Donnerstag, 16. August 2012

DIE KATZE VON KENSINGTON (1996 Peter Keglevic)


In London geht ein Killer um, der bei seinen Opfern, die alle kriminellen Hintergrund besitzen, eine Joker-Karte hinterlässt. Chef-Inspektor Higgins macht sich auf die Suche nach dem Täter. Der mit Maschinen auf Kriegsfuß stehende Higgins bekommt zeitgleich einen neuen Partner an die Seite gesetzt: die junge, computerinteressierte Barbara Lane...


Ein Joker und kein Batman...

Jahrzehnte nachdem der letzte Film der klassischen deutschen Wallace-Reihe im Kino lief, da wurden die 60er Jahre Krimis des in den 30er Jahren verstorbenen Schriftstellers plötzlich wieder beliebt und damit für eine breitere Gruppe Kult. Kein Kult der sich nicht vermarkten lässt, dachten sich die Leute bei RTL, und so versuchte man sich bei diesem großen TV-Sender ebenfalls an Verfilmungen aus der Feder des legendären Autoren, wenn auch nur ganz leicht angelehnt an dessen Werken.

Als Urgestein der alten Reihe holte man sich Eddi Arent an Bord, als Mitproduzent bekam man den ehemaligen Geldgeber Horst Wendtland überredet, und manch deutsche Prominenz wie Ralf Richter und Martin Semmelrogge bekam man für kleinere Gastrollen engagiert. Regie übernahm der Österreicher Peter Keglevic, der bereits bei Krimi-Reihen wie „Tatort“, „Doppelter Einsatz“ und „Kommissar Beck“ als Regisseur tätig war und später den etwas berühmteren „Tanz mit dem Teufel“ ablieferte.

Man darf schon etwas misstrauisch werden, wenn lustig gemeinte Sprüche partout nicht ziehen wollen, Eddi Arent in einer dämlichen und völlig unwitzigen Nebenrolle völlig verheizt wird und Lane, immerhin eine der Hauptermittler, so spielt, dass sie als Figur eigentlich gar nicht weiter auffällt. Im Gegensatz zu ihr weiß immerhin Joachim Kemmer als Higgins zu wirken, aber auch der braucht seine Zeit bis man mit ihm warm geworden ist, ist er doch der längst überholte „alter Vater“-Kommissaren-Typ, der einem nie komplett sympathisch wird, vielleicht auch weil er versucht wird als etwas schrullig dargestellt zu werden, stattdessen aber eher etwas trottelig wirkt, was im Widerspruch zu seinem Restcharakter steht.

Kemmers Schuld? Nein, auch hier scheitert wieder das Drehbuch, denn die charakterlichen Ausrutscher sind situativ und nicht im eigentlichen Spiel Kemmers zu bemerken. Auch wenn der gute Mann an sich nichts falsch macht, so ist Gunter Berger zwei Jahre später doch die bessere Besetzung in dieser Rolle. Zwar wirkt Kemmer viel eher wie ein Fuchsberger, was eigentlich ein Pluspunkt sein müsste, aber seine Darstellung weiß einfach nicht in die 90er Jahre zu passen, wohingegen Berger später den Spagat schaffte ein Mix aus Moderne und altem Higgins zu kreieren.

Als Sir John angelte man sich Leslie Phillips, der seine Rolle auch gut im Griff hat, auch wenn bei ihm weniger mehr gewesen wäre, ist der sonst eher schusselige Chef des New Scotland Yart doch zum Volltrottel mutiert, was aber immerhin lustige Szenen mit sich zieht. Auch hier liegt das Manko eher am Drehbuch als an Phillips selbst, der es immerhin schafft doch noch die nötige Sympathie beim Publikum zu erzielen.

Der Kriminalfall selbst ist vom Drehbuch jedoch recht nett eingefangen. Trivial muss er sein, das darf man ihm nicht zum Vorwurf machen, und der Stil der Erzählung ist etwas näher an den alten 60er Jahre Wallace-Filmen als die zwei Jahre später entstandenen RTL-Filmchen mit Gunter Berger, die vom Handlungsablauf und stilistisch eine Spur schlichter umgesetzt wurden. Gleich vorweg: lustiger Weise sind sie (dadurch?) die interessanteren Filme geworden, aber den Reiz den „Die Katze von Kensington“ versprüht können sie trotzdem nicht einfangen. Interessant wie man immer wieder die Handschrift von Wallace erkennt, obwohl dessen Vorlage kaum etwas mit dem hier Gesehenen zu tun hat.

