Anzahl Verstorbener, macht es besonders schwierig nicht für geisteskrank gehalten zu werden. Da die Geister sich aus gutem Grund auf der Erde aufhalten, sind sie sehr lästig, nun wo sie wissen, dass sie jemand sehen kann. Zum Ende hin erfahren wir sogar, dass der Grund warum Verstorbene auf der Erde wandeln, ein anderer ist als vermutet, womit die Hauptgeschichte ebenfalls umgeworfen wird, in welcher der menschenscheue Zahnarzt sich in jene Frau verliebt, der er als Gefallen für einen Geist ihren neuen Liebhaber ausreden soll.

Hier erweist es sich als besonders knifflige Idee Bertram als menschenscheues Ekel zu charakterisieren, da im Gegensatz zu vergleichbaren Geschichten der Held eben nicht zur gelungenen Alternativlösung in Sachen Partnerwahl wird, sondern, ganz im Gegenteil, er nur der nächste Arsch wäre auf den die Frau des Verstorbenen hereinfallen würde.

Anlehnungen an die berühmte Weihnachtsgeschichte von Dickens sind sicherlich gewollt, auch wenn der Film sich sehr anders gibt. Immerhin steht auch hier der Wandel vom Ekel zum guten Charakter mit Hilfe von Geistern an. Den entscheidendsten Schritt zum besseren Menschen erfährt der Zahnarzt jedoch erst über einen Kollegen, der ihm eine entscheidende Frage stellt.

Inmitten all dieser Vielfalt an Ideen und getragen über den toll agierenden Gervais passiert es jedoch all zu oft, dass „Wen die Geister lieben“ in zu gewöhnliche Momente herabrutscht. Die Eckpfeiler der Geschichte sind gut, der Schluss auf den man hinarbeitet ebenso, aber inmitten dieser großartigen Elemente fehlt es häufig an Witz, kommt die Dramatik zu kurz, wirken die Aussagen zu verkrampft und moralisch und will die Romantik nie anstecken. So können die Stärken des Streifens zwar ein Herabrutschen in eine unterhaltungstechnische Enttäuschung verhindern, sie können den Film auf der anderen Seite jedoch mit so viel Ballast nicht zu einem großen cineastischen Erlebnis werden lassen. Dabei wären die Möglichkeiten durchaus vorhanden gewesen. Ach hätte man doch Gervais Hand ans Drehbuch legen lassen...!


Nachtrag:
Einige Jahre und Sichtungen später muss ich den letzten Absatz revidieren, ist "Wen die Geister lieben" trotz einiger all zu bekannter Abläufe aus früheren Filmen dieser Art doch keineswegs ein Stück Routine mit großen Momenten versehen, sondern ein sensibler Film, der stets den richtigen Ton trifft. Das Drehbuch erweist sich als pfiffig und gekonnt, wie es in Kombination mit einer guten Regie stets Ruhe ausstrahlt, während die Geschichte eigentlich mit einem ordentlichen Tempo voranschreitet, so viel wie es in geradezu klassischer Spielfilm-Laufzeit zu erzählen gibt. Sicherlich steht und fällt vieles mit Hauptdarsteller Gervais, aber er ist bei weitem nicht der einzige Pluspunkt dieses wundervollen Streifens.


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