Donnerstag, 16. August 2012

PIXELS (2010 Patrick Jean)


Aus einem weggeworfenen Fernseher entlaufen bunte Farbpixel, die recht schnell Wirkung in der realen Welt zeigen. Aliens zerstören Autos, Donkey Kong wirft seine Fässer, Tetrisblöcke zerstören Häuser. Die Welt wird dabei immer verpixelter...


Wie ein Emmerich-Film in den frühen 80ern ausgesehen hätte...

Es beginnt mit einem weggeworfenen Fernseher. Was man aus „Poltergeist“ als augenzwinkernde Medienkritik kennt und als deutlichere Parallele zu „Pixels“ aus dem Musikvideo „Come To Daddy“ von den Aphex Twins, das wird hier der Auslöser einer Invasion der ganz besonderen Art: Animationspixel entweichen dem Gerät und infizieren nach und nach die Welt. Ein Mutanten-Frogger hüpft über reale Straßen, Aliens zerstören die Städte, Donkey Kong wirft wütend seine Fässer durch die Gegend. Mit jeder Tat wird die Welt verpixelter und verliert immer mehr ihren Realitätsgehalt, bis es schließlich zum konsequenten Schluss kommt.

Die Kritik ist nicht zu übersehen, und die Frage, die „Pixels“ aufwirft, ist gerechtfertigt. Wie viel Realität nimmt die Generation Computer noch wahr? Und ab wann wird diese fiktive Welt zu einem festen Gehalt der Realität, immerhin ist sie ja vorhanden und bestimmt wichtigste Bereiche in unserem Leben. Ersterer Frage ging „Surrogates“ für einen Blockbuster überraschend konsequent nach. Der französische Kurzfilm „Pixels“ schmeißt mit dieser Philosophie nur zwischen den Zeilen um sich, erreicht damit aber nicht das gleiche intensive Ergebnis wie das Langfilm-Popkorn-Produkt. Warum? Nun, „Pixels“ hinterlässt nicht den Eindruck wirklich zum nachdenken anregen zu wollen. Auch wenn Aufhänger und Schlusspointe anderes vermuten lassen könnten: der kurze Streifen soll lediglich Spaß machen.

Patrick Jean, der mit diesem 2 1/2-Minüter sein Regie-Debüt ablieferte, wollte sich schlichtweg ein wenig austoben und lässt die Berühmtheiten derAtari- und C64-Generation auf die Moderne los. „Pixels“ soll Spaß machen, nicht mehr und nicht weniger. Wenn überhaupt könnte man zwei andere Aspekte zwischen den Zeilen hineininterpretieren. Das wäre zum einen die Aussage, dass man Selbstverständlichkeiten des Alltags und Errungenschaften der Wissenschaft mehr Respekt entgegen bringen sollte, zum anderen das Spiel mit modernen Blockbustern: Computeranimationen im Realfilm auf den Kopf gestellt, und zwar als Billiganimation anstatt der aus Hollywood angesteuerten Perfektion. Beide Bereiche beherbergen den selben Kern: Man sollte in der Moderne auch das Vergangene nicht vergessen. Überholt ist nicht gleich schlecht, zumal das Neue auf dem Vergessenen und Unterschätzten überhaupt erst aufgebaut wurde.

Man liest es heraus: reindeuten lässt sich in einen solchen Streifen viel. Eine Stellungnahme des Regisseurs kenne ich nicht. Wie bereits erwähnt hinterlässt der Film eher den Eindruck nur mal kurzzeitig unterhalten zu wollen. Dieses Ziel hat er auch erreicht, auch wenn die Idee vielleicht besser ihren Platz in einem Musikvideo hätte finden sollen. Das ist schon das witzige an der Sache. Das eingangs von mir erwähnte Video für die Band Aphex Twins hatte (zumindest phasenweise) viel eher Kurzfilm-Charakter als Jeans kleiner Streifen.

Kurzfilm-Freunde können mal einen kleinen Blick riskieren. Wem es nicht gefällt, der hat ohnehin nur 2 1/2-Minuten Lebenszeit verschenkt. Das lässt sich sicherlich verkraften. Mehr als kleine Schmunzler kann „Pixels“ ohnehin nicht ernten. Aber das ist ja immerhin auch schon mal etwas.


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