Montag, 23. Juli 2012

DER WEISSE HAI IN VENEDIG (Shark In Venice 2008 Danny Lerner)


Der Lehrer David reist mit seiner Lebensgefährtin nach Venedig, da dort sein Vater auf der Suche nach einem legendären Schatz der Kreuzritter ums Leben kam. Seine Helfer kamen offiziell durch Schiffsschrauben ums Leben, aber David erkennt woran sie wirklich gestorben sind: an Hai-Attacken. Er beginnt eigene Nachforschungen, stößt ebenfalls auf Haie in Venedig und auf den Schatz, auf den es auch die Mafia abgesehen hat...


Shark-City...

Wo heutzutage die Firma The Asylum der König des billig zusammengeschusterten Monsterfilms und Tier-Horrors ist, da war es zunächst die Firma Nu Image, die ständig neue meist unfreiwillig komische Beiträge drehte nachdem der Actionmarkt für C-Filme halbwegs uninteressant wurde. Mit „John Rambo“ stiegen sie eine Produktions-Liga höher auf und waren auf dem Tierhorror-Markt kaum noch zu sehen. Doch im selben Jahr besagtem Stallone-Streifens sollten sie noch einmal im alten Bereich auf sich aufmerksam machen und veröffentlichten „Der weiße Hai in Venedig“, dessen Titel allein schon ein Muss Schundfilm-begeisteter Horror-Fans darstellte.

Schon zu dieser Zeit begann man immer schrägere Tierarten für C-Filme zu verwerten, und man verwendete auch eigene Schöpfungen wie den „Dinocroc“. Da tut es gut, wenn inmitten dieser Versuche ein Werk sich einmal auf andere Art reißerisch gibt, und den klassischen Hai ins Rennen schickt, einen der Urväter des modernen Tier-Horrors. Selbst sein ausgestorbener Verwandter, der Megalodon, wurde schon wiederholt für solche Filme wiederbelebt, also warum nicht einfach zurück zum Alten und stattdessen mit der wässerigsten Stadt der Welt, Venedig trumpfen?

Als prominente Besetzung ist B-Film-Star Stephen Baldwin mit am Start, der seit der 90er Jahre in „Einsam, zweisam, dreisam“ scheinbar nie wieder in etwas anspruchsvolleren Werken mitmischte, was auch zu seinem Talent passt, da er dort auch von allen Darstellern am unbegabtesten wirkte. Nun ist er für einen Film, wie dem hier besprochenen, auch genau richtig gewählt, weiß auf seine unglaubwürdige Art inmitten dämlichstem Inhaltes zu gefallen und fällt mit seiner ungewohnten Mimik auf, in der man immer glaubt ein Lächeln zu erkennen.

Der Plot ist unsinnig, Logiklücken sind schnell vorhanden, und doch ist „Der weiße Hai in Venedig“ mehr als ein rein unfreiwillig komischer „New Alcatraz“ und Co. Einen gewissen Unterhaltungswert jenseits besagter unfreiwilliger omik weißt der Streifen von Danny Lerner tatsächlich auf, was weniger mit seiner Erfahrung aus „Shark Zone“ und „Raging Sharks“ im Hai-Bereich zu tun haben dürfte, als viel mehr mit dem alten Kniff, den sich bereits „Piranhas 2“ und „Mörderhaie greifen an“ bedient hat, das Hauptaugenmerk auf eine abenteuerliche Schatzsuche zu lenken anstatt auf die Tiere, wodurch die im Titel genannten Gegner ein wenig zur Nebensache verkommen.

Dementsprechend dürfte so mancher Zuschauer enttäuscht sein, wenn er mit dem großen Hai-Gemetzel in ganz Venedig gerechnet hat. Die Tiere schlagen nur in ganz bestimmten Kanälen zu, und warum dem so ist wird vom Drehbuch sogar erklärt. Die gefräßigen Fische stehen der Geschichte um einen gesuchten Schatz damit wesentlich näher als es zunächst den Eindruck macht, und für den fertigen Streifen ist dies auch die richtige Wahl, erzählt diese damit doch einen durchschnittlichen Abenteuerfilm in ungewöhnlicher Kulisse, mit bösen menschlichen wie tierischen Feinden. Das macht bis zu einem gewissen Grad hin sogar Laune.

Freilich bleibt der Film so innovationsfrei wie es sich der Kenner billiger Tier-Horrorfilme bereits gedacht hat. Und ein routiniertes Ergebnis ist in den Augen eines solchen Fans in der Regel das unangenehmere Ergebnis, wenn man auf ein schlechtes Werk hoffte, welches mit unfreiwilliger Komik begeistern sollte. Wer sich von diesem Gedanken verabschieden kann und auch der Billigware nicht abgeneigt ist, kann mit „Der weiße Hai in Venedig“ aber durchaus passabel unterhalten werden.

Dass man in Sachen Tieranimation nichts zu erwarten hat, dürfte jedoch vorher schon klar sein. Genutzt wurden echte Tieraufnahmen, die langweiligste Variante von allen. Und während jeder Attacke blubbert das Wasser, färbt es sich rot, wackelt die Kamera zum Schnittgewitter. Was so manchen Tierhorror wie „Shark Swarm“ damit kaputt machte, weiß ein Werk mit Abenteuergeschichten-Grundlage nur bedingt zu schädigen.

„Der weiße Hai in Venedig“ ist billiger Durchschnitt und damit besser ausgefallen als vermutet. Bis zu einem gewissen Grad macht der innovationsfreie Streifen durchaus Spaß. Aber auch wenn er sich gerade damit gerettet hat eine Schatzsuche ins Zentrum der Geschehnisse zu setzen, so würde ich mich dennoch irgendwann einmal über einen Hai-Horror freuen, der in der Wasserstadt Venedig tatsächlich einmal die Fetzen fliegen lassen würde, anstatt dies im Titel nur anzudeuten. Vielleicht kommt The Asylum irgendwann auf diese Idee, wenn sie erst einmal ihre Streifen um Nazis im Zentrum der Erde und über zweiköpfigen Haie veröffentlicht haben.


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