„Die Katze von Kensington“, das klingt schon so klassisch, kein Wunder, ist es doch der tatsächliche Titel eines Wallace-Romans. Und so wie der Klang des Namens darf man sich auch die Restinszenierung vorstellen: klassisches Wallace-Feeling, freilich projiziert in die 90er Jahre und auf TV-Niveau zurechtgestutzt, jedoch nicht völlig amateurhaft gespielt wie die späteren RTL-Filme, was den Sender wohl veranlasste diese Jahre lang im Giftschrank schmoren zu lassen, ehe sie erstmals gezeigt wurden. Der hier besprochene Film und seine zwei Nachfolger sind dort nicht gelandet.

Der Kriminalfall selbst weiß auf banale Art mit recht stimmiger Umsetzung zu überzeugen. Wie erwähnt gibt es Punkteabzug für schlechte Sprüche und eine untalentiert dargestellte Miss Lane. Und auch Ralf Richter gibt sich keine Mühe, dessen Rolle ist aber ohnehin schnell tot, also ist das auch egal. Ansonsten machte der Streifen mit wenig Erwartung genug Laune, erreicht freilich nie das Unterhaltungsniveau der Rialto-Kinoreihe, aber das wird wohl auch kaum wer erwartet haben.

Es ist etwas schade, dass der Titel Blende ist. Der Täter ist der sogenannte Joker, und der streichelt gerne sein Kätzchen, ein Verweis auf einen berühmten James Bond-Schurken, was bereits in der Zeichentrickserie „Inspektor Gadget“ und später auch bei „Austin Powers“ parodiert wurde. Den kompletten Film nach diesem Vieh zu benennen ist schon ein wenig enttäuschend, andererseits: wieso sollte man sich daran aufhängen, wenn man den Film bespricht?

Während die Außenkulissen soweit zu überzeugen wissen gibt es manche Räumlichkeiten, die im Zimmerübergang nicht glaubwürdig sind. Ganz übel hat es das Büro von Sir John erwicht, dem man sofort ansieht, dass es sich nicht im selben Gebäude wie das Vorzimmer befindet. Aber auch die Katakomben eines zwielichtigen Wirtshauses wissen nicht wirklich zur Kneipe zu passen. Das ist mir in dieser Extreme bei anderen TV-Produkten nie so sehr aufgefallen wie in diesem Wallace-Film.

Hier sollte keine Kunst geschaffen werden, aber manche im Review erwähnten Ärgernisse wären auch auf RTL-Niveau zu beheben gewesen. Dennoch macht „Die Katze von Kensington“ genug Laune und beschert uns immerhin einen brauchbaren Piloten, der einem samt Anhang immerhin noch einmal (die Berger-Filme mitgerechnet) acht späte Wallace-Filme bescherte, eine Freude für jeden anspruchslosen Fan, der die Original-Reihe schon längst durch hatte. Zwar sind die zwei Kemmer-Nachfolger „Der Blinde“ und „Karussell des Todes“ nur leicht über 45 Minuten lang, sie schauen sich aber trotzdem wesentlich anstrengender, sind sie doch die beiden missglückten Beiträge in einer ansonsten unterhaltsamen Reihe.

Die „Katze von Kensington“ ist ein TV-Produkt mit Schönheitsfehlern, aber immerhin ein netter Versuch das Flair der alten Wallace-Filme wieder einzufangen. Dass das Ergebnis recht billig wirkt ist klar, immerhin waren schon die Vorbilder triviale, möglichst kostengünstige Krimi-Unterhaltung, und die waren im Gegensatz zu dieser RTL-Produktion immerhin fürs Kino umgesetzt, da darf ein TV-Film ruhig einmal ins Wanken kommen. Dafür dass ich aber eigentlich viel weniger erwartet habe (ich vermutete eher ein Ergebnis a la „John Sinclair“), wurde ich doch noch recht nett unterhalten. Und ein kleiner Hauch Wallace-Feeling weht tatsächlich durch den Film. Wer hätte damit gerechnet?


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