Dienstag, 14. August 2012

PARANORMAL ACTIVITY 2 (2010 Tod Williams)


Eine Familie zieht in eine Villa, von welcher die Haushälterin behauptet, sie wäre von einem bösen Geist bewohnt. Als sie deshalb mit weißem Zauber gegen hält, wird sie kurzerhand von Familienvater Dan entlassen. Ein Fehler...


Viele anstatt wenig, laut anstatt leise...

Als seinerzeit „The Blair Witch Project“ fortgesetzt wurde, verdrehte ich die Augen und dachte mir: „Muss denn wirklich alles fortgesetzt werden?“ Eine Weiterführung dieses Filmes machte in meinen Augen keinen Sinn. „Blair Witch 2“ hat mich schließlich eines besseren belehrt. Der war zwar allgemein unbeliebt, aber ein interessantes Sequel seines besseren Vorgängers. Dementsprechend offen habe ich mich auf die Fortsetzung von „Paranormal Activity“ eingelassen. Dem fehlte ohnehin der Pionierstatus von „Blair Witch Project“, dennoch gingen hohe Erwartungen voraus, so immens wie es Teil 1 schaffte zu gruseln.

Nachdem ich gelesen hatte worum es gehen soll, habe ich auch nicht ernsthaft eine direkte Fortsetzung erwartet. Aber „Paranormal Activity 2“ hat eng mit Teil 1 zu tun, bildet inhaltlich jedoch eine Vorgeschichte zum Vorgänger, so dass uns auch hin und wieder die zwei bekannten Gesichter des Erstlings begegnen, wenn auch nur durch Gastauftritte.

In völliger Missachtung der Geschehnisse aus Teil 1 wissen die Übergänge zum ersten Film sogar zu faszinieren. Aber dass dies allein nur unter solcher Voraussetzung funktioniert, zeigt bereits, dass eine Fortsetzung wohl sinnvoller gewesen wäre. Diese Ungereimtheiten zu Teil 1 zeigen sich jedoch erst mit der Zeit, meist gegen Ende, so dass ein sonstiges positives Ergebnis gegen diesen Wermutstropfen halten könnte. Aber leider muss ich verkünden, dass Regisseur Tod Williams, der in seiner 12jährgen Tätigkeit als Regisseur bislang nur drei Filme geschaffen hat und deshalb nicht zu den Schnellschuss-Vieldrehern gehört, so ziemlich alles falsch gemacht hat, was es falsch zu machen gibt.

Beginnen wir mit dem endscheidendsten Element: die uns präsentierten Figuren sind nur leere Hüllen. Man lernt sie weder kennen, noch agieren sie glaubhaft untereinander. Die Figurenkonstellation wirkt nicht wie eine echte Familie, für das Sub-Genre der Pseudo-Doku müsste sie dies jedoch. Es fallen seelenlose Sätze, die immer auf Inhalt und Wirkung, aber nicht auf Authentizität bedacht sind. Das könnte man eventuell noch als Kritik an einer Gesellschaft verstehen, die es verlernt hat zu kommunizieren. Ich denke mal, dass es sogar trauriger Weise einige Familien wie die hier präsentierte gibt. Aber Sinn eine solche für einen Film zu wählen, der dringend eine Identifikationsfigur benötigt, macht das nicht, nicht ohne eine Figur als Sympathieträger hervorzuheben.

Anstatt eine solche präsentiert zu bekommen, wirft man uns die komplette Familie vor die Augen, die nicht nur aus inhaltslosen Stereotypen besteht, sondern auch, das Baby, Haushälterin und Gäste mitgezählt, viel zu viele an der Zahl sind. Und das ist das Problem, welches einen ungeheuren Einfluss auf das Grusel-Flair hat: man will zu viel. Anstatt einer Kamera gibt es mehrere, anstatt eines Pärchens gibt es eine Familie, anstatt eines kleinen Hauses gibt es die große Villa.

Die an ihr installierten Kameras sind nie nah genug am Geschehen dran, wie die handliche Kamera aus Teil 1. Das bemerkten auch die Filmverantwortlichen und ließen die Tochter des Hauses mit einem Camcorder weitere Aufnahmen drehen. Allerdings wird die Motivation dies zu tun nicht glaubwürdig eingebracht, was einen entscheidenden Unterschied zum Vorgänger ausmachte, der die Motivation nicht nur erwähnte, sondern zum zentralen Problem zwischen dem sonst so harmonischen Pärchen machte.

Als Durchschnitt wäre ein Film mit all diesen Problemen noch durchgekommen, wenn ansonsten die Suspense-Momente gestimmt hätten. Aber an Gruselstimmung war den Verantwortlichen der Fortsetzung scheinbar gar nicht gelegen. Und falls doch dachten sie, ruhige, beunruhigende Szenen könne man durch Aktion ersetzen. Kann man aber nicht, und so verpuffen selbst die wenigen Highlights, wie die explosionsartige paranormale Tat in der Küche, die jegliche Schränke gleichzeitig öffnen lässt. Auch ein Knalleffekt weiß nur inmitten stimmiger Atmosphäre emotional zu wirken. So wie hier inszeniert lässt er einen jedoch kalt.

Zwar versucht man sich auch an stillen Momenten, aber solche wissen nicht einzig dadurch zu wirken, dass man ereignislos die immergleichen Zimmer zeigt. Das mag zum Aufbau zu Beginn des Streifens noch funktionieren, aber wenn in immer gleicher Reihenfolge immer wieder die gleichen Räume gezeigt werden, in denen einfach nichts passieren will, dann ödet das irgendwann an.

Wenn nun noch die ohnehin schon unsympathische Familie damit beginnt Nichtigkeiten als Spuk zu deuten, dann wird auch endgültig der letzte psychologische Fehler begangen. Dass wir uns einen Horrorfilm ansehen, wissen wir selbstverständlich. Aber warum sollte eine Familie, die vor Ort ihren ganz gewöhnlichen Alltag lebt, bitte von paranormalen Phänomenen ausgehen, wenn beispielsweise die gusseiserne Pfanne von alleine zu Boden fällt? Lustiger Weise gibt es auch den umgekehrten Fall, in welchem der Vater, trotz frühen Beweises einer übernatürlichen Anwesenheit (das wandernde Gerät vom Pool), stur behauptet alles sei in Ordnung, obwohl sich eine gefilmte Tatsache kaum logisch erklären ließe.

Da kann man nur sagen: schade, schade! Einzig die Idee warum der Dämon in Teil 1 zuschlagen wird und wie die Familie ihr finales Schicksal erlebt, wissen zumindest ein wenig zu überzeugen. Aber wie ich bereits eingangs erwähnte: Sinn zu den Informationen, die wir in Teil 1 erhalten, macht dies nicht. Es funktioniert in seiner Glaubwürdigkeit also nur Fortsetzungs-intern. Mal sehen was uns Teil 3 bringt, der bereits in Arbeit ist. Sein Ergebnis wird darüber entscheiden, ob man trotz des schlechten Ergebnisses zu Teil 2 greifen muss oder nicht. Wäre mit der Fortsetzung Schluss gewesen, hätte ich empfohlen die Finger ganz von ihm zu lassen, auch wenn er vielerorts hochgelobt wird, warum auch immer.

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