Donnerstag, 9. August 2012

DER PREIS DER MACHT (True Colors 1991 Herbert Ross)


Die Studenten Peter und Tim sind beste Freunde. Sylvester 1980 schließen sie mit Tims Freundin zusammen eine Wette darüber ab, dass Peter in 10 Jahren Senator werden wird. In den folgenden Jahren folgt Peter diesem Ziel ohne moralische Skrupel auf eine Art, in welcher der gesetzestreue Tim vor die Frage gestellt wird, ob dies alles noch die Freundschaft wert ist...


Den Bösen zieht‘s in die Politik...

Wie so oft in einem amerikanischen Drama muss man sich von der Wirklichkeit distanzieren, um komplett in der Geschichte aufgehen zu können. So badet sie zum einen im Klischee des korrupten Politikers und zum anderen im Ideal des gesetzestreuen Staatsanwalts. Dass beides in Amerika Alltag ist, ist sicherlich richtig, „Der Preis der Macht“ kennt jedoch keine Graustufen und trennt knallhart nach Gut und Böse. Mag sein dass auch dies nicht verkehrt ist, entstand der Film schließlich an einem Scheidepunkt Amerikas, der, wie wir heute wissen, vorerst mit einem korrupten Wirtschaftssystem endete. Die Frage nach den Grundlagen der Moral war hochaktuell. Und doch stößt mir diese brutale Trennung des Filmes sauer auf. Ich kann nichts dagegen unternehmen.

Durch diese recht unsensible Trennung geht es auch leider nicht um Tims Innenleben, nach der Frage sich zwischen Freundschaft und Moral entscheiden zu müssen, viel mehr ist der Gute der Geschichte lange Zeit viel zu naiv und nachgiebig gewesen, was so weit geht dass er im Finale nur noch vor der Entscheidung steht sich gegen jemanden zu wehren, der ihn jahrelang um jeden Preis ausgenutzt hat. Damit wird der Film zu einer moralischen Rachestory, die sich jedoch viel mehr auf Peter konzentriert, dem wir voyeuristisch genüsslich beim böse sein zusehen dürfen.

Es klingt alles so negativ, irgendwo ist es dies sicherlich auch, aber ich gehöre zu den bekennenden Voyeuren dieses Streifens. Ich fand ihn hoch unterhaltsam und genoss jeden Moment dabei zuzusehen, wie der sonstige Saubermann John Cusack hier in relativ frühen Jahren das Ekel spielen durfte. Schön ist es auch Schurkengesicht Spader dabei zuzusehen den Gesetzestreuen zu mimen. Wären beide Standart-Rollen nicht erst später entstanden, man könnte meinen die Schauspieler wurden absichtlich gegen den Strich besetzt. Dem ist aber nicht so.

Klisches hin oder her, „Der Preis der Macht“ ist interessant erzählt, gerade in der ersten Phase, in welcher man sich selbst die Frage stellen muss bis zu welchem Schritt man über eine Gesetzesübertretung hinwegschauen kann und ab wann nicht mehr. Dabei ergeht es dem passiven Tim ebenso wie dem aktiven Peter. Immer gibt es noch ein Schrittchen und noch ein Schrittchen, bis man sich in einer Position wiederfindet, in der man entweder nicht mehr in den Spiegel gucken kann, oder sich eine Welt vorlügt in der es nun einmal nicht anders geht.

„Der Preis der Macht“ trägt sicherlich dick auf, gerade in der Charakterzeichnung, aber immerhin schließt er nicht reißerisch, sondern eher schlicht, was ich persönlich zu begrüßen weiß. Trotz seiner Fehler wird der Film nicht einzig durch seine talentierten Darsteller gehalten. Dem Drehbuch sei Dank haben wir eine interessante Geschichte mit konstantem Spannungsbogen und kitschfreier Dramatik, und Regisseur Herbert Ross  inszenierte das Ganze souverän. Mit „My Blue Heaven“ hatte er kurz vorher einen Steve Martin-Flop gedreht. Das Thema des hier besprochenen Werks inszenierte er schon einmal auf den Kopf gestellt in der Michael J. Fox-Komödie „Das Geheimnis meines Erfolges“, bei welchem die Schlipsträger ähnlich positiv wegkamen wie im hier besprochenen Film.

Vielleicht funktioniert der Streifen deshalb so gut, weil die Frage nach Schuld und Unschuld nicht nur in der Amerika-Dekade spielt, in welcher dies die Kernfrage des Landes war, sondern auch weil die Erzählung auf die Protagonisten gesehen zu einer unschuldigen Zeit beginnt. Diesen Ruf besitzt die Studentenzeit nun einmal, obwohl wir es mit bereits jungen Erwachsenen und nicht mehr mit Jugendlichen zu tun haben. Wir vergessen nur all zu gerne, dass man auch in dieser Zeit bereits gesetzlich für seine Taten verantwortlich ist und der Grundcharakter einer Person längst davor steht den Prozess der Reife zu erlangen. Auf der Gegenseite könnte man urteilen, der Film male eben deshalb schwarz mit der Aussage „einmal Schurke immer Schurke“. Widersprechen kann ich da eigentlich nicht, bestätigt die Schluss-Szene eine solche Vermutung doch sogar.


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